Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Türkischer Tee

Türkischer Tee (türkisch çay ausgesprochen [t͡ʃaj], von Chinesisch 茶 (chá)) ist eine Teeart, die hauptsächlich in der Türkei und der türkischen Diaspora sowie …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Verbreitung
  2. 2. Anbau und Verbrauch
  3. 3. Zubereitung und Servieren
  4. 4. Kultureller Hintergrund
  5. 5. Kräutertees

Bedeutung und Verbreitung

Türkischer Tee, auf Türkisch Çay, ist vor allem in der Türkei und der türkischen Diaspora sowie in Nord-Zypern und einigen Balkanländern verbreitet. Es handelt sich gewöhnlich um Rize-Tee, eine Variante des schwarzen Tees, die ohne Milch getrunken wird.

Tee ist das am häufigsten konsumierte Heißgetränk der Türkei und ein wichtiger Bestandteil der türkischen Kultur. Das Anbieten von Tee gilt als Ausdruck der Gastfreundschaft. Çay wurde 2022 auf Antrag Afghanistans und der Türkei in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Anbau und Verbrauch

Türkischer Tee wird hauptsächlich an der östlichen Schwarzmeerküste und besonders in der Provinz Rize angebaut. Dort fördern ein mildes Klima, hohe Niederschläge und fruchtbare Böden den Teeanbau. Teeplantagen befinden sich unter anderem im Pontischen Gebirge.

Im Jahr 2004 produzierte die Türkei 205.500 Tonnen Tee. Das entsprach 6,4 % der weltweiten Teeproduktion und machte das Land zu einem der größten Teemärkte der Welt. 120.000 Tonnen wurden in der Türkei verbraucht, der Rest wurde exportiert. Mit 2,5 kg Tee pro Person hatte die Türkei 2004 den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch der Welt; dahinter folgte das Vereinigte Königreich mit 2,1 kg pro Person.

Zubereitung und Servieren

Zur Zubereitung dient meist ein Çaydanlık, ein aus zwei übereinandergestapelten Kannen bestehendes Gerät. In der größeren unteren Kanne wird Wasser zum Kochen gebracht. In die kleinere obere Kanne kommen mehrere Löffel Teeblätter. Ein Teil des heißen Wassers wird darübergegossen; der Tee zieht dort als sehr starker Aufguss.

Beim Servieren wird dieser Aufguss mit dem übrigen heißen Wasser individuell verdünnt. Dadurch kann jede Person zwischen starkem Tee und schwachem Tee wählen. Starker Tee heißt koyu, wörtlich „dunkel“, oder tavşan kanı, wörtlich „Kaninchenblut“, und besitzt eine tief braunrote Farbe. Schwacher, heller braunroter Tee wird açık, also „hell“, genannt.

Der Tee wird nach Geschmack mit Würfelzucker gesüßt und kochend heiß in kleinen tulpenförmigen Gläsern serviert. Die durchsichtigen Gläser zeigen seine Farbe. Man hält sie gewöhnlich am Rand fest, um die Fingerspitzen vor der Hitze zu schützen.

Kultureller Hintergrund

Çay wird häufig in Haushalten und Geschäften getrunken. Eine besondere Rolle spielt das Teehaus als sozialer Treffpunkt der Männer. Obwohl Kaffee in der Türkei eine lange Tradition besitzt, setzte sich Tee erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts als meistkonsumiertes Getränk durch.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Kaffee teuer und zeitweise nicht erhältlich. Durch den Zerfall des Osmanischen Reiches gingen außerdem die Kaffeeanbaugebiete im Jemen verloren, sodass Kaffee zu einem kostspieligen Importartikel wurde. Auf Initiative des Republikgründers Atatürk wandte sich die Bevölkerung stärker dem Tee zu, weil dieser leicht und nachhaltig aus inländischen Quellen verfügbar war.

Kräutertees

Kräutertees werden in der Türkei normalerweise als pflanzliche Medikamente verwendet und sind auch bei ausländischen Touristen beliebt. Zu den häufig getrunkenen Sorten gehören Apfeltee (elma çayı), Hagebuttentee und Lindenblütentee (ıhlamur çayı). Salbeitee (ada çayı, wörtlich „Inseltee“) ist besonders in der Mittelmeerküstenregion verbreitet.

Kräutertees, die zur Behandlung verschiedener Beschwerden bestimmt sind, werden in örtlichen Kräuterläden angeboten. Diese Geschäfte heißen Aktar, also Krämer. Dort verkauft man getrocknete Kräuterblätter, Blüten, Triebe und ähnliche Pflanzenteile lose und stellt sie nach Bedarf und Geschmack der Kundschaft zusammen.

Weiterlesen