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Susanne Dreß
von Hase, und die jüngste Schwester des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Sie war als Pfarrfrau in der Bekennenden Kirche in Berlin …
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Person und Bedeutung
Susanne Dreß, geborene Bonhoeffer, wurde am 22. August 1909 in Breslau geboren und starb am 15. Januar 1991 in Berlin. Sie war das achte und jüngste Kind von Karl und Paula Bonhoeffer sowie die jüngste Schwester des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Bekannt ist sie vor allem für ihr Engagement als Pfarrfrau in der Bekennenden Kirche und für die umfangreiche Dokumentation des Lebens ihrer Familie.
Ihr Leben war eng mit der kirchlichen Opposition gegen den Nationalsozialismus verbunden. Gemeinsam mit ihrem Mann Walter Dreß arbeitete sie in der Berliner Kirchengemeinde Dahlem, einem Zentrum des kirchlichen Widerstands. Nach 1945 engagierte sie sich beim Wiederaufbau der Gemeinde und in der Unterstützung Bedürftiger. Später hielt sie Vorträge über das Verhalten ihrer Familie im Dritten Reich und schrieb ihre Lebenserinnerungen nieder.
Kindheit, Schulzeit und Berufswünsche
Susanne Dreß wuchs in einer großbürgerlichen Gelehrten-Familie auf. Ihr Vater Karl Bonhoeffer war Direktor der psychiatrischen Klinik an der Charité in Berlin. Als Susanne drei Jahre alt war, zog die Familie deshalb nach Berlin; 1916 bezog sie eine Villa in der „Professoren-Kolonie“ in Berlin-Grunewald. Sie hatte vier Brüder und drei Schwestern.
In den ersten drei Schuljahren unterrichtete ihre Mutter, die ein Lehrerinnen-Examen besaß, Susanne und ihre Geschwister gemeinsam mit Freunden zu Hause. Danach besuchte Susanne mehrere Privatschulen. Ostern 1922 wurde sie an der öffentlichen Studienanstalt in der Bismarckstraße eingeschult und wechselte im Herbst 1922 an das benachbarte Lyzeum. Dort blieb sie jedoch nur ein halbes Jahr. Als lebhaftes, phantasievolles und eigenwilliges Kind hatte sie Schwierigkeiten mit der schulischen Disziplin. Außerdem hatte sie nach heutigen Begriffen eine Legasthenie. Häufige Unfälle und Krankheiten führten zu einem unregelmäßigen Schulbesuch. An der Privatschule Wellmann legte sie Ostern 1925 die Mittlere Reife ab.
Von 1925 bis 1926 besuchte sie die einjährige Haushaltungsschule im Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin. Sie bereitete sich damals auf eine Tätigkeit als Lungenpflegerin für Tuberkulose-Kranke vor. Für diese entsagungsvolle Aufgabe hatte sie sich nach einem Bekehrungserlebnis am 20. März 1924 entschieden. Da sie ihre Berufsausbildung erst mit 18 Jahren beginnen konnte, lebte sie anschließend ein Jahr als Haustochter bei ihren Eltern.
Einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag verlobte sie sich heimlich mit dem angehenden Pfarrer Walter Dreß, einem Studienfreund ihres drei Jahre älteren Bruders Dietrich. Daraufhin gab sie ihre bisherigen Berufswünsche auf. Während der zweijährigen Verlobungszeit schloss Walter Dreß sein Studium ab und habilitierte sich an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin in Kirchengeschichte. Susanne arbeitete als Säuglingspflege-Helferin im Städtischen Krankenhaus in Frankfurt an der Oder und besuchte in Berlin Kurse in Schönschrift, Schreibmaschinenschreiben und Weißnähen.
Ehe, Familie und Kriegszeit
Am 14. November 1929 heirateten Susanne und Walter Dreß in Berlin. Ihre erste gemeinsame Wohnung lag in Berlin-Charlottenburg, Dernburgstraße 50. Walter Dreß war damals Privatdozent an der Berliner Universität. Die ersten Ehejahre waren von mehreren Fehlgeburten sowie längeren Zeiten von Krankheit und Depression bei Susanne geprägt.
Von Februar 1931 bis April 1932 lehrte Walter Dreß Kirchengeschichte an der Luther-Akademie in Dorpat. Das Ehepaar lebte deshalb in Estland. Wegen Spannungen zwischen dem jungen baltischen Staat und der deutsch-baltischen Minderheit wurden beide als unerwünschte Ausländer ausgewiesen und kehrten nach Berlin zurück. Dort wohnten sie bis zu ihrem Lebensende.
1935 wurde nach einer komplizierten Schwangerschaft der Sohn Michael geboren. Susanne musste wegen unstillbaren Erbrechens, der Hyperemesis gravidarum, die Schwangerschaft weitgehend im Liegen verbringen. Michael wurde später Pianist und starb 1975 in London. 1938 kam nach einer ebenso schwierigen Schwangerschaft der zweite Sohn Andreas zur Welt, der als Mathematik-Professor in Bielefeld lehrte und häufig auch Andreas Dress geschrieben wurde. Nach einer unerwarteten Schwangerschaft und einer erzwungenen Abtreibung war Susanne 1945 monatelang lebensgefährlich erkrankt.
Wegen seiner Tätigkeit für die Bekennende Kirche verlor Walter Dreß 1935 sein Stipendium und 1936 die venia legendi, also die Lehrbefugnis. Seine Vertretungs-Pfarrstelle in Berlin-Lichterfelde verlor er 1937 ebenfalls. Seit dem 1. August 1938 vertrat er die Pfarrstelle des inhaftierten Martin Niemöller in Berlin-Dahlem. Die Familie wohnte seitdem in der Helfferichstraße 18. Susanne und Walter waren dort in Gemeindearbeit und Kirchenkampf engagiert. Die weitgehend kritisch gegenüber dem NS-Regime eingestellte Großfamilie Bonhoeffer bildete einen geschützten Raum für Informationsaustausch und den Zusammenhalt von Widerstandsaktivitäten.
Mehrere Angehörige wurden verhaftet. Susannes Schwester Christine von Dohnanyi wurde zusammen mit ihrem Mann Hans von Dohnanyi und Dietrich Bonhoeffer am 5. April 1943 verhaftet. Am 1. Oktober 1944 wurde Susannes Bruder Klaus Bonhoeffer inhaftiert; bald darauf kam auch ihr Schwager Rüdiger Schleicher ins Gefängnis. Susanne kümmerte sich gemeinsam mit ihrer Schwester Ursula und den Eltern um die Gefangenen. Christine von Dohnanyi wurde nach mehreren Wochen wieder freigelassen. Die vier inhaftierten Brüder beziehungsweise Schwäger wurden am 9. April beziehungsweise am 23. April 1945, kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reichs, hingerichtet.
Walter Dreß konnte seine Einberufung zum Kriegsdienst wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen mithilfe familiärer Beziehungen mehrmals abwenden. Bombenangriffe zerstörten die Berliner Wohnung zunächst schwer und machten sie am 10. Februar 1944 unbewohnbar. Die Söhne wurden zeitweise nach Friedrichsbrunn im Harz evakuiert; der Familie wurden anschließend zwei Zimmer in der Pücklerstraße 24 zugewiesen. Ab November 1944 holte Susanne ihre Söhne in die umkämpfte Reichshauptstadt zurück, weil die Familie zusammenbleiben sollte.
Nach dem Einmarsch der Russen lebte die Familie vorübergehend an verschiedenen Orten und zog schließlich in Dahlem in das Haus Im Gehege 16. Ab 1958 wohnte sie im ehemaligen Pfarrhaus Martin Niemöllers in der Pacelli-Allee 16. Dort begann Susanne mit ihren Lebenserinnerungen. Nach dem Tod ihres Mannes am 6. Februar 1979 zog sie in das Altenheim Lutherstift in Berlin-Steglitz und vollendete dort ihre Autobiographie. Sie starb 1991 und wurde auf dem Waldfriedhof Zehlendorf beigesetzt. Das für sie und ihren Mann vorgesehene Grab in der Gemeinde Berlin-Dahlem hatte sie für Rudi Dutschke freigegeben.
Kirchliche Arbeit und Haltung nach 1945
Bereits 1925 unterstützte Susanne ihren Bruder Dietrich Bonhoeffer bei dessen erfolgreicher Kindergottesdienst-Arbeit in der Grunewalder Kirchengemeinde. Nach der Rückkehr aus Dorpat ließ sie sich 1932 in Berlin-Lichterfelde für Besuchsdienste, Frauenkreise und weitere Aufgaben gewinnen. Dabei suchte sie auch wegen ihrer ungewollten Kinderlosigkeit nach einer sinnvollen Aufgabe.
Mit dem Amtsantritt ihres Mannes in Dahlem 1938 übernahm sie die Rolle einer äußerst aktiven Familien- und Pfarrfrau. Sie arbeitete in der Frauenhilfe und im Kirchenchor, organisierte Gemeindefeste, hielt Kindergottesdienste und leitete Kinder- und Mädchenkreise. Außerdem führte sie Sommerfreizeiten durch, übernahm zeitweise Religionsunterricht, gründete einen Mütterkreis beziehungsweise Pädagogischen Arbeitskreis und einen Lesekreis und kümmerte sich um den Gemeindekindergarten.
Nach dem Ende des Dritten Reichs wurde sie beim Wiederaufbau des Gemeindelebens von der Gemeindehelferin Anneliese Schwarz unterstützt. Mit ihr verband sie eine langjährige Freundschaft; Schwarz zog später bei der Familie ein. Besonders wichtig war Susanne Dreß der Aufbau des „Dahlemer Hilfswerks“, das sie bereits im Mai 1945 gründete. Die Wohltätigkeitseinrichtung half mittellosen Heimkehrern und Flüchtlingen aus den Ostgebieten. Über Jahre wurden Kleidung und Hausrat gesammelt, repariert und an Bedürftige verteilt. Außerdem setzte sich Dreß in Berlin für die Wiedereinführung des Weltgebetstags der Frauen ein.
Obwohl ihre Familie zu den Opfern des Nationalsozialismus gehörte, trat Dreß für die Rehabilitierung von Tätern und Mitläufern ein. Im Dahlemer Hilfswerk beschäftigte sie beispielsweise ehemalige Parteigenossen, damit diese eine Möglichkeit praktischer Wiedergutmachung erhielten. Sie forderte Strafe für Schuldige und Schutz vor weiterhin gefährlichen Personen, wandte sich aber gegen Hass und pauschale Verfolgung von Menschen, die guten Willens waren. Ebenso kritisierte sie die Selbstgerechtigkeit der Bekennenden Kirche nach deren Auseinandersetzung mit den Deutschen Christen.
Schriften und Erinnerung
Susanne Dreß hinterließ vor allem autobiographische Aufzeichnungen über ihre Familie und die Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Lebenserinnerungen begann sie ab 1958 niederzuschreiben, nahm die Arbeit nach dem Tod ihres Mannes wieder auf und vollendete sie im Altenheim. Ab 1959 hielt sie außerdem Vorträge über das Engagement ihrer Familie im Dritten Reich, besonders als das öffentliche Interesse an Dietrich Bonhoeffer und am NS-Widerstand zunahm.
Die Aufzeichnungen erschienen 2018 unter dem Titel „Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer. Die Aufzeichnungen von Dietrich Bonhoeffers jüngster Schwester Susanne Dreß“. Herausgeberin, Einleiterin und Kommentatorin war Jutta Koslowski; das Buch erschien im Gütersloher Verlagshaus in Gütersloh und trägt die ISBN 978-3-579-07152-7.
2022 erschien außerdem „Pit und der Zauberer. Eine zauberhafte Geschichte von Dietrich Bonhoeffers jüngster Schwester Susanne Dreß“ mit Illustrationen von Friederike Rave. Herausgeberin war ebenfalls Jutta Koslowski; das Buch erschien im Präsenz Verlag in Bad Camberg und trägt die ISBN 978-3-985-49006-6.