Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Subpolares Klima
Klimate hoher und mittlerer Breiten, die ganzjährig oder die meiste Zeit im Einflussbereich der polaren Klimazone liegen: nach Köppen und Geiger dauerfeuchte …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und zentrale Bedeutung
Subpolares Klima ist eine mehrdeutige und unscharfe Bezeichnung. Auf der Nordhalbkugel wird häufig „subarktisches Klima“, auf der Südhalbkugel „subantarktisches Klima“ als Synonym verwendet. Gemeint sein kann entweder eine Subzone der Polargebiete, die von der hochpolaren Subzone in die Gemäßigte Klimazone überleitet, oder ein Klimatyp hoher und mittlerer Breiten, der ganzjährig beziehungsweise meist unter dem Einfluss der polaren Klimazone steht.
In der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger bezeichnet subpolar vor allem dauerfeuchte Klimate des Typs Cfc. Bei Troll und Paffen steht der Begriff für dauerfeuchte, subpolare, hochozeanische Klimate des Typs I4 am Rand der Polargebiete. Daher ist ohne Zusatzinformationen nicht erkennbar, ob ein bestimmter Klimatyp, ein Teil einer Klimazone oder eine uneinheitlich definierte, erdumspannende Klimazone gemeint ist.
Die genaue Abgrenzung wird je nach Klassifikation sehr unterschiedlich vorgenommen. Die Verwendung der Bezeichnungen „subpolar“, „subarktisch“ und „subantarktisch“ kann deshalb irreführend sein.
Subpolare Zone und genetische Abgrenzung
Der Begriff „Subpolare Klimazone“ stammt aus genetischen Klimaklassifikationen. Diese richten sich vor allem nach der atmosphärischen Luftzirkulation. Die Übertragung einer solchen veränderlichen Luftzirkulationszone auf die konkreten Klimaverhältnisse am Boden ist problematisch. Die Zone kann sich über polare und boreale Klimate bis in kühlgemäßigte Bereiche erstrecken und passt deshalb nicht eindeutig zu den üblichen effektiven Klimaklassifikationen.
Nach Alissow (1936/1950) wird die subarktische Zone durch die Lage der Polarfront begrenzt. Die Polarfront ist der dynamische Verwirbelungsbereich polarer Kaltluft und subtropischer Warmluft. Dort treten häufige, aber stets wenig intensive Niederschläge auf. Flohn (1950) ordnete die subpolare Zone ebenfalls der Polarfront zu und beschrieb sie als Bereich entlang der polnahen Zugstraßen der Zyklonen mit einem Maximum der Wind- und Wetterveränderlichkeit. Neef (1954) bezog sich vor allem auf die Windverhältnisse: Im Sommer herrschen außertropische Westwinde, im Winter polare Ostwinde.
Diese Festlegung zeigt eine jahreszeitliche Verschiebung: Im Sommer gehört die Zone teilweise zur kaltgemäßigten Zone, im Winter zur Polarzone. Unter Berücksichtigung dieser Schwankungen wird die subarktische Zone zwischen 60 und 80° Nord, die subantarktische Zone zwischen 55 und 70° südlicher Breite lokalisiert.
Die Subpolarzone gilt als eigenständige Zonenkategorie, lässt sich aber nur schwer in die klassischen, vergleichsweise langsam veränderlichen Klimazonen Polarzone, Mittelbreiten, Subtropen und Tropen einordnen. Einheitliche Merkmale für Tageslängen, Temperaturen, Niederschläge und Jahreszeiten fehlen. Die Zone steht für die dauernde Veränderlichkeit der subpolaren Tiefdruckrinne. Flohn stellte 1957 die Eigenständigkeit dieser Zone in Frage.
Unterschiedliche Zuordnungen
Je nach Autor wird die subpolare Zone unterschiedlich weit gefasst:
-
Im Zusammenhang mit dem hochpolaren Klima bezeichnet „subpolar“ meist die milderen, nicht ständig eisbedeckten Randbereiche des Polarklimas, also Kältewüsten, Tundren und Tundrenklimate.
-
Troll und Paffen (1964) sowie das darauf aufbauende Konzept der Ökozonen nach Schultz (1988) fassen die Polargebiete als „Polare/Subpolare Zone“ zusammen. Die subpolaren Gebiete entsprechen dort den polaren Tundren.
-
Müller-Hohenstein (1989) definiert eine subpolare Tundrenzone mit einer Jahresmitteltemperatur von −10 bis −15 °C. Die mittlere Temperatur des wärmsten Monats liegt über 6 °C, die jährliche Niederschlagssumme unter 300 mm. Das Klima ist vollhumid; die Vegetationsperiode umfasst 30–90 Tage, gezählt als Summe der humiden Tage mit mindestens 10 °C.
-
Im Diercke Wörterbuch Geographie bilden Tundren im weiteren Sinne die subarktische Zone. Sie haben kurze, milde Sommer, eine Vegetationsperiode von 70–100 Tagen und Permafrost. Im engeren Sinne werden teilweise nur Waldtundren einbezogen. Diese kommen im Gegensatz zur Tundra nur auf der Nordhalbkugel vor und entsprechen in Gebirgen teilweise der subalpinen Höhenstufe zwischen Wald- und Baumgrenze.
-
Das Herder Lexikon Geographie bezeichnet die subarktische und subpolare Zone als Übergangsklima zwischen polarem und gemäßigtem Klima. Kennzeichnend sind Tundren und boreale Nadelwälder mit sehr kalten Wintern. Die Zone wird auf der Südhalbkugel zwischen 55 und 60° und auf der Nordhalbkugel „zum Teil wesentlich breiter“ angesetzt.
-
Die Brockhaus Enzyklopädie nennt Übergangsklimata zwischen gemäßigten und polaren Zonen, ungefähr zwischen 60° und 70° nördlicher und südlicher Breite. Sie beschreibt vorherrschende polare Ostwinde, ganzjährig schwache Niederschläge, kurze kühle Sommer und das Auftreten von Tundra. In diesem Bereich kommen jedoch sowohl Tundra als auch Taiga vor.
-
Siegmund und Frankenberg verwenden „Subpolare Zone“ für die kalte Zone ihrer Klimaklassifikation. Diese liegt zwischen Eiszone und kühler Zone und wird durch Jahresdurchschnittstemperaturen von –10 °C bis 0 °C abgegrenzt.
-
Im englisch geprägten Sprachgebrauch kann „subarctic“ der borealen beziehungsweise kaltgemäßigten Zone entsprechen. Trewartha bezeichnet seinen Klimatyp E als subarktische oder boreale Klimate der Nordhalbkugel. Einige Autoren ordnen auch die Köppen-und-Geiger-Klimate Dfc, Dwc und Dsc als kaltgemäßigte oder subarktische Klimate ein; ihre Verbreitung deckt sich weitgehend mit den nordischen Nadelwäldern.
Cfc-Klima nach Köppen und Geiger
Das Cfc-Klima ist ein dauerfeuchtes, hochozeanisches Klima, das häufig als „subpolares Ozeanklima“ bezeichnet wird. Es gehört nach Köppen und Geiger jedoch zu den warmgemäßigten Regenklimaten und nicht eindeutig zu den polaren Klimaten. Manche Autoren verwenden deshalb die Bezeichnung „marine west coast climate“ beziehungsweise maritimes Westseitenklima.
Köppen definiert den Klimatyp thermisch durch folgende Merkmale:
- Der Durchschnitt des kältesten Monats liegt über 0 °C bis minimal −3 °C.
- Ein bis drei Monate erreichen eine Mitteltemperatur über 10 °C.
Hygrisch, also hinsichtlich der Feuchtigkeit, ist der Niederschlag gleichmäßig über das Jahr verteilt; signifikante Unterschiede zwischen den Jahreszeiten fehlen. Die Winter sind lang und mild, dabei fällt relativ viel Schnee. Die Sommer sind kühl und kurz, Temperaturextreme treten selten auf.
Das Cfc-Klima umfasst sowohl „wintermilde Tundrenklimate“ der Polarzone als auch Teile kaltgemäßigter Regenwaldklimate. Es kommt nur in sehr kleinen Regionen vor, vor allem auf Inseln und an schmalen Küstenstreifen unter häufigem Einfluss polarer Luftmassen. Die größte Verbreitung liegt im Süden Chiles, unter anderem in Teilen des Magellanischen Regenwaldes und der Scheinbuchen-Bergwälder. Weitere Vorkommen liegen beispielsweise auf den Falklandinseln, in Gebirgen Tasmaniens und der australischen Alpen, auf den Aucklandinseln und an der Südwestküste der Südinsel Neuseelands sowie in hohen Bergregionen Neuguineas.
Auf der Nordhalbkugel kommt der Klimatyp unter anderem auf den mittleren Aleuten, an kleinen Hanglagen am Alaska Panhandle, auf Teilen der kanadischen Inseln Graham und Vancouver, an der Südküste Islands, auf den Färöerinseln, in den schottischen Highlands, entlang der norwegischen Fjordküste, auf den Lofoten, den Vesterålen und in Teilen von Tromsø vor. Die Vegetation reicht von subpolaren Wiesen, Strauchheiden und Mooren bis zu gemäßigtem Regenwald.
I4-Klima nach Troll und Paffen
Das Klima I4 nach Troll und Paffen überschneidet sich mit dem Cfc-Klima. Auch I4 bezeichnet ein dauerfeuchtes, ausgesprochen ozeanisches Klima unter dem Einfluss polarer Luftmassen. Wegen niedrigerer Temperaturgrenzen umfasst es jedoch ausschließlich wintermilde Tundrenklimate, die thermisch zur polaren Klimazone gehören.
Troll grenzt I4 durch drei thermische Werte ab:
- Die Mitteltemperatur des wärmsten Monats beträgt +5 bis 12 °C.
- Die Mitteltemperatur des kältesten Monats beträgt +2 bis −8 °C.
- Die maximale jährliche Temperaturamplitude liegt unter 13 K, meist unter 10 K.
Die Nähe zum Ozean und die geringe Verdunstungsrate in den hohen Breiten führen zu dauerhaft feuchten Bedingungen. Die Winter sind mäßig kalt und eher schneearm, die Sommer kühl und liegen unter 10 °C. Deshalb können in der Regel keine Bäume wachsen. Typisch sind subpolares Grasland, Strauchtundra und Küstenmoore.
Auf Trolls Karte der Jahreszeitenklimate erscheint I4 auf der Südhalbkugel als erdumspannende Subzone. Größere Landgebiete dieses Klimatyps liegen unter anderem an den südlichen Küsten Feuerlands, auf Ostfalkland und auf den Kerguelen. Auf der Nordhalbkugel gibt es dagegen nur zwei isolierte regionale Bereiche: von der Aleutenkette bis West-Kodiak sowie einen Südbogen von der West- bis zur Ostküste Islands.
Lernvideos zu Subpolares Klima
6:18
Die kalte Zone - Die Subpolare Zone und die Polare Zone - Klimazonen 7
Geographie - simpleclub · 268.918 Aufrufe
14:49
Atmosphäre | Geozonen und Klimazonen | Abitur | Geographie | #abi
Geographie Abitur · 1.329 Aufrufe
15:47
Klimazonen und Vegetationszonen der Erde [Erdkunde, Oberstufe]
TeacherToby · 1.391 Aufrufe
19:18
Klima- und Vegetationszonen im Überblick
13 Grad Ost · 1.171 Aufrufe