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St. Clemens (Hannover)

Die Kirche St. Clemens ist die römisch-katholische Hauptkirche von Hannover und das Zentrum des Regionaldekanats. Seit dem 1. September 2010 gehört die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Entwicklung der Kirche
  2. 2. Bau, Zerstörung und Wiederaufbau
  3. 3. Innenraum und Krypta
  4. 4. Orgeln und ihre Nutzung
  5. 5. Glocken und Erinnerung an Steffani

Bedeutung und Entwicklung der Kirche

Die Basilika St. Clemens ist die römisch-katholische Hauptkirche von Hannover und Zentrum des Regionaldekanats. Sie gehört seit dem 1. September 2010 zur Pfarrgemeinde St. Heinrich im Dekanat Hannover des Bistums Hildesheim. Als Basilica minor besitzt sie einen besonderen, vom Papst verliehenen Rang.

St. Clemens war die erste katholische Kirche Hannovers nach der Reformation. In der Reformationszeit kam es zu Konflikten zwischen Altgläubigen und Lutheranern. Nach der Eskalation von 1533 flohen am 14. September die Bürgermeister und fast alle Ratsherren nach Hildesheim. Das katholische Leben in Hannover erlosch weitgehend; 1588 entzog der Stadtrat Katholiken zudem das Wohnrecht in der Altstadt.

Eine neue katholische Gemeinde entstand, als Herzog Johann Friedrich 1665 die Herrschaft in Hannover übernahm. Er war 1661 in Assisi katholisch geworden. Hofbedienstete, besonders Franzosen und Italiener, feierten Weihnachten 1665 unter Valerio Maccioni den ersten katholischen Gottesdienst nach der Reformation. Johann Friedrichs Nachfolger Ernst August beschränkte die öffentliche Religionsausübung zunächst auf ein privates Recht, versprach aber schließlich freie Religionsausübung und erlaubte den Kirchenbau.

Bau, Zerstörung und Wiederaufbau

Der italienische Priester, Komponist und Diplomat Agostino Steffani förderte den lange verzögerten Bau. Er beauftragte seinen Landsmann Tommaso Giusti mit Planung und Bauleitung. Die Grundsteinlegung in der Calenberger Neustadt erfolgte am 6. Juli 1712, die Weihe am 4. November 1718.

Giusti hatte einen venezianischen Kuppelbau mit zwei flankierenden Türmen entworfen. Wegen fehlender Mittel wurden Kuppel und Türme zunächst nicht ausgeführt. Das erhaltene Holzmodell zeigt als Vorbild deutlich Santa Maria della Salute in Venedig von Baldassare Longhena. Die Kirche erhielt den Namen des heiligen Clemens Romanus, des Namenspatrons von Papst Clemens XI.; dieser Papst unterstützte Bau und Finanzierung. Papst Leo XIII. erhob St. Clemens 1894 zur Propsteikirche.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 wurde die Kirche beim schwersten Luftangriff auf Hannover zerstört; am 25. März 1945 trafen sie erneut Bomben. Von 1947 bis 1957 wurde sie nach Plänen von Otto Fiederling wieder aufgebaut. Die Kosten betrugen knapp 1,7 Millionen Mark. Dabei ergänzte man erstmals die ursprünglich geplante Kuppel und die gedrungenen Glockentürme in modernen Formen. Das Richtfest war am 23. November 1949, die erneute Weihe nahm am 24. November 1957 der Apostolische Nuntius Aloysius Muench vor. Papst Johannes Paul II. erhob die Kirche am 12. März 1998 mit dem Apostolischen Schreiben Inter sacras zur Basilica minor. Sie gilt in Norddeutschland als einzige Kirche mit rein italienischem Charakter.

Innenraum und Krypta

Die Innenausstattung folgt dem Schlichtheitsideal der 1950er Jahre. Dazu gehören mehrere überlebensgroße Apostelfiguren aus dieser Zeit. Die Bronzeportale entwarf Heinrich Gerhard Bücker.

Unter der Oberkirche liegt die Krypta. Sie war ursprünglich als Begräbnisstätte für verdiente Gemeindemitglieder bestimmt; auch Tommaso Giusti ist dort bestattet. Heute finden in der Krypta Gottesdienste im kleinen Rahmen statt.

Orgeln und ihre Nutzung

Die erste Orgel baute der hannoversche Orgelbauer Christian Vater; sie wurde am 17. September 1718 fertiggestellt. Sie hatte 20 Register, also Klangfarben beziehungsweise Pfeifenreihen, verteilt auf Hauptwerk, Brustwerk und Pedal. Zu ihren Registern gehörten unter anderem Principal, Rohrflöte, Vox humana, Subbass, Posaune und Trompete.

Die Hauptorgel der Gegenwart wurde 1973 von Johannes Klais in Bonn gebaut. Sie besitzt 32 Register auf zwei Manualen, dem Hauptwerk und dem Schwellwerk, sowie Pedal. Ihre Spieltrakturen, also die Verbindung zwischen Tasten und Pfeifen, sind mechanisch; die Registertrakturen sind elektrisch. Anders als häufig in katholischen Kirchen steht sie nicht auf einer Empore, sondern im Chor hinter dem Altar. 1984 erhielt ihr Prospekt barockisierende Schleierbretter von Heinrich Gerhard Bücker; 2004 restaurierte Klais das Instrument. Weil der Standort im Altarraum als ungünstig gilt, wird für eine künftige Umgestaltung über Versetzung, Umbau und Erweiterung oder einen Neubau nachgedacht.

Die Hauptorgel kann die Manuale und das Pedal über die Koppeln II/I, I/P und II/P verbinden. Ihre Tonhöhe beträgt a¹ = 440 Hz bei 16 °C. Ergänzend gibt es ein Orgelpositiv mit vier Registern von Emil Hammer Orgelbau aus dem Jahr 1975 auf der Empore und eine ebenfalls vierregistrige Truhenorgel von Hammer aus dem Jahr 1990 in der Krypta.

Glocken und Erinnerung an Steffani

In den Jahren 1907, 1923/4 sowie 1930 bis 1932 lieferte die Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen fünf Bronzeglocken mit insgesamt 11 Tonnen Gewicht, darunter eine b⁰-Glocke von 4 Tonnen. Sämtliche dieser Glocken wurden im Krieg beschlagnahmt und eingeschmolzen.

Heute hängen im Nordturm vier Glocken. Die zwei größeren sind Leihglocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die der deutsche Staat der Gemeinde zur Verfügung stellte: die Dreifaltigkeitsglocke und die Johannes-, Maria- und Josefsglocke, beide 1801 von Christian Friedrich Siefert in Hirschberg gegossen. Sie wiegen etwa 1450 kg beziehungsweise 880 kg und haben die Schlagtöne es′-2 und ges′-6. Die Johannesglocke und die Clemensglocke goss Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher 1961; sie wiegen etwa 550 kg und 370 kg und klingen as′-7 beziehungsweise b′-5.

Agostino Steffani ist im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main bestattet. Sein ursprüngliches Epitaph ging vermutlich beim Dombrand von 1867 verloren. Als Dank für den Bau von St. Clemens stifteten die Katholiken Hannovers 1935 ein neues Marmorepitaph. Es zeigt die Kirche in ihrer ursprünglichen Form ohne Kuppel.

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