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Sportmetapher
Die deutsche Sprache weist ein äußerst umfangreiches Arsenal an Sportmetaphern auf. Die nachfolgenden Beispiele sind den Publikationen von Werner Haubrich …
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Definition und Bedeutung
Eine Sportmetapher ist ein bildhafter Ausdruck oder eine Redewendung, die ursprünglich aus dem Sport stammt und in einen anderen Sprachbereich übertragen wurde. Sie kann in die Standardsprache, eine Fachsprache oder eine andere Sondersprache eingehen.
Grundlage ist eine Analogie, also eine erkennbare Gemeinsamkeit zwischen der wörtlichen sportlichen Bedeutung und dem übertragen Gemeinten. Eine Metapher ist damit eine Übertragung eines ursprünglichen Wortsinns oder Vorgangs in einen neuen Zusammenhang. Formal handelt es sich nach Paul Ricœur um einen „implizierten Vergleich“: Der Vergleich kommt ohne verbindende Wörter wie „wie“ oder „als“ aus.
Sportmetaphern machen die Alltags- und Umgangssprache anschaulicher, lebendiger und ausdrucksstärker. Sie können außerdem Gefühle, Bewertungen und feine Bedeutungsunterschiede vermitteln.
Aufbau einer Sportmetapher
Nach Siegbert Warwitz lässt sich eine Sportmetapher in drei Bestandteile gliedern:
• Die „Ursprungsbedeutung“ ist im Sport verankert. „Auf Trab bringen“ bedeutet ursprünglich, die Gangart eines Pferdes zu erhöhen.
• Der „Vergleichspunkt“ ist die gemeinsame Eigenschaft von ursprünglicher und übertragener Bedeutung. Im Beispiel ist dies die Beschleunigung.
• Die „sinngerechte Übertragung“ wendet das Bild auf einen anderen Zusammenhang an. So kann „eine müde Amtsperson auf Trab bringen“ bedeuten, sie zu engagierterer Arbeit zu veranlassen.
Der Bildvergleich muss sachlich und fachlich stimmig sein. Ein nur intuitives Verständnis kann zu Fehlern führen. Als Beispiel nennt der Artikel „Olympiade“, das eigentlich ein Fachwort der antiken Zeitrechnung ist. Bildungen wie „Schacholympiade“, „Mathematik-Olympiade“ oder „Berufsolympiade“ werden deshalb als Unsinnsmetaphern bezeichnet.
Formen und Bedeutungswandel
Bei lange gebräuchlichen und abstrakten Sportmetaphern wird die sportliche Herkunft oft nicht mehr wahrgenommen. Wörter wie „Konkurrenz“, „Problem“, „Gewandtheit“, „Überlegenheit“, „Ansporn“, „Errungenschaft“, „Betroffenheit“, „Schlagkraft“, „Mitläufer“ und „Vorläufer“ sind so selbstverständlich in die Standardsprache eingegangen, dass meist nur Sprachexperten sie noch als ehemalige Übernahmen aus dem Sport erkennen.
Bei Umdeutungen bleibt die Herkunft sichtbar, doch die Wertung verändert sich. Eine „Seilschaft“ bezeichnet im Bergsport eine Gruppe, deren Mitglieder durch ein Seil verbunden sind und sich gemeinsam gegen einen Absturz sichern. In der Politik meint das Wort dagegen abwertend ein abgeschottetes Karrierenetzwerk, dessen Mitglieder sich gegenseitig fördern oder frühere Mitglieder nach dem Zusammenbruch eines politischen Systems schützen. Auch das ursprünglich neutrale „Sich abseilen“ erhält übertragen eine negative Bedeutung: sich heimlich davonmachen oder einer schwierigen Situation entziehen.
Bei Umwandlungen kann das Bildmaterial zunächst aus einem anderen Lebensbereich in den Sport und anschließend in die Standardsprache gelangen. Das Errichten einer Mauer stammt aus dem Maurerhandwerk. Im Fußball wurde daraus „eine menschliche Mauer bilden“; daraus entstand wiederum „mauern“ im Sinne von „eine Entscheidung blockieren“. Andere Ausdrücke wurden in ihrer heutigen Form nie als eigentliche Sportbegriffe gebraucht. „Hochtrabende Worte“ bezeichnet eine gestelzte Redeweise, „sich vergaloppieren“ eine Fehlentscheidung oder Fehlhandlung.
In einem weiteren Verständnis kann sogar eine ganze Sportart zum Bildgeber werden. Das Bergsteigen wird wegen seiner Aufwärtsorientierung als „Metapher eines sinnstrebenden Lebens“ verstanden. Dabei verbindet sich die positiv bewertete Vorstellung der Höhe mit der Anforderung körperlicher Leistung und sogar mit der Suche nach dem ewigen Seelenheil.
Sprachliche Wirkung
Sportmetaphern ermöglichen feine stilistische und inhaltliche Unterschiede. Wer ein Anliegen „durchficht“, drückt sich eleganter aus als jemand, der es „durchboxt“. Ebenso bedeuten „sich verrennen“ und „sich vergaloppieren“ nicht genau dasselbe.
Die Bilder können außerdem witzig oder ironisch wirken. „Die Kinderstube im Galopp durchqueren“ beschreibt bildhaft mangelnde Umgangsformen. Ein „Radfahrer“ ist übertragen ein Karrierestreber, der gegenüber Vorgesetzten „nach oben buckelt“ und gegenüber Untergebenen „nach unten tritt“.
Typische Beispiele
Die deutsche Sprache besitzt zahlreiche Sportmetaphern aus unterschiedlichen Disziplinen. Aus dem allgemeinen Sport stammen etwa „Fairness“, „Training“, „Muskelspiele“, „sich disqualifizieren“ und „etwas sportlich nehmen“.
Besonders viele Bilder liefert der Boxsport: Man kann „eine Sache durchboxen“, „punkten“, „einen Tiefschlag kassieren“, „angeschlagen sein“, „in die Seile gehen“, „zu Boden gehen“, „ausgezählt werden“ oder „k. o. gehen“. Aus dem Fußball kommen „jemanden auflaufen lassen“, „kontern“ und „jemanden ins Abseits stellen“.
Die Leichtathletik liefert Wendungen wie „Startschuss in die neue Saison“, „mehrere Anläufe nehmen“, „einen Zwischenspurt einlegen“, „jemanden überrunden“, „in die Zielgerade einbiegen“ und „zum Endspurt ansetzen“. Aus dem Reitsport stammen unter anderem „fest im Sattel sitzen“, „die Sporen geben“, „die Zügel straffen“, „eine Nasenlänge voraus sein“, „Favorit sein“, „sich vergaloppieren“ und „auf Trab kommen“.
Aus dem Schwimmsport kommen „ins Schwimmen geraten“, „sich über Wasser halten“, „gegen den Strom schwimmen“, „in den Strudel geraten“, „eine Wende einleiten“, „abtauchen“ und „sich frei schwimmen“. Der Schießsport liefert „den Bogen überspannen“, „Zielscheibe des Spotts“, „ins Schwarze treffen“ und „Volltreffer“. Allgemeine Spielbilder sind beispielsweise „Heimspiel“, „am Ball bleiben“, „Spielregeln einhalten“, „die rote Karte kriegen“ und „Teamgeist beweisen“.
Bewertung
Der Einfluss des Sports auf die Umgangssprache wurde seit den ersten Analysen von Werner Haubrich mehrfach sprachwissenschaftlich untersucht. Kritiker sprechen von einer „Versportung“ und „Verflachung“ der Sprache. Siegbert Warwitz bewertet Sportmetaphern dagegen als Mittel zur „Dynamisierung“, „Verbildlichung“, „Regenerierung“ und „Verjüngung“ einer Standardsprache, die sonst starr und abstrakt werden könne. Paul Ricœur schreibt Metaphern allgemein die Funktion einer „Erneuerung“ und „Verlebendigung der Sprache“ zu.