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Spiegel im Spiegel
Spiegel im Spiegel ist ein Musikstück, das im Jahr 1978 von Arvo Pärt geschrieben wurde. Es steht in F-Dur im 6/4-Takt. Das Stück wurde ursprünglich für …
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Werk und Grundprinzip
Spiegel im Spiegel ist ein Musikstück von Arvo Pärt aus dem Jahr 1978. Es steht in F-Dur und im 6/4-Takt. Die ursprüngliche Besetzung besteht aus Violine und Klavier; anstelle der Violine werden manchmal Cello oder Bratsche eingesetzt.
Das Werk folgt Pärts Tintinnabuli-Stil. Sein Kompositionsprinzip verbindet zwei gegensätzliche Elemente: Tonleiterbewegungen in der Melodiestimme der Violine und Dreiklangsstrukturen in der Klavierstimme. Beide Stimmen verwenden ausschließlich Töne aus F-Dur und sind um den Zentralton a’ angeordnet. Die regelmäßige, strenge Konstruktion erklärt den Aufbau des Stücks, nach Aussage des Artikels jedoch nicht vollständig seine starke musikalische Wirkung.
Aufbau der Melodiestimme
Die Geigenstimme besteht ausschließlich aus langen Tönen. Ihre Tonleiterbewegungen verlaufen in vier Richtungen: abwärts vom Zentralton a’ weg, aufwärts vom a’ weg, aufwärts zum a’ hin und abwärts zum a’ hin. Bildlich entspricht dieses Prinzip dem Buchstaben X: Der Zentralton liegt am Kreuzungspunkt, während die vier Schenkel für die vier Bewegungsrichtungen stehen.
Die vier Bewegungen laufen viermal in derselben Reihenfolge ab und werden dabei regelmäßig jeweils um einen Ton länger. Zu Beginn besteht die Bewegung nur aus einem Ton: Das g’ führt abwärts vom a’ weg. Im letzten Durchgang umfasst eine Bewegung acht Töne, die vom b’’ abwärts zum Zentralton führen. Jede Tonleiterbewegung endet mit dem Zentralton a’.
Wie ein X an einer waagerechten und einer senkrechten Achse gespiegelt werden kann, sind auch die Tonfolgen doppelt gespiegelt: einmal zwischen aufwärts und abwärts und einmal zwischen Bewegungen zum a’ hin und solchen vom a’ weg. Diese doppelte Spiegelung um den Zentralton erklärt den Titel Spiegel im Spiegel.
Aufbau der Begleitung
Die Klavierstimme ist auf die Geigenstimme abgestimmt, stellt deren Tonleiterbewegungen aber zugleich das Prinzip des Dreiklangs als Gegensatz und Hintergrund gegenüber. Die rechte Hand beginnt mit einer im Verhältnis zur Geigenstimme schnelleren Folge aus drei aufsteigenden Tönen des F-Dur-Dreiklangs. Dieses an klassische Begleitmuster erinnernde Dreitonmodell bleibt während des gesamten Stücks erhalten.
Die einzelnen Töne des Modells wechseln nach einem festen, von der Geigenmelodie abhängigen System. Der unterste Ton liegt eine Terz über dem jeweiligen Melodieton. Der mittlere gehört zum F-Dur-Dreiklang. Der oberste entspricht dem Melodieton, erklingt aber eine Oktave höher. Dadurch scheint die durchgehende Klavierbegleitung über der langsameren Melodiestimme zu schweben.
Nach jedem Melodieton erscheinen im Klavier außerdem einzelne Zusatztöne, abwechselnd oberhalb und unterhalb der Geigenstimme. Sie stammen ebenfalls aus dem F-Dur-Dreiklang, besitzen einen festgelegten Abstand zum Melodieton und verteilen sich über einen großen Bereich der Klaviertastatur. Die äußersten Zusatztöne gehören zum Zentralton a’: Nach dem Abschluss einer Tonleiterbewegung wird er entweder mit den tiefsten Tönen F und F’ oder mit den höchsten Tönen c’’’’ und c’’’’’ verbunden.
Verwendung und Einspielungen
Spiegel im Spiegel wird häufig in Kino- und Fernsehfilmen, Dokumentarfilmen, Theaterstücken und Balletten verwendet. Zu den im Artikel genannten Filmbeispielen gehören Mother Night (1996), Wit (2001), Gerry und Heaven (beide 2002), Touching the Void (2003), Dear Frankie (2004), Elegy (2008), Cheyenne – This Must Be the Place (2011), The East, Gravity und Alles eine Frage der Zeit (alle 2013). Außerdem erklang das Werk unter anderem in der Serie The Good Place und in Tatort: Die Nacht gehört dir (beide 2020).
Als Ballettmusik verwendete John Neumeier das Stück für einen Pas de deux in Othello (1985). Christopher Wheeldon setzte es im zweiten Teil von After The Rain (2005) für das New York City Ballet ein. Weitere Verwendungen nennt der Artikel in Rushes der Pilobolus Dance Company und in Jochen Ulichs Ballett Michelangelo am Landestheater Linz (2011/12).
Das Werk liegt in unterschiedlichen Besetzungen und Einspielungen vor. Genannt werden unter anderem eine Aufnahme von Tasmin Little und Martin Roscoe bei EMI aus dem Jahr 1994, eine Aufnahme mit Benjamin Hudson, Sebastian Klinger und Jürgen Kruse bei Brilliant Classics aus dem Jahr 2013 sowie Alina bei ECM Records mit Vladimir Spivakov, Sergej Bezrodny und Alexander Malter. Eine Fassung mit Klavier und Cello wurde von Filipe Melo und Ana Cláudia Serrão veröffentlicht.