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Simone Horstmann
Simone Horstmann (* 1984 in Dortmund-Lanstrop) ist eine deutsche Autorin und freie Theologin. Ihre Arbeit befasst sich mit der (theologischen) Tierethik, …
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Person und Arbeitsfeld
Simone Horstmann (* 1984 in Dortmund-Lanstrop) ist eine deutsche Autorin und freie Theologin. Ihr zentrales Arbeitsgebiet ist die theologische Tierethik: Sie untersucht, wie Menschen Tiere moralisch beurteilen und welche Verantwortung daraus folgt. Wichtige Begriffe ihrer Arbeit sind Speziesismus, also die Abwertung oder Benachteiligung von Lebewesen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit, sowie Gewalt an Tieren in religiösen Zusammenhängen.
Horstmann studierte in den frühen 2000er Jahren Theologie und Philosophie. Im April 2014 promovierte sie summa cum laude an der Technischen Universität Dortmund. In der Postdoc-Phase forschte sie zu Gewaltphänomenen in Mensch-Tier-Beziehungen sowie zu Werten und Grundlagen theologischer Tierethik. Stand November 2024 lebt sie in Unna in Nordrhein-Westfalen.
Theologische Tierethik und Wahrnehmung
Horstmann analysiert Gewalt gegenüber Tieren kritisch. Sie versteht diese Gewalt nicht nur als einzelne Nebenerscheinung, sondern als etwas, das strukturell, also in grundlegenden Denk- und Handlungsmustern, in religiösen und kulturellen Traditionen verankert sein kann.
Als Gegenansatz fragt sie, wie Tiere moralisch wahrgenommen werden können. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf Emmanuel Levinas. Dieser Philosoph beschreibt Ethik als eine „Optik“ der Wahrnehmung des Anderen: Entscheidend ist demnach, den Anderen überhaupt als moralisch bedeutsam wahrzunehmen.
Weitere Themen sind postanthropozentrische Theologie, die den Menschen nicht als alleinigen Mittelpunkt betrachtet, und eine dogmatische Tiertheologie, also die systematische Ausarbeitung theologischer Aussagen über Tiere. Außerdem beschäftigt sie sich mit ethischer und religiöser Bildung, mit der Didaktik theologischer Ethik in der Systematischen Theologie sowie mit Körperdiskursen, besonders in der Phänomenologie.
Religion, Speziesismus und Gewalt
2021 veröffentlichte Horstmann im Transcript Verlag den Band „Religiöse Gewalt an Tieren – Interdisziplinäre Diagnosen zum Verhältnis von Religion, Speziesismus und Gewalt“ (ISBN 978-3837653465). Darin werden Beiträge aus Theologie, Philosophie sowie Religions- und Kulturwissenschaften zusammengeführt. Sie untersuchen, wie religiöse Traditionen Gewalt gegen nicht-menschliche Tiere legitimieren oder verschleiern können.
Der Band unterscheidet rituelle Gewalt und Deutungsgewalt. Rituelle Gewalt zeigt sich beispielsweise in Tieropfern oder Speisevorschriften. Deutungsgewalt bedeutet, dass Tieren durch theologische Vorstellungen bestimmte Eigenschaften oder eine untergeordnete Stellung zugeschrieben werden, etwa Seelenlosigkeit oder Unterordnung unter den Menschen. Horstmann argumentiert, insbesondere Christentum, Judentum und Islam seien in Bezug auf Tiere nicht neutral, sondern hätten zur Legitimierung oder Verschleierung von Gewalt beigetragen.
Behandelt werden außerdem Natur- und Körperkonzepte sowie Verbindungen zwischen Speziesismus, Geschlechterrollen und kulturellen Abwertungsprozessen. Der Band gehört zur Reihe Human-Animal Studies, einem Forschungsfeld zu Beziehungen zwischen Menschen und anderen Tieren.