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Semana Santa

Semana Santa („Heilige Woche“) ist die spanische Bezeichnung für die Karwoche. Sie wird vielerorts mit großem Aufwand als eine der zentralen Festlichkeiten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Verbreitung
  2. 2. Ablauf der Prozessionen
  3. 3. Pasos als Mittelpunkt
  4. 4. Die Gruppen der Teilnehmer
  5. 5. Regionale Bräuche und besondere Ereignisse
  6. 6. Musik und Trommelprozessionen

Bedeutung und Verbreitung

Semana Santa ist die spanische Bezeichnung für die Karwoche, also die Woche vor Ostern. In vielen Orten wird sie mit großem Aufwand als eine der zentralen Festlichkeiten des Kirchenjahres begangen. Besonders in katholisch geprägten Ländern des spanischsprachigen Raums gilt sie als Ausdruck einer tief empfundenen und im Brauchtum verwurzelten Volksfrömmigkeit.

Am bekanntesten ist die Semana Santa in Spanien in Andalusien. Prozessionstraditionen gibt es jedoch auch in anderen spanischen Regionen sowie in Kolumbien, Ecuador, Peru, Mexiko, Venezuela und Guatemala. Diese Länder standen früher unter spanischer Kolonialherrschaft. Ähnliche Bräuche bestehen außerdem in Tarent in Süditalien und auf der kroatischen Insel Hvar, wo eine Kreuzprozession aus dem 16. Jahrhundert überliefert ist.

Wegen ihrer touristischen Bedeutung sind die Prozessionen in Sevilla, Málaga, Cuenca, Cartagena, Salamanca, León, Zamora, Valladolid, Lorca und Hellín in Spanien offiziell als „von internationalem touristischem Interesse“ anerkannt.

Ablauf der Prozessionen

Prozessionen finden während der gesamten Karwoche statt; die wichtigste Prozession ist normalerweise am Karfreitag. An einer Prozession nehmen mehrere hundert bis über tausend Personen teil. Zu den wesentlichen Bestandteilen gehören die Pasos mit ihren Trägern und Begleitern, die Büßergruppen der Nazarenos und Penitentes sowie Musikkapellen oder Trommlergruppen.

Die Prozession beginnt in der Kirche der Heimatgemeinde einer Bruderschaft. Ihr Ziel ist eine genau vorgeschriebene Strecke, die zur Erfüllung des Bußaktes zurückgelegt wird. Diese Strecke ist innerhalb einer Stadt für alle Bruderschaften gleich. In Granada führt sie beispielsweise vom Rathausplatz zur Kathedrale, durch das Hauptportal bis vor den Altar und seitlich durch die Puerta del Perdón („Tür der Vergebung“) wieder hinaus. Anschließend kehrt der Zug zur Ausgangskirche zurück.

Die Bevölkerung betrachtet oder begleitet die Prozessionen meist in relativer Stille und richtet besondere Aufmerksamkeit auf die Pasos. In Granada gibt es auch Schweigeprozessionen, bei denen die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet wird; Licht spenden dann nur die Kerzen der Teilnehmer. In Sevilla werden die Prozessionen mit den Marienstatuen Virgen de la Esperanza Macarena und Esperanza de Triana besonders stark verfolgt. Ihre Verehrung teilt die Bevölkerung Sevillas geradezu in zwei „Fanlager“.

In Andalusien werden die Prozessionen von Hermandades oder Cofradías organisiert. Diese hierarchisch aufgebauten Bruderschaften gehören meist zur Kirchengemeinde eines Stadtteils und übernehmen dort ganzjährig neben religiösen auch vielfältige soziale Aufgaben.

Pasos als Mittelpunkt

Ein Paso ist eine tischförmige Konstruktion, auf der eine Marienstatue oder eine Szene des Kreuzwegs mit einer Jesusfigur dargestellt wird. Die Pasos werden von Mitgliedern der Bruderschaften auf den Schultern getragen. Die Träger können sich teilweise unter der Konstruktion befinden und wegen ihrer seitlichen Stoffbehänge die Umgebung nicht sehen.

Begleiter geben Kommandos für Richtung und Tempo. Das gleichzeitige Absetzen und Anheben eines Pasos wird durch Klopfzeichen koordiniert. Seit dem 17. Jahrhundert wurden für Pasos große polychrome Holzfiguren geschaffen, also farbig bemalte Holzfiguren. Zu den frühen Gruppen dieser Art gehört Francisco de Rincóns „Kreuzaufrichtung“ in Valladolid; später schuf unter anderem Gregorio Fernández weitere Figurengruppen.

Besonders mächtig sind die in Málaga getragenen tronos, die teilweise mehr als 4 Tonnen wiegen. Anders als die üblichen Pasos werden sie nicht von Costaleros, sondern von bis zu 250 Hombres de trono getragen. Die Träger werden von Nazarenos begleitet. Ein Zug besteht dort in der Regel aus zwei tronos: einer Marienfigur und einer Kreuzwegstation.

Die Gruppen der Teilnehmer

Die aktiven Teilnehmer lassen sich nach ihrer Aufgabe in drei Gruppen einteilen:

  • Costaleros tragen die Pasos. Etwa 35 bis 50 Personen tragen jeweils einen Paso und wechseln sich regelmäßig ab. Zum Schutz des Kopfes tragen sie eine Baumwollmütze, den costal, ein Sacktuch.

  • Nazarenos sind Büßer mit einer charakteristischen Spitzhaube, der spanischen caroza oder Ketzermit­ra. Je nach Dauer ihrer Zugehörigkeit zur Bruderschaft gehen sie in unterschiedlichem Abstand zu einem Paso. Sie tragen Kerzen oder andere Insignien, also erkennbare Zeichen ihrer religiösen Zugehörigkeit.

  • Penitentes sind Büßer, die ein Holzkreuz auf der Schulter tragen. Wie die Nazarenos tragen sie eine Túnica, also das traditionelle Gewand. Bei ihnen hängt die Haube jedoch nach hinten, statt spitz nach oben zu stehen.

Regionale Bräuche und besondere Ereignisse

Die Feiern unterscheiden sich je nach Ort. In Murcia ist bekannt, dass Nazarener Bohnen, hartgekochte Eier und Bonbons an die Bevölkerung verschenken.

In Málaga findet am Mittwoch der Karwoche vor dem Hauptportal der Kathedrale die Begnadigung eines Häftlings statt. Sie erfolgt im Angesicht der „El Rico“ („der Prächtige“) genannten Jesusfigur. Grundlage ist ein 1759 von Carlos III. verliehenes Privileg. Der Überlieferung zufolge hatten Häftlinge während einer Seuche, möglicherweise der Typhus-Epidemie von 1751, trotz behördlicher Ablehnung eine Prozession mit der Christusfigur durchgeführt und waren danach geschlossen ins Gefängnis zurückgekehrt. Kurz darauf sei die Epidemie zum Stillstand gekommen.

Ebenfalls in Málaga marschiert am Gründonnerstag seit 1928 eine Einheit der Spanischen Legion mit. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Cofradía Cristo de Mena trägt sie in einer Abendprozession den Cristo de la Buena Muerte durch die Stadt. Die Figur wird auch Cristo de Mena oder volkstümlich Cristo de los legionarios genannt.

In Guatemala wird die Semana Santa besonders umfangreich gefeiert. Dazu gehören geschmückte Häuser, Altäre, Andachten, Prozessionen und Trauermärsche, an denen Gläubige, Bürger, Touristen und Offizielle teilnehmen. Diese Tradition wurde 2022 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Bereits 2009 waren die Semana-Santa-Prozessionen in Popayán in Kolumbien aufgenommen worden. 2025 folgte die „Darstellung von Passion, Tod und Auferstehung Christi“ in Iztapalapa, einem Stadtteil von Mexiko-Stadt.

Musik und Trommelprozessionen

In Andalusien begleiten Musikkapellen mit Trommeln und Hörnern die Prozessionen. Sie spielen eigens für diesen Anlass komponierte Trauermärsche, die marchas procesionales. Zwischen diesen Märschen singen Zuschauer häufig Saetas: solistische Klagelieder, die stilistisch vom Flamenco beeinflusst sind. Sie handeln meist vom Leidensweg Christi, manchmal auch vom Schmerz Marias, die in Andalusien besonders tief verehrt wird.

In Kastilien-León prägen ebenfalls Trommeln und Trompeten das Klangbild, die musikalische Gestaltung ist dort jedoch karger.

Eine besondere Form sind die Tamboradas, also Trommelprozessionen. Dabei versammeln sich mancherorts Hunderte Trommler; in Hellín sind es 20.000. Die Veranstaltungen dauern mehrere Stunden bis mehrere Tage, in Tobarra beispielsweise 104 Stunden. Das historische Ritual ist in mehreren spanischen Regionen verbreitet, darunter Andalusien, Aragonien, Kastilien-La Mancha, Valencia und Murcia. 2018 erklärte die UNESCO die Tamboradas zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Besonders bekannt sind die Trommelprozessionen auf der Ruta del Tambor y del Bombo in Niederaragonien und im Bajo Martín, unter anderem in Alcañiz und Calanda.

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