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Selbstbestäubung

Der Begriff Selbstbestäubung oder direkte bzw. homokline Bestäubung bedeutet, dass bei einer Pflanze die Blüten von ihrem eigenen Pollen bestäubt werden.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Ablauf der Selbstbestäubung
  2. 2. Vorteile für einzelne Pflanzen und besondere Lebensräume
  3. 3. Nachteile und Schutz vor Selbstbestäubung

Bedeutung und Ablauf der Selbstbestäubung

Selbstbestäubung, auch direkte oder homokline Bestäubung, bedeutet, dass die Blüten einer Pflanze mit ihrem eigenen Pollen bestäubt werden. Sie ist nur bei hermaphroditischen, also zwittrigen Blüten möglich. Sie kann direkt und spontan (obligat) oder indirekt und durch Umweltbedingungen ausgelöst (fakultativ) stattfinden.

Häufig geschieht sie beim Schließen einer Blüte, wenn die Staubblätter die Narbe berühren. Erfolgt die gezielte Selbstbestäubung bereits vor dem Öffnen der Blüte, heißt sie Kleistogamie. In einer geöffneten Blüte spricht man von Chasmogamie.

Eine seltene Form der chasmogamen, indirekten Selbstbestäubung ist die Regenbestäubung, auch Ombrophilie oder Ombrogamie. Bei Regen füllen sich Blütenschalen mit Wasser; dadurch wird Pollen von den Staubbeuteln auf die Narbe übertragen. Dies ist nicht mit Ombrochorie zu verwechseln, der Verbreitung von Samen durch Regentropfen.

Selbstbestäubung führt häufig zur Selbstbefruchtung, wenn keine Selbstinkompatibilität vorhanden ist. Selbstinkompatibilität sind Schutzmechanismen, die eine Befruchtung mit eigenem Pollen verhindern. Das Gegenteil der Selbstbefruchtung ist die Fremdbefruchtung (Allogamie). Führt Autogamie, also Selbstbefruchtung, zur Fruchtbildung, nennt man dies Autokarpie. Reifen Staubblätter und Narben gleichzeitig, liegt Homogamie vor; bei zeitlich unterschiedlicher Reife spricht man von Dichogamie. Selbstbefruchtung und Nachbarbefruchtung (Geitonogamie) sind genetisch gleichwertig und gehören zur Individual- oder Eigenbestäubung (Idiogamie).

Vorteile für einzelne Pflanzen und besondere Lebensräume

Selbstbestäubung ist besonders für Pionierpflanzen vorteilhaft, die durch Ferntransport neue Gebiete erreichen. Ein einzelnes Individuum kann dadurch auch ohne andere Pflanzen derselben Art eine große Population aufbauen.

Selbstbestäubende Pflanzen sind besonders verbreitet auf Inseln sowie an Extremstandorten wie Wüsten oder der Arktis, wo Bestäuber fehlen können. Auf Inseln ist ihr Anteil besonders hoch. Manche Pflanzen ermöglichen zunächst Fremdbestäubung und wechseln erst gegen Ende der Blütezeit zur Selbstbestäubung. Auch das Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) bestäubt sich im zeitigen Frühjahr wegen fehlender Bestäuber häufig selbst.

Nachteile und Schutz vor Selbstbestäubung

Selbstbestäubung verringert die genetische Variabilität. Dadurch kann Inzuchtdepression entstehen: Der Nachwuchs kann weniger gesund sein. Deshalb besitzen viele Pflanzen Mechanismen, die Selbstbestäubung erschweren oder verhindern.

  • Genetische Selbstinkompatibilität verhindert durch genetische Faktoren die Selbstbefruchtung.
  • Dichogamie trennt die Bildung männlicher und weiblicher Gameten zeitlich. Bei Proterandrie reifen die männlichen Teile zuerst, bei Proterogynie die weiblichen.
  • Herkogamie trennt männliche und weibliche Geschlechtsorgane räumlich innerhalb einer Blüte.

Dichogamie und Herkogamie verhindern eine Bestäubung innerhalb einer Blüte nicht immer. Weitere, äußerlich erkennbare Mechanismen sind Heteromorphie, etwa Aniso- oder Heterostylie (Verschiedengriffeligkeit) und Enantiostylie (Schiefgriffligkeit). Bei Adynamandrie, At- oder Autatrygie ist eigener Pollen unfruchtbar oder männliche Blütenorgane sind funktionsunfähig, beispielsweise bei Hedychium coccineum. Bei Flexistylie bewegt sich ein Griffel je nach Reifungsgrad der Staubblätter nach oben oder unten. Heterodynamie oder Scheinzwitterigkeit bezeichnet scheinbar zwitterige Blüten mit ungleich entwickelten oder funktionslosen Staubbeuteln beziehungsweise Narben.

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