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Schließmuskel

Die meisten Schließmuskeln bestehen aus glatter Muskulatur und sind deswegen einer willkürlichen Betätigung nicht oder nur teilweise zugänglich. Bei Wirbellosen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Aufgabe
  2. 2. Wichtige Schließmuskeln im Körper
  3. 3. Funktioneller Sphinkter an der Speiseröhre
  4. 4. Störungen und Folgen

Grundbegriff und Aufgabe

Ein Schließmuskel, auch Sphinkter genannt, ist in der Anatomie der Wirbeltiere ein ringförmiger Muskel, der ein muskuläres Hohlorgan vollständig abdichten kann. Dadurch verhindert er, dass Inhalt vorwärts oder rückwärts fließt. Solche Muskeln sind wichtig, weil sie Öffnungen im Körper gezielt verschließen oder freigeben, zum Beispiel im Verdauungs- und Harnsystem.

Die meisten Schließmuskeln bestehen aus glatter Muskulatur. Glatte Muskulatur arbeitet weitgehend unbewusst und ist deshalb willkürlich nicht oder nur teilweise steuerbar. Eine Ausnahme kann quergestreifte Skelettmuskulatur sein, die eher bewusst kontrolliert werden kann. Bei Wirbellosen bezeichnet man als Schließmuskel einen Muskel, der ein Gehäuse oder Ähnliches verschließt; bei Muscheln zieht er zum Beispiel die beiden Schalenhälften zusammen.

Wichtige Schließmuskeln im Körper

Der Musculus sphincter pupillae ist ein Augenmuskel und verengt die Pupille. Der Musculus orbicularis oris, der „Ringmuskel des Mundes“, liegt um die Mundöffnung und bildet die fleischige Grundlage der Lippen.

Der obere Ösophagussphinkter, auch Ösophagusmund genannt, besteht ausschließlich aus quergestreifter Skelettmuskulatur. Er wird im Wesentlichen von der Pars fundiformis des Musculus constrictor pharyngis inferior gebildet. Seine Aufgabe ist es, den Eingang in die Speiseröhre zu verschließen. Dadurch verhindert er einerseits das Verschlucken von Luft beim Atmen und Sprechen, die Aerophagie, und andererseits die Aspiration von Mageninhalt, also das Eindringen von Mageninhalt in die Atemwege.

Der Pylorus, der „Magenpförtner“, ist der Schließmuskel am Magenausgang. Die Papilla duodeni major, die „vatersche Papille“, wirkt als Schließmuskel an der Mündung des Gallenganges in das Duodenum, also den Zwölffingerdarm. Die Ileozäkalklappe dient als Schließmuskel am Übergang vom Dünndarm in den Dickdarm. Beim Pferd ist an der Mündung des Ileums ein Musculus sphincter ilei ausgebildet.

Am Anus liegen der innere und der äußere Afterschließmuskel: Musculus sphincter ani internus und Musculus sphincter ani externus. Beim Musculus urethralis, dem Harnröhrenmuskel, verlaufen Fasern des Musculus transversus perinei profundus ringförmig um die Pars membranacea urethrae der Harnröhre. Wenn dieser Muskel erschlafft, also sein Tonus abnimmt, und gleichzeitig der Tonus des Musculus detrusor vesicae zunimmt, wird die Miktion möglich, also die Blasenentleerung.

Funktioneller Sphinkter an der Speiseröhre

Der Schließmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen wird oft als „unterer Ösophagussphinkter“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, weil daran kein Schließmuskel im eigentlichen Sinne beteiligt ist.

Stattdessen handelt es sich um einen funktionellen Sphinkter. Das bedeutet: Die Verschlusswirkung entsteht nicht durch einen eigenen ringförmigen Schließmuskel, sondern vor allem durch eine einengende Schlinge des Zwerchfells. Trotzdem erfüllt dieser Mechanismus die Aufgabe, den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen zu kontrollieren.

Störungen und Folgen

Funktionsstörungen des sogenannten unteren Ösophagussphinkters können zwei Formen haben: einen unzureichenden Verschluss oder eine unzureichende Öffnung. Wenn der Mageneingang nicht richtig verschließt, fließt Magensäure in die Speiseröhre zurück. Dieser Rückfluss heißt Reflux und kann eine Refluxösophagitis verursachen, also eine Entzündung der Speiseröhre durch zurückfließende Magensäure. Wenn sich dieser funktionelle Sphinkter nicht öffnet, entsteht eine Achalasie.

Störungen der Afterschließmuskeln führen zu Stuhlinkontinenz, also zum unwillkürlichen Abgang von Stuhl. Eine mögliche chirurgische Behandlung ist die Sphinkterplastik. Außerdem können die Afterschließmuskeln bei einem Dammriss während der Geburt verletzt werden.

Harninkontinenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Störungen der Reservoirfunktion der Harnblase und für unwillkürlichen Abgang von Urin. 1953 entwickelte Hubert Hartl in Göttingen eine Sphinkterometrie, mit der der Schweregrad einer solchen Inkontinenz abgeschätzt werden sollte. Durch Beckenbodentraining soll Harninkontinenz verhindert oder gebessert werden können.

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