Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Südlicher Ozean

Der bis zu 7235 m tiefe Südliche Ozean (auch Südpolarmeer, Südliches Eismeer, Antarktischer Ozean oder Antarktik) ist mit 20,327 Mio. km² nach dem …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und räumliche Abgrenzung
  2. 2. Meeresboden, Wasserbewegungen und Eis
  3. 3. Bedeutung für das Erdklima
  4. 4. Menschliche Einflüsse und Veränderungen des Ökosystems
  5. 5. Nebenmeere und Inselwelt

Definition und räumliche Abgrenzung

Der Südliche Ozean, auch Südpolarmeer, Südliches Eismeer, Antarktischer Ozean oder Antarktik genannt, ist der den Kontinent Antarktika umgebende Ozean. Mit Antarktika bildet er die Weltregion Antarktis. Mit einer Fläche von 20,327 Mio. km² ist er nach dem Arktischen Ozean der zweitkleinste Ozean der Erde.

Seine mathematische Grenze liegt südlich des 60. Breitengrades. Nach Norden geht er in den Atlantik, den Indischen Ozean und den Pazifik über. Die natürliche Grenze bildet die antarktische Konvergenz: Dort treffen kalte Wassermassen des Südlichen Ozeans auf die warmen Wassermassen des Nordens. Diese Zone verläuft zwischen dem 40. und 60. Breitengrad und verändert sich in ihrem Verlauf sowie im Jahresverlauf.

Die internationale Einordnung des Ozeans war zeitweise uneinheitlich. Die International Hydrographic Organization (IHO) nahm ihn 2000 erneut in eine Überarbeitung ihrer Publikation S-23 auf; diese Ausgabe wurde wegen anderer Streitfragen jedoch nicht offiziell verabschiedet. Die National Geographic Society erkannte den Südlichen Ozean im Juni 2021 offiziell an. 2023 erfolgte die internationale Anerkennung als fünfter Ozean durch die IHO. Seine geografische Ausdehnung reicht danach vom 60. Breitengrad Süd bis zur Küste Antarktikas.

Der Ozean ist bis zu 7235 m tief. Im Atlantisch-Indischen-Südpolarbecken liegt eine Tiefe von 5805 m bei etwa 61° 0′ 0″ S, 44° 0′ 0″ O. Die größte Tiefe von 7235 m befindet sich im südlichsten Ausläufer der Süd-Sandwich-Rinne bei 61° 0′ 0″ S, 24° 0′ 0″ W, etwa 180 km südöstlich der Südlichen Thuleinseln. Der größere Teil dieser Rinne und ihre tiefste Stelle liegen jedoch nördlich von 60° südlicher Breite und gehören damit zum Atlantischen Ozean.

Meeresboden, Wasserbewegungen und Eis

Der Meeresboden besteht aus Schwellen, Rücken, Tiefseebecken und einer Tiefseerinne. Zu den angrenzenden Rücken gehören der Südostausläufer des Kerguelen-Gaußberg-Rückens und der Südwestteil des Südpazifischen Rückens. Die südlichen Bereiche mehrerer Tiefseebecken reichen in den Südlichen Ozean hinein: Das Atlantisch-Indische-Südpolarbecken ist bis 5872 m, das Indische Südpolarbecken bis 5455 m und das Pazifische Südpolarbecken bis 5399 m tief. Außerdem gehört das Südantillenbecken zum Gebiet. Die Tiefseerinne ist der äußerste südliche Ausläufer der Süd-Sandwich-Rinne, die nördlich des Südlichen Ozeans im Atlantik bis 8264 m tief ist.

In Teilen des Meeresbodens liegt feiner grauer Meeresschlamm in Meterstärke. Er enthält abgestorbene Mikroorganismen des Planktons und bildet dadurch ein natürliches Klimaarchiv. Aus diesen Sedimenten lässt sich die Klimageschichte über viele Jahrtausende, besonders die der letzten Eiszeit, rekonstruieren.

Das Strömungssystem besteht im Wesentlichen aus drei Hauptwassermassen: dem antarktischen Oberflächenwasser, dem antarktischen Bodenwasser und dem zirkumpolaren Tiefenwasser. Das antarktische Bodenwasser entsteht besonders an der Küste Antarktikas. Es ist die kälteste und dichteste Wassermasse der Welt und transportiert kaltes Wasser nach Norden; es wurde sogar nördlich des Äquators im Atlantik nachgewiesen. Das antarktische Oberflächenwasser entsteht durch das Auftauen antarktischer Eismassen. Wegen seines sehr geringen Salzgehalts besitzt es eine geringe Dichte.

Zwischen dem schweren Bodenwasser und dem leichten Oberflächenwasser liegt wärmeres zirkumpolares Tiefenwasser. In der Nähe Antarktikas wird es durch die Form des Meeresbodens und das absinkende Bodenwasser nach oben gedrückt. Dieser starke Auftrieb wird als antarktische Divergenz bezeichnet.

Im Winter frieren große Meeresflächen zu; das entstehende Eis heißt Packeis. Typisch sind Tafeleisberge, die aus Bruchstücken des Schelfeises entstehen. Der Südliche Ozean gilt unter Seeleuten als der stürmischste aller Ozeane.

Bedeutung für das Erdklima

Der Südliche Ozean hat eine zentrale Bedeutung für das Erdklima. Starke Westwinde, darunter die sogenannten „Roaring Forties“, und Unterschiede in der Wasserdichte treiben den ringförmigen Antarktischen Zirkumpolarstrom an. Er gilt als die stärkste Meeresströmung weltweit. Das von Stürmen bewegte Meer speichert große Mengen an Wärme und Kohlendioxid.

Der Südliche Ozean ist außerdem Teil der globalen thermohalinen beziehungsweise Nord-Süd-Umwälz-Zirkulation. Der Nordatlantikstrom transportiert relativ warmes Oberflächenwasser aus den Tropen in den Nordatlantik. Dort kühlt das Wasser ab und sinkt. Im Südpolarmeer taucht es als Schluss dieser Zirkulation wieder auf. Obwohl die Temperatur im Südlichen Ozean ungefähr gleich bleibt, nimmt er dadurch mehr als zwei Drittel der durch den Treibhauseffekt zusätzlich entstehenden Wärme auf. Diese Wärme driftet an der Oberfläche nach Norden, während vor Ort kälteres Wasser aufsteigt.

Während der letzten Eiszeit speicherte der Südliche Ozean vermutlich große Mengen Kohlendioxid durch die Planktonzirkulation. Plankton nimmt an der Oberfläche CO₂ auf. Nach dem Absterben sinkt es in die Tiefe und wird dort rasch von Bakterien zersetzt. Das Kohlendioxid wird zwar wieder freigesetzt, bleibt aber in gelöster Form in den tiefen Meeresschichten. Bis zum Ende der letzten Eiszeit lag der CO₂-Gehalt der Erdatmosphäre dadurch vermutlich ungefähr ein Drittel unter dem heutigen Wert.

Menschliche Einflüsse und Veränderungen des Ökosystems

Die Antarktis gehört weltweit zu den Lebensräumen, die sich durch menschliche Einflüsse besonders schnell und umfangreich verändern. Diese Veränderungen wirken sich auf die aquatischen Bewohner aus und haben nach den Angaben des Artikels sogar die Meeresströmung des Antarktischen Zirkumpolarstroms verändert. Biologen und Meeresforscher beurteilen die bisherigen Maßnahmen als nicht ausreichend, um die negativen Folgen menschlicher Aktivitäten wirksam zu begrenzen.

Der Klimawandel verändert die Zusammensetzung des Meerwassers und seine Bewegungen. Zwischen 1982 und 2008 nahm der Süßwassereintrag durch Gletschereis in den Südlichen Ozean nach wissenschaftlichen Berechnungen um bis zu 20 Prozent zu. Dies könnte den seit Jahren messbar abnehmenden Salzgehalt erklären. Das Abschmelzen der Gletscher beeinflusst außerdem die Wassertemperatur: In der Umgebung des Ross-Schelfeises nahm sie ab, während sie im Westen der Antarktischen Halbinsel stieg. Die Erwärmung erhöht den Wärmeinhalt der Ozeane und verändert zugleich Stärke und Richtung der Meeresströmungen.

Eine Schlüsselrolle im Ökosystem spielt der Krill. Er steht am Beginn der Nahrungskette und ist damit für die Verfügbarkeit von Nahrung in höheren Stufen besonders wichtig. Neben dem Klimawandel verändert auch rücksichtslos betriebene Fischerei den Lebensraum sowie die Anzahl und Verfügbarkeit der verbliebenen Fische und Kalmare. Bei den Antarktisdorschen trägt außerdem illegaler Fang zu Veränderungen des Ökosystems bei. Der Artikel nennt unter dem Abschnitt zur Verschmutzung keine weiteren Einzelheiten.

Nebenmeere und Inselwelt

Zum Südlichen Ozean gehören zahlreiche Randmeere und die Drake-Passage als Meerenge. Im Uhrzeigersinn werden genannt: Rossmeer, Amundsen-See, Bellingshausen-See, Drake-Passage, Weddell-Meer, Haakon-VII.-See, Lasarew-See, Riiser-Larsen-See, Kosmonautensee, Kooperationssee, Davissee, Mawsonsee, D’Urville-See und Somow-See.

Einige Flächen- und Tiefenangaben lauten: Das Rossmeer umfasst 958000 km² und ist 500 m tief, die Amundsen-See 1036000 km², die Bellingshausen-See 600000 km², das Weddell-Meer 2800000 km², die Lasarew-See 929000 km² und 3000 m Tiefe, die Riiser-Larsen-See 1138000 km² und mehr als 3000 m Tiefe, die Kosmonautensee 699000 km², die Kooperationssee 258000 km², die Davissee 21000 km², die Mawsonsee 333000 km² und 1000 m Tiefe sowie die Somow-See 1150000 km². Für mehrere weitere Meere sind im Artikel keine vollständigen Flächen- oder Tiefenangaben angegeben.

Die Bransfieldstraße trennt die Antarktische Halbinsel mit ihren küstennahen Inseln von den Südlichen Shetlandinseln. Die Scotiasee ist vor allem ein Randmeer des Atlantiks, reicht im Süden aber bis zu den Südlichen Orkneyinseln und den Südlichen Shetlandinseln und umfasst dadurch nominell auch einen Teil des Südlichen Ozeans, dessen Nordgrenze bei 60° S liegt.

Zu den genannten Inseln und Inselgruppen gehören die Alexander-I.-Insel, die Balleny-Inseln, die Berkner-Insel, die Ross-Insel, die Scott-Insel, die Südlichen Orkneyinseln und die Südlichen Shetlandinseln. Als Beispiel für die Inselwelt an der nordwestlichen Spitze der Antarktischen Halbinsel wird außerdem die Adelaide-Insel genannt.

Lernvideos zu Südlicher Ozean

Weiterlesen

Arktischer Ozean Der Arktische Ozean, auch Nordpolarmeer, Nördliches Eismeer, Arktische See oder kurz Arktik genannt, ist mit 14,09 Millionen km² der kleinste Ozean der Erde … Ozean Aufteilung · Arktischer Ozean, Arktis · Atlantischer Ozean, nördlicher und südlicher Atlantik · Indischer Ozean · Pazifischer Ozean · Südlicher Ozean – Antarktischer … Erde Die Erde ist der dichteste, fünftgrößte und der Sonne drittnächste Planet des Sonnensystems. Bisher konnte auf keinem anderen Planeten unseres Sonnensystems … Kontinent Heute sind in Geographie und Geologie jeweils unterschiedliche Einteilungen der Kontinente üblich. So wird insbesondere Europa historisch und kulturell bedingt … Antarktika Weitere Bezeichnungen sind Südkontinent und antarktischer Erdteil. Antarktika hat eine Fläche von etwa 14 Millionen Quadratkilometern und ist nahezu vollständig … Antarktis Als geographisch-astronomische Zone wird sie durch den südlichen Polarkreis begrenzt und reicht somit vom Südpol bis 66° 33′ südlicher Breite. Als … Atlantischer Ozean Der Atlantische Ozean, auch Atlantik genannt, ist nach dem Pazifik der zweitgrößte Ozean der Erde. Als Grenzen gelten die Polarkreise und die Meridiane … Indischer Ozean Der Indische Ozean liegt zum größten Teil auf der Südhalbkugel. Er grenzt an die Kontinente Afrika, Asien und Australien sowie an den Atlantischen Ozean … Pazifischer Ozean Die Pazifische Küste erstreckt sich, im Uhrzeigersinn, über Neuseeland, Australien, Ostasien und die Westküste von Nord- und Südamerika. Karte des Pazifischen … Schwerefeld . Die Schwere ist die auf die Masse bezogene Gewichtskraft eines Probekörpers, also dessen Beschleunigung, und hat die SI-Einheit N/kg = m/s². Plankton Phytoplankton ist Primärproduzent in der ozeanischen Nahrungskette und bildet mit Hilfe der Photosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Nährstoffen seine … Klimageschichte Die Klimageschichte dokumentiert Entwicklung, Schwankungen und Auswirkungen des irdischen Klimas, sowohl in erdgeschichtlichem Maßstab als auch in den …