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Ritual Industrial
Ritual Industrial, auch als Ritual Ambient, Dark Ritual oder Ritual bekannt, ist ein Musiksubgenre, das dem Post-Industrial zugerechnet wird.
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Kern und Einordnung
Ritual Industrial, auch Ritual Ambient, Dark Ritual oder Ritual genannt, ist ein Musiksubgenre, also ein Teilgenre, des Post-Industrial. Es entstand in England während der Post-Industrial-Phase, die auch als zweite Industrial-Generation bezeichnet wird. Die Entstehungsphase wird mit 1983/1984 angegeben; zugleich wird die Entstehung in die Mitte der 1980er Jahre eingeordnet.
Kennzeichnend ist die Verbindung von Industrial-Ideen mit ritueller und traditioneller Musik nichtwestlicher Kulturkreise. Typisch sind eine starke Betonung von Rhythmen und Perkussion, also dem Spiel von Schlaginstrumenten und anderen rhythmisch genutzten Gegenständen, sowie synthetische Klanglandschaften, die an Dark Ambient erinnern. Zu den stilistischen Vorläufern zählen Industrial, Weltmusik und Meditationsmusik. Als Pioniere werden Current 93, SPK und Zero Kama genannt. Genretypische Instrumente sind Synthesizer, Sampler und Perkussion; als stilistischer Nachfolger gilt insbesondere Pagan-Folk.
Entstehung und Entwicklung
Ritual Industrial entwickelte sich im Umfeld früherer Industrial-Interpreten, besonders im Zusammenhang mit Psychic TV, einem Folgeprojekt von Throbbing Gristle, und der um diese Band entstandenen, pseudo-sektenartig organisierten Personengruppe. Künstler und Gruppen wie Coil, 23 Skidoo und Current 93 übertrugen Ideen der mit Psychic TV verbundenen Okkultur auf eine klangliche Ebene.
Coil veröffentlichte 1984 die EP How to Destroy Angels. Die Gruppe beschrieb die darauf vertretene Musik als „Ritual Music for the accumulation of male sexual energy“ („Rituelle Musik, um männliche sexuelle Energie zu sammeln.“). Current 93 griff im Frühwerk thematisch auf Aleister Crowley und Kenneth Grant zurück und verband diese Bezüge mit rituell-perkussiver Musik. Auch Graeme Revell und seine zuvor als Industrial-Projekt bekannte Band SPK arbeiteten zeitnah mit ähnlichen musikalischen Vorstellungen.
Besonders auf der Ebene der Rhythmen setzten sich diese Musiker mit archaischen Strukturen auseinander. Sie wurden dabei von Gamelan sowie traditioneller afrikanischer und tibetischer Musik beeinflusst. Einige der beteiligten Interpreten verstanden ihre Musik selbst als Ritualmusik.
Mit Projekten wie Ain Soph, Sigillum S und Equimanthorn etablierte sich Ritual Industrial als eigenständiges Genre innerhalb des Post-Industrial. Reine Ritual-Musikprojekte blieben jedoch selten. Die meisten Interpreten waren zugleich in angrenzenden Bereichen des Post-Industrial und Dark Wave aktiv, darunter Neofolk, Dark Ambient und Death Industrial.
Ausgehend von Sixth Comm beeinflusste Ritual Industrial das Genre Pagan-Folk. Delerium übernahm einzelne Aspekte des Ritual Industrial beziehungsweise der Weltmusik und führte sie in die elektronische Popmusik über. Aus dem Metal griffen Sektarism, Abysskvlt und Goatpsalm insbesondere thematische Ideen des Ritual Industrial auf, die sich an Schamanismus, Satanismus und Okkultismus orientieren.
Musikalische Merkmale und Abgrenzung
Im Mittelpunkt der ursprünglichen musikalischen Experimente stand die Adaptation, Imitation oder Reproduktion ritueller und traditioneller Musik nichtwestlicher Kulturkreise. Diese Ansätze wurden mit dem Umfeld westlicher Industrial-Künstler und mit der Grundidee der britischen Post-Industrial-Phase verbunden, sich dem Selbst zu widmen. Eine rein musikalische Abgrenzung zu Weltmusik mit ähnlichen Ansätzen ist deshalb nicht bei allen Stücken konsequent möglich.
Es bestehen stilistische Überschneidungen und personelle Verbindungen zu Death Industrial, Neofolk und Power Electronics. Ritual Industrial bleibt, orientiert an archaischer, ritueller und traditioneller Musik, überwiegend perkussiv. Verwendet werden traditionelle und archaische Instrumente bis hin zu prähistorischen Musikinstrumenten, außerdem moderne Perkussionsinstrumente. Häufig dienen auch Gegenstände aus Metall und Holz als Klangkörper zur Erzeugung von Rhythmen.
Ergänzend treten synthetische Klanglandschaften auf, die denen des Dark Ambient ähneln. Stimmen werden häufig als repetitive, mantraartige Gesänge, als gutturaler Kehlkopfgesang oder zur Lautmalerei eingesetzt.
Kulturelles Umfeld
Ritual Industrial besitzt keine eigenständige Szene mit eigenen kulturellen Ausprägungen. Gemeinsame kulturelle Ursprünge werden für Death Industrial, Neofolk und Martial Industrial angeführt.
Das Publikum lässt sich daher keiner bestimmten Subkultur mit eigenen Treffpunkten und gemeinsamen ästhetischen Merkmalen zuordnen. Ritual Industrial wird vor allem von Anhängern des Post-Industrial, des Neofolk und des Dark Wave gehört. Dadurch findet das Genre sowohl in der Gothic-Szene als auch in der Post-Industrial- und Neofolk-Szene Anhänger.