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Ricarda-Huch-Gymnasium (Hagen)
Das Ricarda-Huch-Gymnasium Hagen ist ein städtisches Gymnasium in der kreisfreien Großstadt Hagen in Nordrhein-Westfalen. Benannt ist die Schule, …
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Schulprofil
Das Ricarda-Huch-Gymnasium (RHG) ist ein städtisches Gymnasium in Hagen, Nordrhein-Westfalen. Es wurde 1848 gegründet und ist nach der Schriftstellerin, Philosophin und Historikerin Ricarda Huch (1864–1947) benannt. Schulträger ist die Stadt Hagen. Die Schule hat 650 Schülerinnen und Schüler sowie 46 Lehrkräfte; seit 2024 wird sie von André Hoppe geleitet. Sie unterhält internationale Kontakte zu Partnerschulen, unter anderem in Frankreich und der Russischen Föderation.
Das Gymnasium entstand als Mädchenschule, wurde 1973 koedukativ und nimmt seitdem auch Jungen auf. Heute verbindet es seine lange Tradition mit einem breiten Fächerangebot, internationalen Kontakten, kulturellen und sportlichen Aktivitäten, Wettbewerben sowie digitalen Lernmöglichkeiten.
Von der Gründung bis zum Zweiten Weltkrieg
Am 2. Januar 1848 eröffnete die Schule als private „Höhere Töchterschule“. Ihr erster Standort lag im Hinterhaus der Konditorei Tigges an der Körnerstraße. Erster Leiter war Peter Dietrich Grothe. Er wurde später seines Amtes enthoben, weil er nach damaliger Begründung den „freisinnigen Geist“ der Schülerinnen nicht unterdrückt und ihnen damit zu viel politische Freiheit gelassen hatte.
Zehn Jahre nach der Gründung wurde die Einrichtung unter der Leitung von Friedrich Heufer in eine städtische Höhere Töchterschule umgewandelt. 1875 zog sie in ein größeres Gebäude an der Viktoriastraße. Damals besuchten 150 Schülerinnen die Schule, an der 9 Lehrkräfte unterrichteten. Ab 1876 bestand sie aus sieben Klassen und entsprach dem Schultyp eines Lyzeums, also einer höheren Mädchenschule. Zwischen 1880 und 1912 wuchs sie stark: Aus dem Lyzeum wurde ein Oberlyzeum mit schließlich 740 Schülerinnen und 38 Lehrkräften.
Der Unterricht wurde während des Ersten Weltkriegs fortgesetzt. 1920 erreichte die Schule mit 888 Schülerinnen ihren historischen Höchststand. Infolge der Weltwirtschaftskrise sank die Schülerzahl ab 1930 deutlich. 1936 fand erstmals eine „Reifeprüfung“, das heutige Abitur, statt. Durch die nationalsozialistische Schulreform wurde die Schulzeit 1938 auf acht Klassenstufen verkürzt. Schülerinnen durften nur zum Abitur zugelassen werden, wenn sie zuvor in einer Prüfung hauswirtschaftliche Kenntnisse und Fertigkeiten nachgewiesen hatten.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Schulgebäude an der Viktoriastraße und der Hochstraße bei einem Bombenangriff zerstört. Ein Teil des Kollegiums und einige Schülerinnen wechselten nach Haspe. Dort wurde die Mädchenoberschule unter der Leitung Hermann Pohlschmidts zu einer Vollanstalt erweitert.
Wiederaufbau und Modernisierung
Nach dem Krieg stand in Hagen zunächst nur das Gebäude des Staatlichen Albrecht-Dürer-Gymnasiums als Ausweichort für den höheren Schulbetrieb zur Verfügung. Der für den 13. März 1946 vorgesehene reguläre Unterrichtsbeginn verzögerte sich wegen starken Kohlenmangels bis zum 10. Februar 1947. Bis dahin mussten die Schülerinnen ihre Hausaufgaben persönlich in der Schule abholen.
Bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen erhielt die Schule den Namen Ricarda-Huch-Gymnasium. Ein Jahr später wurde erstmals eine Schulpflegschaft gegründet; zugleich begann der persönliche Austausch mit amerikanischen Schülerinnen. Am 13. Februar 1952 wurde die Schule offiziell zur „Frauenoberschule“. Ebenfalls 1952 begann der Bau eines neuen Schulgebäudes, das im Sommer 1954 fertiggestellt wurde.
Im April 1959 wurde Charlotte Cummenerl zur ersten Schulleiterin ernannt. Bis 1970 stieg die Zahl der Schülerinnen auf mehr als 1.000. 1973 öffnete sich das Gymnasium im Rahmen der Koedukation auch für Jungen. 1979 bestanden erstmals mehr als 100 Schülerinnen und Schüler in einem Jahr ihr Abitur.
Seit Januar 1990 profitiert die Schule vom „Vermächtnis Pohlschmidt“. Bei dieser Stiftung werden die Zinserträge des gestifteten Geldes jedes Jahr von der Schulkonferenz für schulische Zwecke verteilt. In den 1990er Jahren prägten internationale Begegnungen, Hilfsaktionen, Projektwochen, Sportveranstaltungen, Theater, Musicals und Konzerte das Schulleben. Dazu gehörten 1991 eine Hilfsaktion mit Sachspenden und mehreren Lkw-Transporten für Smolensk, die Projektwochen „Schule in der Stadt“ von 1993 und „Ricarda kreativ“ von 1996 sowie ein UNICEF-Benefizkonzert mit 15 Bands im Jahr 1994. Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse konnten erstmals ein zweiwöchiges Betriebspraktikum absolvieren.
Auch Unterricht und Gebäude veränderten sich. Seit dem Schuljahr 1994/95 wird Französisch nicht mehr als erste Fremdsprache angeboten. 1995 führte die Schule die Fünftagewoche ein, sodass samstags kein Unterricht mehr stattfand. Zwischen 1996 und 1998 wurde das Schulgebäude umfassend renoviert. Engagierte Senioren wirkten von 1996 bis 1998 als „Otto-Großeltern“ und unterstützten die Schule als Paten. Das Fächerangebot entwickelte sich vom früheren Leitbild der „guten, gebildeten Hausfrau“ mit Rechnen, Zeichnen, Deutsch, Religion und Handarbeit zu einem breiten Angebot, zu dem auch Psychologie gehört.
Schule in der Gegenwart
Am 26. September 1998 feierte das Gymnasium sein 150-jähriges Bestehen und eröffnete zugleich die sanierte Aula wieder. Von 2001 bis 2003 entstand ein Erweiterungsbau mit acht Unterrichts- beziehungsweise Fachräumen. Dazu gehören zwei Klassenräume, naturwissenschaftliche Räume für Biologie und Physik, Mehrzweckräume und ein Raum für Neue Technologien. Seit dem 20. Mai 2014 steht der Schulbau als Baudenkmal unter Schutz.
Theater bleibt ein wichtiger Bestandteil des Schullebens. Im Schuljahr 2017/18 wurde das selbst entwickelte Stück „Flucht“ aufgeführt; 2019 folgte Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“. Von März 2020 bis Ende 2021 bestimmte die Corona-Pandemie den Schulalltag. Der Präsenzunterricht wurde zeitweise ausgesetzt und überwiegend durch digitalen Unterricht ersetzt.
Seit 2021 wurde die Digitalisierung weiter ausgebaut. Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe können Leih-iPads zum Lernen nutzen. Außerdem entstanden ein Selbstlernzentrum mit Computern und eine Ausleihbibliothek. Regelmäßige Ausflüge, Klassenfahrten, Wettbewerbe und neue pädagogische Konzepte ergänzen den Unterricht.
Kunst, Projekte und Wettbewerbe
Auf dem Schulgelände befinden sich mehrere öffentlich sichtbare Kunstwerke. An der Turnhalle ist von der Badstraße aus ein großformatiges Wandbild von Robert Pudlich zu sehen. Vor der Treppe zur Cafeteria steht die Bronzeplastik „Pinguine“ von Heinrich Hawick. Weitere Werke befinden sich auf dem Schulhof und im Gebäude, darunter ein Wandgemälde von Emil Schumacher. Bei manchen Kunstwerken ist die Urheberschaft nicht eindeutig geklärt; als mögliche Künstler werden Renée Sintenis, Emil Schumacher, Carl Baumann und Johanna Wagner genannt.
Vom 7. bis 10. Juli 2025 fand eine Projektwoche für die Klassen 5 bis zur Einführungsphase der Oberstufe (EF) statt. Das beliebteste Angebot war „Wandern auf den Drei-Türme-Weg“. Die Teilnehmenden legten etwa 12 Kilometer zurück und dokumentierten die Wanderung mit Fotos.
Die Schule beteiligt sich regelmäßig an Wettbewerben. Bei „The Big Challenge“, einem europaweiten Englischwettbewerb, werden Grammatik, Wortschatz und Hörverstehen geprüft. Beim „Känguru der Mathematik“ bearbeiten Schülerinnen und Schüler Knobelaufgaben, die besonders logisches Denken und Problemlösen verlangen. Die Mathematik-Olympiade in Deutschland richtet sich an mathematisch besonders Interessierte. Ihre komplexen Aufgaben gehen über den regulären Unterrichtsstoff hinaus; gute Leistungen ermöglichen die Teilnahme an weiteren Wettbewerbsrunden. Üblicherweise erhalten Teilnehmende Urkunden oder kleine Preise.