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Propädeutik

Als allgemeine Propädeutik wird dabei die Logik angesehen. Davon abgeleitet werden Leistungskurse der gymnasialen Oberstufe als Propädeutik für ein …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Historische und schulische Entwicklung
  3. 3. Philosophie und Wissenschaftspropädeutik
  4. 4. Umsetzung im Unterricht
  5. 5. Kompetenzen für Studierfähigkeit
  6. 6. Begründung und Beispiele

Grundidee

Propädeutik bedeutet Vorbildung oder Vorbereitungsunterricht. Sie führt in die Sprache und Methodik einer Wissenschaft ein. Als allgemeine Propädeutik gilt die Logik, weil sie grundlegende Regeln des Denkens und Schlussfolgerns bereitstellt.

In der Schule und Hochschule meint Propädeutik vor allem Vorbereitung auf anspruchsvolleres wissenschaftliches Lernen: Leistungskurse der gymnasialen Oberstufe werden als Propädeutik für ein wissenschaftliches Studium verstanden, und ein propädeutisches Seminar an der Universität vermittelt wichtige Grundkenntnisse für weitere Kurse.

Historische und schulische Entwicklung

In der Antike wurde Propädeutik als Vorbereitung auf die Philosophie verstanden. Bei Platon sollte sie Heranwachsende von „falschen Meinungen“ und „Verhaftungen an Erscheinungen“ lösen.

Im Mittelalter bestand Wissenschaftspropädeutik in der Vermittlung der „sieben freien Künste“ (septem artes liberales), bevor ein Studium an einer Universität begann. Gymnasien waren von Anfang an Schulen, die auf ein Hochschulstudium hinführen sollten. Im Neuhumanismus sollte gymnasiale Bildung nach Erreichen der Hochschulreife in forschendes Lernen an der Universität übergehen.

Die Reformen der westdeutschen gymnasialen Oberstufe ab 1972 zielten ausdrücklich auf bessere Studierfähigkeit. Dazu wurden besonders die Leistungskurse eingeführt. Gleichzeitig wurden unter diesem Gesichtspunkt erhebliche Defizite des bestehenden Kurssystems kritisiert, was weitere Veränderungen auslöste.

Philosophie und Wissenschaftspropädeutik

In der heutigen Philosophie ist Propädeutik eine Einführung in das philosophische Denken.

Wissenschaftspropädeutik ist die Hinführung zu wissenschaftlichen Denk- und Arbeitsweisen. Dazu gehören Methoden des Erkenntnisgewinns, also Wege, wie Wissen begründet und überprüft wird, sowie Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorien. Erkenntnistheorie fragt danach, wie Erkenntnis möglich ist; Wissenschaftstheorien untersuchen Grundlagen, Methoden und Grenzen von Wissenschaften.

Umsetzung im Unterricht

Wissenschaftspropädeutik ist vor allem im Sekundarbereich II an allen Schulen verbindlicher Unterrichtsbestandteil, die zur Hochschulreife führen. Sie bedeutet nicht, dass Schülerinnen und Schüler schon selbstständig Wissenschaft betreiben müssen, etwa in der Idealform von „Jugend forscht“. Gemeint ist ein anfänglicher, exemplarischer Einblick in wissenschaftliche Arbeitsweisen.

Dazu gehört auch, die Grenzen bestimmter Methoden oder wissenschaftlichen Arbeitens allgemein zu thematisieren. Wissenschaftspropädeutik ist außerdem nicht dasselbe wie Wissenschaftsorientierung der Unterrichtsinhalte. Unterrichtsinhalte sollen zwar den Stand der Wissenschaften wiedergeben, aber nicht so umfassend und differenziert wie Universitätsvorlesungen.

Ein Missverständnis liegt vor, wenn Leistungskurse Inhalte des Grundstudiums möglichst tiefgründig vorwegnehmen wollen, zum Beispiel wenn ein Geschichtsleistungskurs sich ein halbes Jahr ausschließlich mit den Punischen Kriegen befasst.

Kompetenzen für Studierfähigkeit

Zur Studierfähigkeit gehören aus gegenwärtiger Sicht mehrere Kompetenzbereiche.

Inhaltlich-sachbezogene Kompetenzen umfassen fachliche Kenntnisse aller Art, Beherrschung der Verkehrssprache, Mathematisierungskompetenz, fremdsprachliche Kompetenz, IT-Kompetenz und Selbstregulation des Wissenserwerbs.

Methodisch-formale Kompetenzen betreffen wissenschaftsbezogene Medien- und Methodenkompetenzen, Arbeitstechniken und Differenzierungsvermögen, also zum Beispiel Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen.

Soziale Kompetenzen sind Verantwortung, Kooperationsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit. Personale Kompetenzen umfassen Ausdrucksvermögen, Bekenntnis zur Rationalität sowie Arbeitsdisziplin, Lernbereitschaft, Selbstständigkeit, Ausdauer und Genauigkeit. Diese Kompetenzen müssen in der Sekundarstufe II systematisch aufgebaut werden; wie dies in Aufgabenfeldern, Fächern und Lernbereichen geschieht, ist Aufgabe der Allgemeinen Didaktik und Fachdidaktik.

Begründung und Beispiele

Unterricht soll in allen Sekundarbereichen wissenschaftspropädeutisch ausgerichtet sein, weil das Abitur zum Hochschulbesuch berechtigt und dort wissenschaftliche Arbeitsmethoden angewandt und erweitert werden. Außerdem soll er Orientierung in einer durch Wissenschaften geprägten Welt geben und so zur Persönlichkeitsentwicklung und zur eigenen „Standortbestimmung“ beitragen.

Schülerinnen und Schüler sollen Arbeitsweisen verschiedener Wissenschaften kennenlernen, etwa korrektes Zitieren, Quellenauswahl und -analyse, Hypothesenbildung, Methoden des Problemlösens, Datengewinnung und Datenauswertung, Beobachten, Messen, Vergleichen, Experimentieren, Befragen und Interpretieren. Sie sollen Methoden naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinns mit geisteswissenschaftlichen, mathematischen, philosophischen und naiven Formen des Erkenntnisgewinns vergleichen.

Wichtig ist auch die Einsicht in die Begrenztheit wissenschaftlicher Aussagen und Methoden: Man kann sich der „Wahrheit“ nur annähern, sie aber nie vollständig erreichen; der Artikel verweist hierzu auf Falsifikation bei Karl Popper. Begriffe, Methoden und Theorien beleuchten Wirklichkeit nur ausschnittweise.

Eine konkrete Umsetzung sind Wissenschaftsinszenierungen. Dabei tauchen Schülerinnen und Schüler in Kommunikations- und Arbeitsformen der Wissenschaft ein und greifen die Grundanliegen der Universität auf: Forschung und Lehre. Beispiele sind ein Sammelband Bioethische Fallstudien, Vorlesungen in Deutsch und Kunst, wissenschaftliche Kolloquien zu Hans Staden und Philipp Melanchthon, ein Forschungsclub für Chemie, ein Projekt zur „Lokalen Politik und Partizipation in der Mediendemokratie“, ein „Kompetenzfach“ für wissenschaftliches Recherchieren, Lesen, Schreiben und Rhetorik sowie Archivarbeit zur Vergangenheit des eigenen Wohnortes.

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