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Preposition Stranding
Preposition Stranding (englisch) ist eine grammatische Konstruktion, bei der eine Präposition nicht mit ihrem zugehörigen Objekt zusammensteht.
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Begriff und Verbreitung
Preposition Stranding ist eine grammatische Spaltungskonstruktion: Eine Präposition steht nicht zusammen mit ihrem zugehörigen Objekt. Häufig wird das Objekt etwa in einer Frage oder zur Hervorhebung an den Satzanfang gestellt, während die Präposition im Satzinneren oder am Satzende zurückbleibt.
Das Phänomen kommt in allen germanischen Sprachen vor, besonders im Englischen und in den skandinavischen Sprachen. Im standardsprachlichen Deutschen und Niederländischen ist es kaum anzutreffen, umgangssprachlich oder mundartlich aber teilweise möglich. Unter englischem Einfluss wurde es regional auch von nichtgermanischen Sprachvarietäten übernommen, darunter nordamerikanische Varietäten des Französischen sowie Vata und Gbadi.
Spaltung im Deutschen
Im Deutschen entsteht die Konstruktion vor allem, wenn ein Satzglied für eine Frage oder zur Topikalisierung, also zur Hervorhebung als Gesprächsthema, an den Satzanfang rückt. Bleibt seine Präposition zurück, liegt Preposition Stranding vor: „Da hat Hans das Brot mit geschnitten“ oder „Wo hat Hans das Brot mit geschnitten?“
Das Standarddeutsche bevorzugt dagegen einen zusammenhängenden Ausdruck: „Womit hat Hans das Brot geschnitten?“ „Womit“ ist ein Präpositionaladverb, also eine Verbindung aus einem Pronominalelement und einer Präposition.
Dialektales Preposition Stranding bezieht sich im Deutschen auf Sachen, nicht auf Personen. Deshalb ist „Da ist Hans mit zur Party gekommen“ mit „da“ als Ersatz für „Maria“ nicht möglich.
Regionale Unterschiede zeigen sich bei Verbindungen wie „davon“:
- Standarddeutsch: „Ich kann mir davon nichts kaufen.“
- Norddeutsch, getrennt: „Ich kann mir da nichts von kaufen.“
- Norddeutsch, mit Voranstellung: „Da kann ich mir nichts von kaufen.“
- Süddeutsch, mit verdoppelter Partikel: „Ich kann mir da nichts davon kaufen.“ oder „Da kann ich mir nichts davon kaufen.“
- Süddeutsch, mit doppelter Spitzenstellung: „Da davon kann ich mir nichts kaufen.“
Postpositionen im Deutschen
Ein weiterer deutscher Konstruktionstyp betrifft Postpositionen, also nach ihrem Objekt stehende Verhältniswörter. Ihre Ergänzung kann gelegentlich allein an den Satzanfang gestellt werden, während die Postposition zurückbleibt: „Den Schmerlies mach ich das zuliebe“ und „Nur der Großmutter hat sie sich gegenüber geöffnet“.
Solche Fälle sind selten und nicht mit allen Postpositionen möglich. Bei eigentlichen, vorangestellten Präpositionen treten sie nicht auf. Daraus ergibt sich die Verallgemeinerung, dass im Deutschen nur Kategorien mit vorangehender Ergänzung deren Herausziehen erlauben. Dasselbe Muster findet sich bei Adjektivkonstruktionen: Aus „des Deutschen unkundig“ kann „Des Deutschen ist er leider unkundig“ werden.
Englisch
Im modernen Englisch ist Preposition Stranding in Frage- und Relativsätzen regelmäßig möglich. In Fragen wird das Fragewort vorangestellt, während die Präposition häufig am Ende bleibt: „What are you talking about?“ und „Where do you go to?“
In Relativsätzen steht das bestimmende „that“, „who“ oder „whom“ am Anfang des Relativsatzes, während die Präposition am Ende verbleibt: „This is the book that I told you about.“ Das Relativpronomen kann auch ganz entfallen: „This is the book I told you about.“ Dann ist die Präposition am Satzende der einzige ausdrücklich verbliebene Teil der ursprünglichen Präpositionalphrase.
Im Altenglischen war Preposition Stranding häufig. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Konstruktion zunehmend als schlechter Stil bewertet, obwohl sie besonders in der gesprochenen Sprache üblich blieb. Nachweislich kritisierte John Dryden sie bereits 1672, unter anderem weil sie im Lateinischen nicht vorkommt. Im Zuge der Standardisierung des Englischen empfahlen präskriptive Grammatiken, also Grammatiken mit Regeln für vermeintlich guten Sprachgebrauch, sie besonders in gehobenem und formellem Stil zu vermeiden. Obwohl die heutige Sprachwissenschaft Sprache eher beschreibend untersucht, geben viele Sprachführer diese Empfehlung weiterhin.
Niederländisch
Im umgangssprachlichen Niederländisch ist Preposition Stranding geläufig. Beispiele sind „Welk bos liep hij in?“ („In welchen Wald ging er?“) und „Waar praatten wij over?“ („Worüber sprachen wir?“). Auch in Nebensätzen kann die Präposition vom zugehörigen Ausdruck getrennt stehen, etwa in „dat hij zo’n donker bos niet in durft te lopen“.
Französisch in Nordamerika
Dem Französischen ist Preposition Stranding grundsätzlich fremd. Es kommt jedoch in stark vom Englischen beeinflussten nordamerikanischen Varietäten vor, unter anderem in Alberta, Northern Ontario, New Brunswick, Prince Edward Island und Louisiana.
Im Quebecer Französisch findet man beispielsweise „Qui est-ce que tu as fait le gâteau pour?“ statt standardsprachlich „Pour qui as-tu fait le gâteau?“ Ebenso kommt „Tu connais pas la fille que je te parle de“ statt „Tu ne connais pas la fille dont je te parle“ vor. Verbreitet ist außerdem die Form „Tu ne connais pas la fille que je te parle“, bei der die Präposition ganz fehlt.