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Porajmos
Liste der Ghettos und Lager für Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus · Liste der Konzentrationslager des Deutschen Reichs · Liste der KZ …
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Begriff und Zweck
Porajmos [pʰoɽajˈmos], auch Porrajmos, wird deutsch mit „das Verschlingen“ wiedergegeben und ist ein Wort aus dem Romanes. Der Historiker Henry R. Huttenbach führte Porajmos 1991 als Neologismus ein, um dem Völkermord der Nationalsozialisten an den europäischen Sinti und Roma einen eigenen Namen zu geben. In den 1990er Jahren verbreitete der Linguist und Roma-Aktivist Ian Hancock den Begriff, um eine spezifische Bezeichnung für diesen Genozid zu etablieren.
Gebrauch und Kritik
Porajmos wird überwiegend von Aktivisten verwendet, die nicht den Roma angehören. Unter Sinti ist der Ausdruck nicht bekannt, unter Roma ist er weitgehend ungebräuchlich. Er wird als paternalistisch, also bevormundend, und als euphemistisch, also beschönigend, bewertet.
Die Roma-Autoren Lev Tcherenkov und Stéphane Laederich lehnten den Begriff 2004 in The Rroma ab, weil er die sexuelle Konnotation „weit öffnen“ habe. Beate Eder-Jordan schloss sich dieser Kritik 2008 an. Marcel Courthiade wies auf missverständliche und unangemessene Deutungsmöglichkeiten hin. Luca Bravi zufolge bedeutet Porajmos „Vergewaltigung“; die Übersetzung „Verschlingen“ werde daher fälschlich und unhinterfragt übernommen.
Romani Rose, seit 1982 Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, erklärte 2015, er verwende den Begriff Holocaust. Eine Trennung zwischen Shoah und Porajmos könne seiner Ansicht nach zu einem Streit führen, welche Gruppe das schlimmere Unrecht erlitten habe. Seine Position richtet sich gegen eine Hierarchisierung nationalsozialistischer Genozide: Der Genozid an Sinti und Roma soll nicht als kleinerer Völkermord neben dem Holocaust erscheinen. In romani-sprachlichen und rom-zentrierten Diskussionen gibt es außerdem Begriffe wie Samudaripen, die den Genozid in der Sprache der Minderheit benennen.