Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Polyrhythmik
Polyrhythmik bezeichnet die Überlagerung mehrerer Rhythmen in einem mehrstimmigen Stück. Dabei kann jede einzelne Stimme auch einen eigenen Takt oder gar …
Inhalt3 Abschnitte
Definition und Grundprinzip
Polyrhythmik bezeichnet die gleichzeitige Überlagerung mehrerer Rhythmen in einem mehrstimmigen Musikstück. Die einzelnen Stimmen verlaufen dabei rhythmisch unterschiedlich, ergeben zusammen aber eine komplexe Gesamtstruktur.
Jede Stimme kann außerdem einen eigenen Takt oder sogar ein eigenes Metrum besitzen. Das Metrum ist das regelmäßige Grundschema der betonten und unbetonten Zählzeiten. Die Verbindung verschiedener Metren wird als Polymetrik bezeichnet.
Typische Zahlenverhältnisse sind der 2:3-Polyrhythmus und der 3:4-Polyrhythmus. Dabei werden im gleichen Zeitraum beispielsweise zwei Schläge der einen Stimme gegen drei Schläge der anderen beziehungsweise drei gegen vier gespielt.
Formen und musikalische Verwendung
In der europäischen Kunstmusik erscheint Polyrhythmik in unterschiedlichen Formen. Bei Aram Chatschaturjan wird sie etwa als Unterteilungsrhythmik verwendet. Dmitri Kabalewski nutzt Komplementärrhythmik, bei der sich verschiedene rhythmische Stimmen gegenseitig ergänzen; diese Form findet sich auch in Mozarts Klaviersonate Nr. 11. Bei Joseph Haydn tritt Polyrhythmik als Konfliktrhythmik auf, bei der rhythmische Muster gegeneinander wirken.
In der Neuen Musik griffen besonders Steve Reich und György Ligeti polyrhythmische Verfahren auf. Seit den 1950er Jahren kommt Polyrhythmik außerdem im Jazz und im Tango Argentino vor. In der Popmusik findet sie sich in Teilen des Latin Rock sowie bei einigen afrikanischen Popmusikern. Auch die Metal-Bands Meshuggah und Tool sowie der Rapper Blueface verwenden Polyrhythmik.
Afrikanische Musik und weltweite Verbreitung
Polyrhythmik gilt als Kennzeichen traditioneller afrikanischer Musik. Aus dem Zusammenspiel verschiedener Schlaginstrumente und Trommeln entstand für jedes Instrument ein charakteristisches Metrum. Da afrikanische Musikkulturen sehr vielfältig sind, unterscheiden sich auch ihre Formen des rhythmischen Musizierens.
Die Massai erzeugen Rhythmen beim Tanz unter anderem mit Rasseln, die sie am Körper tragen. Benachbarte Völker wie die Luo entwickelten komplizierte Tänze mit Trommelbegleitung. Polyrhythmische Musik findet sich auch in westafrikanischen Kulturen und bei Völkern mit Sprechtrommlern. Sprechtrommeln sind Trommeln, deren Tonhöhen und Rhythmen sprachähnliche Muster wiedergeben können.
Von diesen Regionen verbreitete sich Polyrhythmik in den Süden Afrikas sowie nach Norden zu den Berbern und Tuareg. Sie kommt ebenfalls in der marokkanischen Musik vor. Durch versklavte Menschen aus Afrika gelangte sie nach Lateinamerika und ist heute dort, besonders in der Karibik, in vielen Musikbereichen verbreitet.
Der Artikel weist darauf hin, dass seine Angaben nicht ausreichend durch Einzelnachweise belegt sind.