Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Philippus-Fastenzeit
Als Philippus-Fastenzeit oder Weihnachtsfastenzeit (Fasten vor Weihnachten) bezeichnet man die 40-tägige Fastenzeit als Vorbereitungszeit vor Weihnachten in …
Inhalt4 Abschnitte
Grundidee und zeitlicher Ablauf
Die Philippus-Fastenzeit, auch Weihnachtsfastenzeit genannt, ist eine 40-tägige Fastenzeit der Ostkirchen zur Vorbereitung auf Weihnachten. Sie beginnt am Tag nach dem Gedenktag des Apostels Philippus am 15. November und entspricht dem vierwöchigen Advent der westlichen Kirchen. Ihr Ziel ist es, sich körperlich und geistlich auf das Weihnachtsfest und sein liturgisches Festgeheimnis vorzubereiten.
In Kirchen mit gregorianischem Kalender, den sogenannten Neukalendariern, dauert sie vom 15. November bis zum 24. Dezember. Kirchen, die ihre Feste nach dem julianischen Kalender feiern, die sogenannten Altkalendarier, begehen sie vom 28. November bis zum 6. Januar des modernen Kalenders. Diese Daten entsprechen dem 15. November und dem 24. Dezember des julianischen Kalenders. Die Fastenzeit endet am 1. Weihnachtsfeiertag beziehungsweise mit dem Nachtgottesdienst an Heiligabend.
Fastenregeln und Ausnahmen
Während der Fastenzeiten sind in den orthodoxen Kirchen grundsätzlich Fleisch, Milchprodukte und Eier verboten. In der Philippus-Fastenzeit gelten zusätzlich je nach Wochentag unterschiedliche Regeln: Fisch, Wein und Öl sind samstags und sonntags erlaubt; Wein und Öl sind außerdem dienstags und donnerstags erlaubt. Montags, mittwochs und freitags sind Wein und Öl nicht erlaubt.
An den strengeren Tagen besteht der Speiseplan daher praktisch aus Gemüse, das ohne Öl gekocht oder gedünstet wird, Kartoffeln und Brot. Besondere Bedeutung haben Getreide, Buchweizen, Pilze, Nüsse und Hülsenfrüchte. Wein und Öl dürfen auch an einem sonst strengeren Tag gegessen werden, wenn dort der Gedenktag eines wichtigen Heiligen gefeiert wird. Fisch ist erlaubt, wenn die Gemeinde an diesem Tag ihr Patronatsfest begeht.
Vom 20. bis 24. Dezember sowie vom 2. bis 6. Januar gelten strengere Regeln: Selbst samstags und sonntags ist kein Fisch erlaubt. Heiligabend ist ein strenger Fastentag.
Uneinigkeit besteht bei der Einordnung von Meeresfrüchten. Einige behandeln sie traditionell auf einer strengen Stufe wie Öl und Wein, andere auf einer weniger strengen Stufe wie Fisch. Ob die Regeln an die heutigen Lebensbedingungen angepasst werden sollen, soll nach dem Artikel auf einem künftigen großen panorthodoxen Konzil der selbstständigen orthodoxen Kirchen geklärt werden.
Gedenktage und die letzten Sonntage
In die Fastenzeit fallen unter anderem folgende Gedenktage: der Evangelist und Apostel Matthäus (16. beziehungsweise 29. November), der Einzug der allerheiligsten Gottesgebärerin in den Tempel (21. November beziehungsweise 4. Dezember), Andreas (30. November beziehungsweise 13. Dezember), die Großmärtyrerin Barbara (4. beziehungsweise 17. Dezember), der heilige Nikolaus (6. beziehungsweise 19. Dezember), der heilige Spyridon und Hermann von Alaska (12. beziehungsweise 25. Dezember) sowie die Märtyrer Eustratios, Auxentios, Eugen, Mardarios und Orest (13. beziehungsweise 26. Dezember).
Weitere Gedenktage erinnern an Propheten des Alten Testaments, die die Menschwerdung Gottes vorausgesagt haben: Obadja (19. November beziehungsweise 2. Dezember), Nahum (1. beziehungsweise 14. Dezember), Habakuk (2. beziehungsweise 15. Dezember), Zefanja (3. beziehungsweise 16. Dezember), Haggai (16. beziehungsweise 29. Dezember) sowie Daniel und die drei Jünglinge Ananias, Azarias und Misael im Feuerofen (17. beziehungsweise 30. Dezember).
Die beiden letzten Sonntage vor Weihnachten haben besondere Bezeichnungen. Am Sonntag der Heiligen Vorväter, dem zweiten Sonntag vor Weihnachten, wird der Vorfahren Christi bis Adam gedacht. Der Sonntag vor Weihnachten heißt Sonntag der Heiligen Väter. An ihm wird der 318 Väter des 1. Ökumenischen Konzils des Jahres 325 n. Chr. gedacht.
Geistliches Ziel des Fastens
Das Fasten soll Körper, Geist und Seele reinigen und die Gläubigen ganz auf Gott beziehungsweise das liturgische Festgeheimnis ausrichten. Dazu gehören häufigere Kirchenbesuche, Beichte und Kommunion sowie das tägliche Beten der Gebetsregel oder zusätzliches Gebet. Auch geistliche Literatur, etwa die Bibel und Bücher über Heilige, soll gelesen werden.
Zum Fasten gehören besonders Reue, Gebet, gute Tugend und Enthaltsamkeit. Sein tieferer Sinn liegt darin, das eigene Leben zu verbessern, indem Gedanken, Worte und Taten zum Guten verändert werden.