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Phantasie und Fuge über B-A-C-H

Die Phantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46 ist ein Orgelwerk von Max Reger aus dem Jahr 1900, in dem der Komponist das Motiv B-A-C-H verarbeitet hat.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern des Werks
  2. 2. Entstehung und Uraufführung
  3. 3. Musikalische Merkmale
  4. 4. Aufbau der Fuge
  5. 5. Bach und Wagner als Hintergrund

Kern des Werks

Die Phantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46 ist ein Orgelwerk von Max Reger aus dem Jahr 1900. Im Mittelpunkt steht das musikalische Motiv B-A-C-H, also die Tonfolge B, A, C und H, die mit dem Namen Johann Sebastian Bach verbunden ist. Reger verarbeitet dieses Motiv in einer groß angelegten Phantasie und Fuge.

Das Werk ist wichtig, weil es Regers Verehrung für Bach zeigt und zugleich spätromantische Mittel nutzt. Stilistisch verbindet es Bezüge zu Bach mit einer modernen, sehr komplexen Tonsprache um 1900.

Entstehung und Uraufführung

Reger komponierte das Werk im Februar 1900 in Weiden in der Oberpfalz. Der genaue Tag der Fertigstellung ist unsicher, weil Reger dazu widersprüchliche Angaben machte. Auf der letzten Seite des Autographs, das als Vorlage für den Notenstich diente, steht handschriftlich das Datum 17. Februar 1900 mit dem Zusatz: „begonnen 10. Febr. / vollendet 17. Febr. 1900“. In einem Brief vom 17. Februar schrieb Reger jedoch, er arbeite noch an dem Werk und könne innerhalb von zehn Tagen ein Manuskript senden. In einem Brief an Emil Krause vom 21. Februar schrieb er dann, das Werk sei vollendet.

Zusätzlich gibt es ein zweites Autograph, das Reger mit dem Datum 19. Februar 1900 Karl Straube widmete. Dieses Autograph wurde eindeutig als erste Fassung identifiziert. Gewidmet ist das Werk Josef Gabriel Rheinberger.

Die Uraufführung fand Ende Juni 1900 durch Karl Straube an der Sauer-Orgel im Dom zu Wesel statt. Das genaue Datum ist wegen fehlender Quellen nicht bekannt. Straube wurde 1903 Thomasorganist und später Thomaskantor.

Musikalische Merkmale

Das Werk steht in der Tradition vieler Kompositionen, die das berühmte B-A-C-H-Motiv musikalisch bearbeiten. Es ist technisch sehr anspruchsvoll. Genannt werden Oktavbewegungen, Zweiunddreißigstelläufe, Triller im Pedal, stark polyphones Spiel in beiden Händen und Füßen sowie häufig wechselnde Registeranweisungen. Diese Registerwechsel erfordern mindestens die Hilfe eines Registranten, also einer Person, die während des Spiels die Klangfarben der Orgel umschaltet.

Typisch für Reger ist die komplexe Kontrapunktik. Kontrapunktik bedeutet, dass mehrere selbstständige Stimmen gleichzeitig geführt und miteinander verbunden werden. Die Harmonik des Werks ist kaum mehr eindeutig tonal und wirkt unstet; das passt zur Tonsprache vieler spätromantischer Werke.

Aufbau der Fuge

Die Fuge ist eine fünfstimmige Doppelfuge. Eine Fuge ist eine streng gearbeitete Form, in der ein Thema nacheinander in verschiedenen Stimmen erscheint und weiterentwickelt wird. Eine Doppelfuge arbeitet mit zwei Themen oder thematischen Gedanken. Fünfstimmig bedeutet, dass fünf musikalische Stimmen beteiligt sind.

Die Fuge steigert sich kontinuierlich: Sie beginnt in einem sehr langsamen Tempo im Pianississimo und führt bis zu einem sehr schnellen Tempo im Fortississimo bei vollem Werk. Pianississimo bezeichnet ein extrem leises Spiel, Fortississimo ein extrem lautes. In der Schlussapotheose wird wieder auf den Beginn der Fantasie Bezug genommen.

Die Aufführungsdauer hängt von der jeweiligen Einspielung ab. Sie liegt zwischen einer Viertel- und einer halben Stunde, häufig aber bei etwa 17 bis 21 Minuten.

Bach und Wagner als Hintergrund

Reger bekannte mehrfach seine tiefe Verehrung für Johann Sebastian Bach, unter anderem in Essays und Briefen. 1905 fragte die Zeitschrift Die Musik zahlreiche Komponisten, Musiker und andere Persönlichkeiten: „Was ist mir Johann Sebastian Bach und was bedeutet er für unsere Zeit?“ Reger antwortete: „Seb. Bach ist für mich Anfang und Ende aller Musik; auf ihm ruht und fusst j e d e r wahre Fortschritt!“

Im Mai 1912 schrieb Reger in ein privates Stammbuch den Satz: „b a c h ist Anfang und Ende aller Musik“. Dabei notierte er „b a c h“ als Noten, also als B-A-C-H-Motiv.

In der Phantasie und Fuge über B-A-C-H spannt Reger stilistisch einen Bogen von Bach bis Richard Wagner. In der Umfrage von 1905 bezeichnete er Bach als „gar kräftigliches, nie versiegendes Heilmittel“, unter anderem für Komponisten und Musiker, die „an missverstandenem Wagner“ erkrankt seien. An anderer Stelle nannte Reger diese Krankheit „Wagneritis“ und meinte damit, dass viele Komponisten seiner Zeit Wagner falsch verstanden. Antonius Bittmann sah in dem Werk einen Versuch Regers, bachsche und wagnerische Elemente zu verbinden und auszugleichen, um das Wagner-Bild durch Bach zu korrigieren. Besonders auffällig sei dabei die Bezugnahme auf die Tristan-Ouvertüre.

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