Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Peter Schlemihls wundersame Geschichte

Peter Schlemihls wundersame Geschichte ist ein Kunstmärchen des Dichters und Naturforschers Adelbert von Chamisso (1781–1838), verfasst im Sommer des Jahres …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Entstehung
  2. 2. Der Handel mit dem Schatten
  3. 3. Entscheidung und weiteres Leben
  4. 4. Illustrationen und künstlerische Weiterverarbeitung
  5. 5. Ausgaben und Verfilmung

Werk und Entstehung

„Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ ist ein Kunstmärchen des Dichters und Naturforschers Adelbert von Chamisso (1781–1838). Es entstand im Sommer 1813 und erzählt von einem Mann, der seinen Schatten verkauft. Der Verlust des Schattens führt trotz des dafür gewonnenen Reichtums zum Ausschluss aus der menschlichen Gesellschaft.

Chamisso schrieb das Märchen nach eigener Aussage, um sich zu zerstreuen und die Kinder eines Freundes zu unterhalten. Hintergrund waren die Befreiungskriege gegen Napoleon. Chamisso konnte daran als gebürtiger Franzose, der in Preußen lebte, nicht teilnehmen und empfand, dass er „kein Vaterland mehr, oder noch kein Vaterland“ hatte. Das Werk wurde in Deutschland günstig aufgenommen und nach Chamissos Aussage in England volkstümlich.

Der Handel mit dem Schatten

Nach einer anstrengenden Seereise lernt Peter Schlemihl in Flensburg den reichen Kaufmann Thomas John kennen. In dessen Garten begegnet er einem merkwürdigen Herrn im grauen Mantel. Dieser bietet ihm für seinen Schatten einen Säckel voller Gold an, der niemals leer wird. Schlemihl nimmt das Angebot an.

Der scheinbar vorteilhafte Handel hat schwere Folgen: Menschen erschrecken, sobald sie bemerken, dass Schlemihl keinen Schatten besitzt. Sie meiden oder verspotten ihn, sodass sein unbegrenzter Reichtum ihm keine gesellschaftliche Zugehörigkeit verschafft. Schlemihl reist über das Gebirge in einen Badeort. Dort hilft ihm sein treuer Diener Bendel dabei, die Schattenlosigkeit zunächst zu verbergen.

Schlemihl verliebt sich in Mina. Sein zweiter Diener Rascal verrät jedoch sein Geheimnis. Minas Vater erlaubt die Heirat nur unter der Bedingung, dass Schlemihl seinen Schatten zurückerhält.

Entscheidung und weiteres Leben

Der graue Mann erscheint erneut und offenbart seine wahre Natur: Er ist der Teufel, der allerdings höflich auftritt und einen Interessenausgleich verlangt. Schlemihl soll seinen Schatten nur zurückbekommen, wenn er dem Teufel dafür seine Seele überlässt. Schlemihl versucht zu fliehen, wird jedoch immer wieder eingeholt.

Der Teufel leiht ihm zeitweise seinen Schatten. Damit zeigt er Schlemihl, wie viel gesellschaftliches Ansehen und Prestige dieser wiedergewinnen könnte. Schlemihl lehnt den Handel mit seiner Seele dennoch ab. Schließlich wirft er den unerschöpflichen Goldsäckel, den er für seinen Schatten erhalten hatte, in einen Abgrund und löst dadurch seine letzten Verbindungen zum Teufel.

Von seinem letzten Geld kauft Schlemihl alte Stiefel. Sie erweisen sich als Siebenmeilenstiefel, mit denen er in gewaltigen Schritten weite Entfernungen zurücklegen kann. Bis zum Ende der Erzählung lebt er einsam als Naturforscher. Er erhält also weder seinen Schatten noch seinen Platz in der Gesellschaft zurück, bewahrt aber seine Seele und findet in der wissenschaftlichen Erforschung der Natur eine neue Lebensaufgabe.

Illustrationen und künstlerische Weiterverarbeitung

Schon die Erstausgabe enthielt eine Illustration: einen Kupferstich von Franz Josef Leopold. Später entstanden zahlreiche weitere Illustrationszyklen. Zu den Künstlern gehörten unter anderem George Cruikshank, Adolph von Menzel, Emil Preetorius, Imre Reiner, Franziska Walther und Ernst Ludwig Kirchner. Kirchner schuf 1915 einen siebenteiligen Zyklus einschließlich Titelblatt. Er sah Parallelen zwischen Schlemihls Lage und seiner eigenen inneren Zerrissenheit und deutete Schlemihl als einen Verfolgungswahnsinnigen, der sich seiner unendlichen Kleinheit bewusst wird.

Das Motiv des verlorenen Schattens wurde vielfach fortgeführt und verändert. In E. T. A. Hoffmanns „Die Abenteuer der Sylvester-Nacht“ erscheint Schlemihl als Nebenfigur; zugleich wird sein Schicksal mit der „Geschichte vom verlorenen Spiegelbild“ verbunden. Diese diente als Vorlage für Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“, in der Schlemihl als Nebenbuhler des Haupthelden auftritt. Friedrich Christoph Förster setzte Chamissos Erzählung 1843 mit „Peter Schlemihl’s Heimkehr“ fort, Ludwig Bechstein 1851 mit dem zweiteiligen Werk „Die Manuscripte Peter Schlemihl’s“. Hans Christian Andersen griff das Motiv 1847 in seinem Märchen „Der Schatten“ auf.

Auch für die Bühne und die Musik wurde der Stoff bearbeitet. David Kalischs „Peter Schlemihl. Posse mit Gesang in 1 Aufzug“ wurde im Mai 1850 im Berliner Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater uraufgeführt. August Brunetti-Pisanos Oper „Peter Schlemihl“ wurde beispielsweise 1908 im Staatstheater Stuttgart gespielt. Die Folk-Rock-Band Ougenweide vertonte die Geschichte für ihr 1976 erschienenes Album „Ohrenschmaus“. James Krüss schuf eine ausdrücklich auf Chamisso bezogene Variante, in der nicht der Schatten, sondern das Lachen verkauft wird. Thomas Hettche ließ Peter Schlemihl in seinem Roman „Pfaueninsel“ von 2014 auftreten.

Ausgaben und Verfilmung

Die Erstausgabe erschien 1814 in Nürnberg bei Johann Leonhard Schrag unter dem Titel „Peter Schlemihl’s wundersame Geschichte“, herausgegeben von Friedrich Baron de la Motte Fouqué und mit einem Kupferstich als Frontispiz. Spätere Ausgaben erschienen unter anderem mit Illustrationen von Emil Preetorius, Reproduktionen der Kupferstiche George Cruikshanks oder 25 zweifarbigen Illustrationen von Franziska Walther. Außerdem existieren Hörspielfassungen auf CD.

1967 entstand in der Bundesrepublik Deutschland der ZDF-Fernsehfilm „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“. Regie führte Peter Beauvais; Götz George spielte Peter Schlemihl und Rudolf Platte den Grauen.

Weiterlesen