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Patience
Patience [paˈsi̯ãːs] (von französisch patience ‚Geduld') ist ein Kartenspiel, das meist von einer Person gespielt wird. Es gibt auch Zweierpatiencen, …
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Grundidee und Ziel
Patience ist ein Kartenspiel, das meist von einer Person gespielt wird. Im amerikanischen und kanadischen Englisch werden diese Spiele als „Solitaire“ bezeichnet. Das ist nicht mit dem im Deutschen bekannten Brettspiel Solitär zu verwechseln; im britischen Englisch wird auch dieses Brettspiel „Solitaire“ genannt.
Zum Spielen verwendet man überwiegend ein oder zwei einfache Kartenspiele mit jeweils 52 Karten, deren Werte vom Ass bis zum König reichen. Alternativ kommen kleinere Patience-Karten, ein Bridge-Blatt oder ein Rommé-Blatt ohne Joker zum Einsatz. Einige einfache Patiencen werden mit einem Skat-Blatt aus 32 Karten gespielt. Nur wenige Varianten sind für mehrere Personen bestimmt, etwa die Zank-Patience.
Jede Patience beginnt mit dem Auflegen einer bestimmten Figur. Welche Karten wie ausgelegt werden, hängt von der jeweiligen Variante ab. Karten, die dabei nicht verwendet werden, bilden den Talon, also den Nachziehstapel. Zunächst spielt man mit den ausgelegten Karten. Wenn kein Zug mehr möglich ist, werden die Karten des Talons verwendet.
Das Ziel besteht bei fast jeder Patience darin, alle Karten nach den geltenden Regeln um- oder abzulegen. Dabei müssen sie meist in einer vorgegebenen Reihenfolge aufeinanderliegen und auf- oder absteigende Wertfolgen bilden. In anderen Varianten soll eine bestimmte Zielfigur entstehen. Eine Patience ist „aufgegangen“, wenn diese Zielfigur nach der Nutzung aller Karten erreicht wurde.
Der Spielverlauf hängt stark von der Reihenfolge der Karten im Talon ab. Deshalb verbindet Patience Geduld und strategische Entscheidungen mit einem Glücksspielelement.
Ungeklärte Herkunft
Der Ursprung der Patiencen ist unbekannt. Eine häufig erzählte Entstehungsgeschichte besagt, dass ein französischer Adeliger das Spiel im 18. Jahrhundert aus Langeweile erfunden habe. Er soll während der französischen Revolution in der Bastille gefangen gewesen sein und auf seine Hinrichtung gewartet haben. Von dort aus sollen sich die Patiencen unter politischen Gefangenen verbreitet haben.
Nach dieser Erzählung legte später auch Napoleon Bonaparte regelmäßig Patiencen, um den Ausgang von Schlachten vorherzusehen. Französische Emigranten sollen das Spiel im späten 18. und im 19. Jahrhundert weltweit verbreitet haben.
Eine andere Erklärung hält es für wahrscheinlicher, dass das Spiel im 18. Jahrhundert in Deutschland entstand und sich anschließend nach Frankreich ausbreitete. Dort war es sehr beliebt; außerdem entstanden dort zahlreiche Patiencen sowie französische Begriffe und Namen. Auch Napoleons Bedeutung für die Geschichte der Patience wird bezweifelt. Er soll wahrscheinlich regelmäßig Whisthände ausprobiert und allein gespielt haben.
Eine der ältesten Sammlungen von Patiencespielen stammte von Lady Adelaide Cadogan. Sie veröffentlichte 1870 das Buch „Many of Lady Cardogan’s solitaire games“ und später „Illustrated Games of Solitaire“.
Die häufige Verbindung von Patience und Vorhersage bedeutet nicht, dass Patiencen zum Wahrsagen dienen. Patience hat mit dem Kartenlegen von Wahrsagern, bei dem Karten zur Prophezeiung der Zukunft verwendet werden, nichts zu tun.
Vielfalt der Varianten
Es gibt hunderte von Patiencen. Sie unterscheiden sich vor allem durch ihre Startfigur und durch die Komplexität der Lösungswege. Viele Varianten haben eine lange Geschichte, andere wurden erst in den letzten Jahren vor allem für Computerspiele entwickelt. Zahlreiche Patiencen existieren auch als Software.
Die Varianten werden unter anderem nach der Zahl und Art der verwendeten Karten geordnet:
- Mit 32 Karten werden beispielsweise Abzähl-Patience, Das Quadrat, die Acht-Päckchen-Patience, Herz zu Herz, Die Liebe und Die Jagd gespielt.
- Zu den einfachen Spielen mit 52 Karten gehören Aces up, Acht Karten, Auf Wiedersehen, Das Rad, Das Quadrat, Zudecken, Die Elf, Die Farbenelf, Die gute Dreizehn, Die Hochzeit, Die Uhr, Dreizehn mal Vier, Fächerpatience, Der Schmetterling, Rangierpatience, Klondike oder Die kleine Harfe, Rot und Schwarz, Der kleine Napoleon, Königsstern und Jahreszeiten.
- Mit 104 Karten, also mit zwei vollständigen Spielen, werden unter anderem Die Burgvögtin, Duchesse de Luynes, Spider, Die große Harfe beziehungsweise Die schöne Harfe, Der Zopf, Die Königspatience und Der große Napoleon gespielt.
- Pas de deux und die Zank-Patience sind Varianten für zwei Personen.
- Mit zwei Spielen und Jokern, insgesamt 110 Karten, werden Verdeckte 9er, Achter Passion und Zehner Passion gespielt.
Bei „Herz zu Herz“ zeigt die Auslage nach der dritten Runde, dass eine Patience nicht aufgegangen ist, wenn nicht alle Herzkarten ausgelegt wurden.
Patience am Computer
Verschiedene Patiencen wurden für Computer und später für mobile Geräte umgesetzt. In den 1960er-Jahren entwickelte Paul Alfille die Variante FreeCell zunächst als physisches Kartenspiel. 1979 portierte er das Programm auf den Großrechner der University of Illinois. Dadurch konnten mehrere Menschen gleichzeitig an Terminals spielen.
Klondike für Mac erschien 1984 und wird seitdem von Michael Casteel weiterentwickelt. Das Spiel wird weiterhin für macOS angeboten sowie als iKlondike für iPhone, iPad und iPod Touch. Neben Klondike enthält das Programm weitere Patience-Varianten.
1986 wurde das traditionelle chinesische Brettspiel Mah-Jongg unter dem Namen Shanghai erstmals als Patience-Computerspiel umgesetzt. 1988 entwickelte Wes Cherry während seiner Tätigkeit als Praktikant bei Microsoft die Windows-Version von Klondike. Sie wurde unter dem Namen „Solitaire“, auf Deutsch „Solitär“, mit Windows 3.0 ausgeliefert. Das Spiel sollte unerfahrenen PC-Nutzern den Umgang mit der Computermaus sowie das Ziehen und Ablegen von Objekten vermitteln.
Seit Windows 8 bietet Microsoft statt eines vorinstallierten einzelnen Spiels die Freemium-Anwendung Microsoft Solitaire Collection zur Installation an. Sie enthält neben Klondike auch Spider, Freecell, Tripeaks und Pyramid sowie verschiedene Skins und „tägliche Herausforderungen“. Die Anwendung wird für Windows 8, Windows 10 und Windows 11 angeboten und unterstützt außerdem iOS und Android.
Heute gibt es zahlreiche weitere Patience-Varianten als Mobile Apps für Smartphones und Tabletcomputer.