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Parlamentsgebäude (Budapest)

Das Parlamentsgebäude (ungarisch Országház; wörtlich: „Landeshaus“) in Budapest ist Sitz des Ungarischen Parlaments (ungarisch Országgyűlés).

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Entstehung
  2. 2. Vorgeschichte und politische Funktion
  3. 3. Aufbau, Räume und Nutzung
  4. 4. Gestaltung, Kronjuwelen und Kühlung

Bedeutung und Entstehung

Das Parlamentsgebäude in Budapest heißt auf Ungarisch Országház („Landeshaus“) und ist der Sitz des Ungarischen Parlaments (Országgyűlés). Der Bau am Donauufer gehört zu den Wahrzeichen Budapests und zählt zu den größten Parlamentsgebäuden der Welt. Er wurde von 1885 bis 1904 nach Entwürfen des ungarischen Architekten Imre Steindl errichtet. Stilistisch ist er neugotisch; sein wichtigstes Vorbild war der Palace of Westminster, der Sitz des britischen Parlaments in London.

Das Gebäude sollte nach der Vereinigung von Buda, Pest und Óbuda zur Hauptstadt Budapest im Jahr 1873 die Eigenständigkeit und Souveränität der ungarischen Nation ausdrücken. Am 22. April 1883 gewann Steindl die Ausschreibung für den Neubau. Die Eröffnung erfolgte 1896 während der Millenniumsfeierlichkeiten, vollständig abgeschlossen wurden die Arbeiten jedoch erst 1904. Etwa 1000 Arbeiter verbauten mehr als 40 Millionen Steine, darunter eine halbe Million Schmucksteine, sowie ungefähr 40 Kilogramm Gold.

Vorgeschichte und politische Funktion

Bereits in den 1830er-Jahren gab es Pläne, den Landtag von Pressburg (ungarisch Pozsony) nach Pest zu verlegen. Mihály Pollack fertigte 1840 im Auftrag von Palatin Joseph Entwürfe an. Ein 1844 ausgeschriebener internationaler Wettbewerb blieb wegen der revolutionären Ereignisse von 1848/49 ohne bauliche Folge, obwohl der Landtag in dieser Zeit tatsächlich nach Pest umzog.

Ab 1861 wurde nach dem Ende der Ära Bach und des Neoabsolutismus erneut über ein Parlamentsgebäude in Pest beraten. Auch die Vorhaben von Ferenc Wieser scheiterten an politischen Ereignissen. 1865 errichtete Miklós Ybl deshalb kurzfristig ein provisorisches Landtagsgebäude. Es steht in der heutigen Sándor-Bródy-Straße 8 und beherbergt das italienische Kulturinstitut in Budapest.

Nach seiner Fertigstellung war das neue Gebäude Sitz des Reichstags des Königreichs Ungarn innerhalb der 1867 geschaffenen Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Dieser Reichstag bestand aus Magnatenhaus (Oberhaus) und Abgeordnetenhaus (Unterhaus). Steindl erblindete vor der Vollendung seines Bauwerks und konnte es daher nicht mehr sehen.

Aufbau, Räume und Nutzung

Das Gebäude ist 268 Meter lang, 123 Meter breit und 96 Meter hoch. Es ist damit neben der St.-Stephans-Basilika das höchste Gebäude Budapests. Zu ihm gehören 10 Innenhöfe, 13 Personen- und Lastenaufzüge, 27 Eingänge, 29 Treppenhäuser, 691 Räume und 365 Türmchen. Mehr als 200 Räume dienen offiziellen Anlässen und Empfängen.

Der annähernd T-förmige Komplex gliedert sich in vier Bereiche. Im Mittelpunkt liegt der Kuppelsaal. Östlich davon befindet sich zur Stadtseite der Trakt mit Haupteingang und Prunkstiege; diese führt zur Kuppelhalle. Nördlich und südlich davon liegen Sitzungssäle, Repräsentationsräume und knapp 700 weitere Räume, darunter die Amtszimmer des Staatspräsidenten, des Ministerpräsidenten und des Parlaments.

Wegen des früheren Zweikammersystems gibt es zwei weitgehend gleiche Sitzungssäle. Im südlichen Saal tagt das heutige Parlament. Der nördliche Saal, der frühere Saal des Magnatenhauses, wird für Kongresse und Konferenzen verwendet.

Gestaltung, Kronjuwelen und Kühlung

Die Fassade prägen neugotische Türme und Giebel. Auch im Inneren bestimmen neugotische Formen das Bild. Fresken und Wandbilder zeigen die Geschichte Ungarns; außerdem gibt es zahlreiche goldfarbene Verzierungen. In einem Vorraum des Sitzungssaals liegt mit 7 mal 21 Metern der größte geknüpfte Teppich Europas. In den ehemaligen Amtsräumen des Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses befanden sich seit 1929 drei Al-Secco-Gemälde mit János Hunyadi, Ferenc Kossuth und Miklós Horthy. Das Horthy-Bild wurde nach 1945 entfernt; auch das später an seiner Stelle angebrachte sozialistisch-realistische Bild wurde nach 1977 entfernt.

Der Kuppelsaal besitzt eine 96 Meter hohe, mit neugotischen Motiven verzierte Kuppel und dient vor allem repräsentativen Zwecken. Seit dem 1. Januar 2000 werden dort die Stephanskrone und die ungarischen Kronjuwelen aufbewahrt; die Kronwache schützt sie in traditionellen Uniformen. Der 1950 an der Kuppelspitze angebrachte Rote Stern wurde 1990 abgenommen und 1992 durch eine Nachbildung der ursprünglichen Spitze ersetzt.

Für heiße Sommer plante Steindl eine besondere Kühlung: Unter zwei Springbrunnen vor dem Gebäude lagen Öffnungen für Luftzufuhr und Luftzirkulation. Tunnel führten wassergekühlte Frischluft zu den Sitzungssälen. Einige Tunnel wurden später zugemauert; in den offenen Luftkanälen wird an heißen Tagen Eis gelagert, um Räume zu kühlen. Auf dem Lajos-Kossuth-Platz stehen Statuen unter anderem von Lajos Kossuth, Franz II. Rákóczi, István Tisza und Gyula Andrássy. Eine ewige Flamme erinnert an Helden und Opfer des ungarischen Volksaufstands von 1956.

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