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Oh My Darling, Clementine
Oh My Darling, Clementine (gekürzt auch bloß „Clementine“) ist eine Western-Music-Ballade, deren Herkunft und Urheberschaft nicht gesichert scheint.
Inhalt5 Abschnitte
Kern des Liedes
„Oh My Darling, Clementine“, oft kurz „Clementine“ genannt, ist eine Western-Music-Ballade und ein Volkslied. Es wurde weltweit vielfach aufgenommen, umgearbeitet und in Filmen, Fernsehen, Literatur, Spielen und anderen Medien verwendet. Seine Herkunft und Urheberschaft gelten nicht als gesichert.
Der Inhalt ist trotz verschiedener Textfassungen im Kern gleich: Erzählt wird von Clementine, der Tochter eines „Miner Forty-Niner“, also eines Goldgräbers aus der Zeit des kalifornischen Goldrauschs, und von ihrem Tod durch Ertrinken. Clementine führt täglich Pferde zum Wasser. Eines Tages stößt sie sich den Fuß, fällt in rauschendes Salzwasser („fell into foaming brine“) und wird nicht gerettet, weil der Sänger nicht schwimmen kann: „But alas, I was no swimmer / So I lost my Clementine“.
Herkunft und frühe Geschichte
Wann und von wem die Ballade genau stammt, ist unklar. Ein Werbeplakat von 1883 nennt Barker Bradford als Komponisten und Liedtexter von „Clementine“. Als möglicher Urheber wird aber auch Percy Montrose genannt.
Gesichert ist, dass die erste Version, die die Billboard-Charts erreichte, von Bing Crosby stammte. Er nahm sie am 14. Juni 1941 auf.
Der britische Schriftsteller und Hispanist Gerald Brenan (1894–1987) behauptete in seinem Buch „South from Granada“, die Melodie gehe auf eine alte spanische Ballade zurück. Diese sei durch mexikanische Bergleute während des kalifornischen Goldrauschs populär geworden. Brenan verbindet die Melodie mit „Romance del Conde Olinos o Niño“, einer traurigen Liebesgeschichte, die in spanischsprachigen Kulturen bekannt sei.
2010 wählten Mitglieder der Western Writers of America das Lied zu einem der „Top 100 Western-Songs aller Zeiten“.
Wichtige Versionen
Im Laufe der Jahre entstanden zahlreiche Aufnahmen und Varianten des Songs. Einige Fassungen verändern den Ton oder den Inhalt deutlich.
Eine Version von Percy Montross endet ironisch und absurd mit der Zeile: „Though in life I used to hug her, now she's dead—I'll draw the line“. Bobby Darin nahm eine Version auf, die dem US-amerikanischen Songwriter Woody Harris (1911–1985) zugeschrieben wird. Darin wird Clementine als 299 Pfund schwere Frau neu interpretiert. Nachdem sie ins Wasser gefallen ist, vermutet der Erzähler, sie habe sich in einen Wal verwandelt, und ruft Seeleuten zu, nach ihr Ausschau zu halten.
Jan and Dean veröffentlichten im November 1959 eine Version von „Clementine“, die Platz 65 der Billboard Hot 100 erreichte. Tom Lehrer nahm auf seinem Live-Album „An Evening Wasted with Tom Lehrer“ mehrere Stilvariationen auf: die erste Strophe im Stil von Cole Porter, die zweite in einem klassischen Stil, die dritte im Bebop-Sound und die letzte im Stil von Gilbert and Sullivan.
Weitere Interpretinnen und Interpreten oder Bearbeitungen sind unter anderem Jack Narz, Connie Francis, Ronny, Freddy Quinn, Jonny Hill, Westlife sowie Neil Young und Crazy Horse. Ronny veröffentlichte 1963 eine deutschsprachige Coverversion mit dem Titel „Oh My Darling Caroline“, die 1964 Platz 1 der deutschen Hitparade erreichte. Elliott Smith ließ sich bei den Songs „Clementine“ und „Sweet Adeline“ von dem Lied inspirieren.
Verwendung in Film und Fernsehen
Das Lied wurde häufig in Film und Fernsehen eingesetzt. Im Film „My Darling Clementine“ von 1946 wird es im Vorspann und als Hintergrundmusik verwendet. Im MGM-Kurzfilm „Magical Maestro“ von 1952 singt die Figur Butch den Refrain, nachdem sie in einen Country-Sänger verwandelt wurde. In dem indischen Film „C.I.D.“ von 1956 wurde die Melodie für das Lied „Yeh Hai Bombay Meri Jaan“ genutzt. Weitere Hinweise oder kurze Verwendungen gibt es unter anderem in „Wolfsblut 2 - Das Geheimnis des weißen Wolfs“ von 1994 und in „Vergiss mein nicht!“ von 2004, wo der Name Clementine und der Refrain eine Rolle spielen.
Im Fernsehen erscheint das Lied in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen. In der Manga-Serie „Banana Fish“ von Akimi Yoshida wird es von Militärsoldaten gesungen. 1992 sang Peter Brooke, Staatssekretär für Nordirland, „Darlin’ Clementine“ in einer Late-Night-Show im irischen Fernsehen; wenige Stunden zuvor waren beim Anschlag von Teebane 1992 acht Menschen getötet worden, darunter sieben Zivilisten. Brooke wurde kurz darauf zum Rücktritt gezwungen.
Auch in „Columbo“, „Outlander“, „MAS*H“, „Star Trek: Raumschiff Voyager“ und der koreanischen Netflixserie „It’s Okay to Not Be Okay“ kommt das Lied vor. Eine veränderte Wiedergabe von „Darling Clementine“ dient als Erkennungsmelodie von Huckleberry Hound und endet oft mit „Oh my darling, what’s her name“.
Melodie und weitere Rezeption
Die Melodie von „Oh My Darling, Clementine“ wurde in anderen Liedern übernommen oder diente als Inspiration. Genannt werden „Xīnnián Hǎo“, ein chinesisches Neujahrslied, „Dip the Apple in the Honey“, ein jüdisches Neujahrslied, „Swagger Jagger“ von Cher Lloyd und „There are 7 Days in a Week“ von Barney.
Auch außerhalb der Musik taucht das Lied als kultureller Bezug auf. In George Orwells Roman „Farm der Tiere“ von 1945 wird die Melodie der Hymne „Beasts of England“ als Kombination aus „La Cucaracha“ und „Oh My Darling, Clementine“ beschrieben. Der 1946 im Los Alamos National Laboratory gebaute, mit Plutonium betriebene Forschungsreaktor „Clementine“ wurde nach dem Lied benannt, weil „49“ als Codewort für Plutonium verwendet wurde. Auch die NASA-Sonde „Clementine“ trägt diesen Namen.
In der Popkultur wurde die Melodie außerdem als Titelmusik des Videospiels „Miner 2049er“ von 1982 verwendet. Der vom ZDF für die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 genutzte Song „Carnaval de Paris“ von Dario G. zitiert die Melodie. In den Videospielen „The Walking Dead: The Final Season“ und „Red Dead Redemption 2“ erscheint das Lied ebenfalls, teils gesungen oder auf einem Instrument gespielt.