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Native Instruments
Native Instruments (Kurzbezeichnung: „NI“) ist ein 1996 in Berlin gegründetes Unternehmen, das Produkte für die computerbasierte Musikproduktion herstellt, …
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Unternehmen und Bedeutung
Native Instruments, kurz „NI“, ist ein am 3. Mai 1996 in Berlin gegründetes Unternehmen. Es stellt Computerhardware und Software für die computerbasierte Musikproduktion her, vor allem Software-Instrumente. Der Schwerpunkt liegt auf elektronischer Musik und DJing. Native Instruments ist als GmbH organisiert, beschäftigt laut Artikel 400 Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz in Berlin. Niederlassungen beziehungsweise Standorte werden in Los Angeles, Paris, London, Shenzhen, Montreal und Tokyo genannt; in der Unternehmensübersicht erscheinen außerdem Los Angeles, Tokyo, London, Paris und Shenzhen. Als Leitung werden Nick Williams (CEO) und Thomas Kurth (COO) angegeben.
Von Generator zu digitalen Instrumenten
Die Gründung geht auf den Ingenieur und Musiker Stephan Schmitt zurück. 1994 entwickelte er gemeinsam mit dem Programmierer Volker Hinz in Berlin-Kreuzberg die Idee, die Rechenarbeit eines fest verdrahteten Synthesizers von einem Personal Computer übernehmen zu lassen. Das Ergebnis war Generator, der erste modulare Synthesizer auf Softwarebasis. Die Software lief unter Windows auf damals üblichen Pentium-Computern. Auf der internationalen Musikmesse Frankfurt 1996 war Generator eine technische Neuheit, weil er Klänge in Echtzeit, also ohne merkliche Verzögerung, berechnen und wiedergeben konnte. Die Resonanz führte zur Entstehung von Native Instruments als zunächst vierköpfigem Team.
Aus dem Generator-Konzept entwickelte Schmitt später Reaktor. Dieses vielseitige Software-Instrument vereint Funktionen eines Synthesizers, Samplers, Sequenzers und Effektgeräts.
Ein wichtiges Beispiel für die technische Arbeitsweise von NI ist B4. Der Ingenieur Michael Kurz analysierte ab 2001 die Hammond-Orgel B3 mit ihrem rotierenden Leslie-Lautsprecherset. Mithilfe von Mikrofonie und Messtechnik modellierte er die Elektromechanik im Computer. Die 2002 veröffentlichte B4 verwendet keine Klang-Samples, sondern ausschließlich mathematische Algorithmen. Damit zeigte sie, dass sich auch ein komplexes elektrisches Instrument ohne Samples und mit schlanker Programmierung als Software nachbilden lässt. Zu ähnlichen mathematischen Emulationen gehörten Synthesizer wie der Yamaha DX7 sowie Gitarrenracks und -verstärker, etwa von Marshall.
Parallel entwickelte der Physiker Friedemann Becker eine Software, die zwei unterschiedlich schnelle Musiktitel taktsynchron überblenden konnte. Daraus entstand Traktor, ein DJ-Programm zum direkten Live-Mischen am Notebook, vergleichbar mit dem Arbeiten mit Schallplattendecks. Später wurde diese Technik auch auf Smartphones und Tablet-Computer übertragen. Ende der 1990er Jahre programmierte der Musiker Brian Clevinger den dreioszillatorigen Software-Synthesizer Absynth; Native Instruments vermarktet ihn seit 2001.
Erweiterung des Angebots und Unternehmensentwicklung
Native Instruments entwickelte sich zu einem Anbieter einer breiten Palette digitaler Audio-Werkzeuge. Dazu zählen Synthesizer wie FM8, Massive, Pro-53 und Absynth, Sampler wie Kontakt und Battery sowie Effektprozessoren wie Vokator und Spektral Delay. Weitere wichtige Produkte sind das DJ-Programm Traktor, die Gitarrenverstärker-Emulation Guitar Rig und das Host-System Kore zur Verwaltung von Software-Instrumenten und Effekten.
Das Angebot wurde zunehmend um Hardware ergänzt. 2006 erschien mit Audio Kontrol 1 das erste reine Hardware-Produkt, ein Audio-Interface. Seit 2009 gibt es den Groove-Controller Maschine. Außerdem bietet NI MIDI-Controller zur Steuerung von DJ-Software und seit 2014 passende MIDI-Keyboards der Reihe Kontrol S## an. Viele moderne Sample-Libraries verwenden NI-Produkte wie KOMPAKT, INTAKT oder den Kontakt Player, damit auch komplexe Klangprogrammierungen für Nutzer zugänglich werden.
2018 startete NI die Online-Plattform Sounds.com, über die Loops, Samples und Sound-Packs verschiedener Stilrichtungen angeboten wurden. Mitte 2023 wurde die Plattform kurzfristig eingestellt.
Zwischen 2019 und 2020 kam es zu Entlassungen und einer Umstrukturierung. 2020 traten der Mitbegründer und CEO Daniel Haver sowie der damalige Chief Innovation Officer und Präsident Mate Galić zurück. Galić war 2009 als Chief Technical Officer zu NI gekommen. 2021 übernahm die Private-Equity-Firma Francisco Partners die Mehrheitsbeteiligung. Anschließend kaufte NI weitere Musiksoftware-Marken, darunter iZotope, bekannt für Ozone und RX, sowie Brainworx und Plugin Alliance. Das Unternehmen trat zunächst unter „Soundwide“ auf, kehrte aber Mitte 2023 zu „Native Instruments“ als gemeinsamem Markennamen zurück, weil „Soundwide“ keine große Bekanntheit erlangt hatte. Im Januar 2026 beantragte Native Instruments die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Im Mai 2026 wurde der Kauf durch inMusic bekannt gegeben.
Produkte und typische Einsatzbereiche
Zu den ausgewählten Software-Instrumenten und Effekten gehören:
- Absynth 6, ein Software-Synthesizer; der Verkauf von Version 5 war zeitweise ausgesetzt.
- Battery 4, ein Werkzeug für Schlagzeug-Sampling.
- FM8, ein durch Frequenzmodulation arbeitender Software-Synthesizer, der an den Yamaha DX7 angelehnt ist.
- Kontakt 7, ein Sampler mit Instrumentenbibliotheken, darunter Alicia's Keys, Bläser und Streicher wie Session Strings, Schlagzeuge wie Abbey Road Drums und Studio Drummer sowie Orgeln wie die Hammond-Emulation B4. Ebenfalls genannt wird The Giant, David Klavins’ vertikales Riesenklavier.
- Massive, ein universeller Software-Synthesizer.
- Reaktor mit enthaltenen oder zukaufbaren Instrumenten, etwa dem monophonen Synthesizer Monark und Steam Pipe zur Simulation von Zupf- und Blasinstrumenten.
- Effekte wie The Mouth, The Finger und Flesh, die vom Bristoler DJ Tim Exile entwickelt wurden.
- Guitar Rig 5, eine Emulation von Gitarrenverstärkern.
- Traktor, DJ-Software, die auch für iPad und iPhone verfügbar ist.
Zur Audio-Hardware gehören extern an ein Notebook anschließbare Soundkarten wie die Komplete Audio 6, DJ-Controller der Reihe Traktor Kontrol und Pad-Controller wie Maschine. Maschine kombiniert einen Controller mit einem softwarebasierten Sampler und Sequenzer zum Erstellen und Live-Spielen von Beats und Grooves; sie ist auch als iPhone-App verfügbar.
Zu den ehemaligen Produkten zählen unter anderem Bandstand, die in Vintage Organs integrierten Tasteninstrumente wie Elektrik Piano sowie Kompakt und Intakt. Der Effekt Vokator wird ebenfalls nicht mehr vertrieben.