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Mineralölunternehmen

Mineralölunternehmen (auch Mineralölgesellschaften oder Ölkonzerne oder Erdölindustrie) sind internationale oder nationale, teils börsennotierte Konzerne, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Aufbau
  2. 2. Technologien und Verarbeitung
  3. 3. Entstehung und Entwicklung des Ölhandels
  4. 4. Wirtschaftliche Bedeutung und Unternehmen
  5. 5. Geopolitik, Umwelt und Kontroversen

Definition und Aufbau

Mineralölunternehmen, auch Mineralölgesellschaften, Ölkonzerne oder Erdölindustrie genannt, sind nationale oder internationale, teilweise börsennotierte Konzerne. Sie suchen und fördern Rohöl, verarbeiten es in Raffinerien oder petrochemischen Anlagen und vertreiben Mineralöl, besonders Kraftstoffe, sowie weitere Erdölprodukte. Da sie auch Erdgas fördern und vermarkten, spricht man ebenfalls von der Erdöl- und Erdgasindustrie (Oil & Gas Industry, O&G). Der Begriff kann sowohl die gesamte Industrie als auch einen Teilbereich der Petrochemie bezeichnen.

Die moderne Erdölindustrie gliedert sich in drei Bereiche:

  • Upstream beziehungsweise Produktion und Gewinnung: Exploration und Förderung (E&P) von Erdöl und Erdgas.
  • Midstream: Lagerung und Transport von den Fördergebieten zu petrochemischen Anlagen und Raffinerien. Genutzt werden Pipelines, Tanker, Binnenschiffe, Lastkraftwagen und die Bahn.
  • Downstream: Raffination, Verarbeitung und Vermarktung von Erdölprodukten wie Benzin, Diesel, Kerosin, Flüssiggas und Schmierstoffen sowie von Petrochemikalien und Basischemikalien.

Midstream wird teilweise gemeinsam mit Downstream betrachtet; die Vermarktung heißt auch „Marketing“. Spezialunternehmen arbeiten nur in einzelnen Bereichen, während vollintegrierte Unternehmen wie Shell oder BP in allen drei Bereichen tätig sind. Weitere Vertragspartner und Zulieferer kommen etwa aus Erdöl- und Erdgastechnik, Anlagenbau und chemischer Verfahrenstechnik. Für den Rohstoffhandel sind unter anderem Glencore, Vitol und Gunvor bedeutend.

Technologien und Verarbeitung

Die Exploration und Förderung stützt sich auf Geophysik, Geochemie, Geologie, Bergbau beziehungsweise Untertagebau sowie Erdöl- und Erdgastechnik. Diese Technik befasst sich mit dem Auffinden und Fördern von Kohlenwasserstoffen. Zusätzlich werden Erdöl- und Erdgasreservoirs modelliert und simuliert.

In Raffinerien wird Rohöl durch verschiedene Verfahren in nutzbare Produkte umgewandelt. Dazu gehören extraktive Trennverfahren wie fraktionierte Destillation und Vakuumdestillation. Thermische und katalytische Umwandlungen sind unter anderem Cracken, Reformierung, Alkylierung und Isomerisierung. Beim Cracken entstehen aus größeren Molekülen kleinere; bei der Reformierung werden aromatische Kohlenwasserstoffe und hochoktaniges Reformat erzeugt. Bei der Alkylierung wird Isobuten mit Olefinen zu hochoktanigem Alkylat verbunden. Bei der Isomerisierung wird n-Butan zu Isobutan umgewandelt.

Weitere Verfahren sind die Stabilisierung zur Entgasung von Schwerölrückständen, die Hydrierung zur Entfernung von Schwefel, Stickstoff und anderen Verunreinigungen sowie die Dehydrierung zur Bildung von Olefinen. Die Produkte dienen als Kraftstoffe und als petrochemische Grundstoffe. Diese sind Ausgangsprodukte der chemischen Industrie, aus denen unter anderem Kunststoffe, Chemikalien und weitere Erzeugnisse hergestellt werden. Modellierung, Simulation und chemische Prozesstechnik sind wichtig, weil unterschiedliche Rohölsorten verarbeitet und standardisierte Produkte wie Dieselkraftstoff hergestellt werden müssen.

Entstehung und Entwicklung des Ölhandels

Die weltweit erste Ölbohrung fand 1846 in Bibi-Heybat bei Baku statt. In den USA bohrte Edwin Drake 1859 in Titusville erstmals aus kommerziellem Interesse nach Öl; Georg Hunaeus entdeckte 1858 in Wietze das erste Öl in Deutschland. Die Entdeckung der großen Quelle Spindletop bei Beaumont, Texas, durch Bohrungen von Anthony Francis Lucas nach der Ölsuche von Pattillo Higgins führte 1901 zu einem entscheidenden Ölboom und zum Beginn des „Ölzeitalters“. Zunächst war Petroleum als Lampenöl wichtiger als Benzin, Diesel und Schmierstoffe.

Ab 1863 baute die Standard Oil Company ihre beherrschende Stellung auf. 1895 führte sie für den US-Binnenmarkt einen „Posted Price“ ein, also einen von Standard Oil festgelegten Mindestankaufpreis für Rohöl. 1911 wurde das Monopol nach dem Sherman Antitrust Act gebrochen; Standard Oil wurde in 43 Unternehmen aufgespalten. Zuvor kontrollierte es 90 % der US-Pipelines, 85 % der Raffineriekapazitäten und des Marketings sowie rund 11 % der Produktion. Der Supreme Court verurteilte das Unternehmen wegen Monopolisierung durch missbräuchliche und wettbewerbswidrige Handlungen.

Nach dem Achnacarry-Abkommen von 1928 prägten die „Sieben Schwestern“ als Kartell großer Ölkonzerne über Jahrzehnte den Weltmarkt. In den 1960er Jahren wurden außerdem die OPEC (1960) und die OAPEC (1968) gegründet. Die OPEC beeinflusst den Weltmarkt durch Produktionsquoten. Ihre Mitgliedstaaten, einschließlich der VAE, besitzen rund 80 % der weltweit nachgewiesenen Ölvorkommen und produzieren rund 40 % des weltweiten Rohöls.

Die Ölkrisen der 1970er Jahre ließen den Preis stark steigen: Der von der OPEC angegebene Preis vervierfachte sich von etwa 3 US-Dollar auf rund 12 USD pro Barrel bis 1974. 1971 entstanden die Tehran-Vereinbarungen zwischen 23 großen Erdölunternehmen und fünf OPEC-Staaten. Anfang der 1980er Jahre führte ein Ölüberschuss durch Produktionszuwächse außerhalb der OPEC zu Kürzungen der OPEC. Beim Öl-Gegenschock von 1986 kollabierten die Preise auf etwa 12 USD pro Barrel. Danach setzte sich weltweit ein marktorientiertes Preisformelsystem durch, das Verkäufe an Spot- oder Futures-Preise von Referenzsorten wie Brent, Dubai oder WTI bindet.

Seit Anfang der 1980er Jahre ermöglichen WTI-Futures an der NYMEX die Absicherung gegen Preisschwankungen. Der physikalische Markt handelt echtes Öl, etwa Spot-Lieferungen auf Tankern zu Raffinerien; der elektronische Markt handelt Futures über künftige Lieferungen. Dated Brent, ein Korb aus sechs Referenzölen, bildet den kurzfristigen Spotpreis ab, während Brent-Futures Erwartungen über zukünftige Preise widerspiegeln. Bei ausreichender Lagerkapazität und normalen Lagerkosten kann Contango auftreten (Spot < Futures), bei Angebotsknappheit Backwardation (Spot > Futures). Wichtige Handelsplätze sind unter anderem ICE Futures in London und die NYMEX in New York City. Preisagenturen wie S&P Global Commodity Insights, ehemals Platts, unterstützen die Preisfindung.

Cushing in Oklahoma ist seit den 1980er Jahren der wichtigste Lieferort für Rohöl in Nordamerika. Die dortigen Tanklager haben Stand 2024 eine Kapazität von rund 98 Mio. Barrel. Der Preis der WTI-Futures bezieht sich auf leichtes, schwefelarmes Rohöl in Cushing. Die USA waren 2025 mit rund 21 % von weltweit 105 Mio. Barrel pro Tag der größte Erdölproduzent, vor Saudi-Arabien, Russland und Kanada. Ein seit 1975 bestehendes Exportverbot für US-Öl wurde Ende 2015 aufgehoben.

Wirtschaftliche Bedeutung und Unternehmen

Erdöl ist ein zentraler Rohstoff für die Chemieindustrie, den Transport und die Wärmeerzeugung. 2012 wurden weltweit etwa 85 Mio. Barrel pro Tag verbraucht. 2024 förderten die EU-Länder rund 15,5 Mio. t Rohöl; das entsprach 3,6 % ihrer gesamten Importe. Die Erdölindustrie wird wegen dieser Bedeutung als größter Wirtschaftszweig der Welt bezeichnet.

2024 wurden weltweit rund 45,1 × 10^{8} Tonnen Rohöl und 4,39 × 10^{12} m³ Erdgas produziert. Der globale Öl-und-Gas-Markt wurde 2024 auf 6,1 Billionen US-Dollar geschätzt und 2025 auf 6,3 Billionen USD; für 2034 werden rund 8,8 Billionen USD erwartet. 2025 wurden täglich etwa 106,4 Mio. Barrel flüssige Brennstoffe produziert, davon 29,3 Mio. durch OPEC-Länder und 77,1 Mio. durch Nicht-OPEC-Länder. Der Verbrauch lag bei rund 104 Mio. Barrel pro Tag. Eine Untersuchung von 2022 bezifferte die Gewinne der globalen Erdöl- und Gasindustrie von 1970 bis 2020 auf 52 Billionen US-Dollar; 86 % davon stammten aus dem Erdölsektor.

Zu den großen internationalen börsennotierten Konzernen gehörten 2022 unter anderem ExxonMobil (Umsatz 413,7 Mrd. USD, Gewinn 55,7 Mrd. USD, Förderung 3,737 Mio. boe pro Tag, Reserven 17,7 Mrd. boe), Shell (386,2; 42,3; 2,864; 9,6), BP (248,9; 1,36; 2,438; 7,2), Chevron (246,3; 35,5; 2,999; 11,2), TotalEnergies (281; 21; 2,765; 10,2), ConocoPhillips (78,5; 18,7; 1,738; 6,6) und Eni (132,5; 13,9; 1,610; 6,6). Die Angaben stammen aus den Geschäftsberichten; für TotalEnergies und Eni wurde beim Umsatz der Umrechnungskurs 1,2888 verwendet.

Staatlich kontrollierte Unternehmen spielen eine zunehmende Rolle. Beispiele sind Saudi Aramco mit 10,3 Mio. Barrel pro Tag, CNPC mit 3,5 Mio., PEMEX mit 3,7 Mio., Petróleos de Venezuela mit 3,3 Mio., KPC mit 2,5 Mio., NNPC mit 2,3 Mio., Petrobras mit 2,0 Mio., Lukoil mit 1,9 Mio. und Rosneft mit 1,7 Mio. Saudi Aramco gilt mit 10,3 Millionen boe täglich als größtes Erdölunternehmen der Welt. Der Anteil westlicher Großunternehmen wie ExxonMobil, Shell, BP, Chevron, TotalEnergies und ConocoPhillips an der weltweiten Förderung beträgt dagegen rund 15 %.

Die OPEC-Produktion 2025 betrug pro Tag: Saudi-Arabien 11,19 Mio. Barrel, Iran 4,71 Mio., VAE 4,6 Mio., Irak 4,47 Mio., Kuwait 2,78 Mio., Nigeria 1,68 Mio., Algerien 1,4 Mio., Libyen 1,38 Mio., Venezuela 1,01 Mio., Republik Kongo 249,03 Tsd., Gabun 239,01 Tsd. und Äquatorialguinea 84,39 Tsd. Der Austritt der VAE wurde Ende April 2026 bekanntgegeben.

In Deutschland zählen unter anderem die frühere DEA, deren Anteile 2002 an Shell sowie Wintershall Dea übergingen, und ARAL, heute Teil von BP Germany, zu den Mineralölunternehmen. Fach- und Interessenorganisationen sind beispielsweise API, BGR, BVEG, DGMK, CEFIC, FuelsEurope, IFP, Energy Institute, SPE, SPEE, VCI und en2x.

Geopolitik, Umwelt und Kontroversen

Da große Erdölvorkommen häufig nicht in den Abnehmerstaaten liegen, beeinflusst die Erdölindustrie Handelswege, Verträge, Preise, Außenpolitik und Großmachtpolitik. Historische Beispiele sind die Abadan-Krise sowie der Erste und Zweite Golfkrieg. Ein modernes Großprojekt ist die 2007 gestartete Fujian Refining and Petrochemical Company: Saudi Aramco und ExxonMobil halten jeweils 25 %, die Fujian Petrochemical Company 50 %. Der Komplex umfasst unter anderem einen Ethylen-Steamcracker mit 1,1 Mio. t Jahreskapazität, eine Polyethylen-Anlage mit 900.000 t, eine Polypropylen-Anlage mit 670.000 t und einen Aromatenkomplex. Ein weiteres Joint Venture zwischen Fujian Energy Petrochemical und Sabic aus dem Jahr 2024 soll 2030 in Betrieb gehen.

Venezuela besitzt die weltweit größten nachgewiesenen Erdölvorkommen, trägt aber nur etwa 1 % zur weltweiten Ölversorgung bei. Die Förderung sank von rund drei Millionen auf eine Million Barrel pro Tag. Präsident Hugo Chávez verstaatlichte ab 1999 schrittweise die Erdölwirtschaft und Förderrechte; US-Unternehmen wie ExxonMobil und ConocoPhillips verließen das Land größtenteils und klagten 2007. Chevron blieb mit reduzierten Aktivitäten. Venezolanisches, „saures“ und schweres Rohöl wird unter anderem in der Raffinerie Paraguaná und in US-Raffinerien der zu PDVSA gehörenden Citgo verarbeitet. 2026 verarbeitete Citgo erstmals seit 2019 wieder venezolanisches Erdöl in den USA. Ein 2026 verkündetes Abkommen zwischen den USA und Venezuela betraf die Mehrheitskontrolle über 65 Milliarden Barrel Reserven; insgesamt werden Venezuelas Reserven auf rund 304 Milliarden Barrel geschätzt.

Im russisch-ukrainischen Krieg wurden Anlagen der Erdöl- und Erdgasbranche zu militärischen Zielen. Im September 2022 gab es Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines; 2026 griffen ukrainische Langstrecken-Drohnen russische Raffinerien, etwa in Tuapse, an. Im Irankrieg 2026 wurden Anlagen und Speicher in den VAE und Saudi-Arabien beschädigt. Saudi-Aramco musste die Raffinerie Ra's Tanura für Reparaturen stilllegen, kündigte aber die Wiederaufnahme an. Der Rohölpreis stieg auf über 100 USD pro Barrel. Nach der Schließung der Straße von Hormus durch den Iran und anschließend durch US-Streitkräfte veranlasste die Internationale Energieagentur die Freigabe von Rekordmengen Rohöl. Für PCK Schwedt entfielen 2026 möglicherweise rund 20 % der Zufuhr, nachdem Russland kein kasachisches Rohöl mehr durch die Druschba-Pipeline leiten wollte.

Die Förderung birgt ungelöste Umweltprobleme und Risiken für Menschen und Natur. Als Beispiel gilt der Blowout der Plattform Deepwater Horizon im Jahr 2010. Exxon erforschte bereits ab Ende der 1970er Jahre mit Modellrechnungen die Klimafolgen fossiler Brennstoffe. Interne Ergebnisse lagen seit 1977 vor; in Memos der frühen 1980er Jahre wurde von „katastrophalen Effekten“ gesprochen. Öffentlich bestritt oder relativierte das Unternehmen die Klimawissenschaft jedoch jahrzehntelang. Erst 2014 veröffentlichte ExxonMobil einen Bericht, in dem der Klimawandel ausdrücklich erwähnt wurde. Zahlreiche Gerichtsverfahren in den USA dauern an.

Weitere Kontroversen betreffen die mögliche Behinderung von Straßenbahnen in den USA seit den 1930er Jahren und die Marktreife früher Elektrofahrzeuge Mitte der 1990er Jahre, unter anderem durch den Ankauf von Batterietechnologie-Patenten durch Chevron beziehungsweise Texaco und Cobasys im Zusammenhang mit dem General Motors EV1. Die damalige NiMH-Technologie wurde durch Lithium-Ionen-Batterien ersetzt. António Guterres bezeichnete die Geschäftsmodelle der Ölindustrie 2023 als „unvereinbar mit dem Überleben der Menschheit“; einige Rechtswissenschaftler schlagen Anklagen wegen Mordes vor. Eine Studie von 2025 kam zu dem Ergebnis, dass das oberste 1 % die Hälfte der Gewinne aus fossiler Förderung und Verarbeitung erhält, während die untere Hälfte der Beschäftigten und Shareholder 1 % der Gewinne erlangt. Der Einfluss der Industrie beruht außerdem auf der Abhängigkeit industrialisierter Staaten vom Erdöl und einer starken Lobby, die von NGOs häufig kritisiert wird.

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