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Mineralöl

Mineralöle sind komplexe Gemische aus Kohlenwasserstoffen, die hauptsächlich aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl (Rohöl), Kohle oder Erdgas gewonnen werden.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Gewinnungswege
  3. 3. Kohlechemische Herstellung
  4. 4. Petrochemie und weitere Rohstoffquellen
  5. 5. Produkte, Nutzung und Gefahren

Begriff und Bedeutung

Mineralöle sind komplexe Gemische aus tausenden Kohlenwasserstoffen. Sie werden überwiegend aus fossilen Rohstoffen gewonnen: aus Erdöl (Rohöl), Erdgas oder Kohle. Chemisch bestehen sie fast vollständig aus Kohlenstoff mit etwa 83–87 % und Wasserstoff mit etwa 11–15 %.

Sie sind wichtige Ausgangsstoffe für Energieträger, Schmieröle, Kunststoffe, Textilien, Farben, Kosmetika und pharmazeutische Produkte. Anders als pflanzliche Öle sind Mineralöle nicht biologisch abbaubar. Genau genommen ist nicht das geförderte Erdöl selbst Mineralöl, sondern das daraus durch Verarbeitung raffinierte Produkt; im Alltag werden beide Begriffe jedoch oft gleich verwendet.

Gewinnungswege

Die zwei wichtigsten Wege unterscheiden sich vor allem durch ihren Ausgangsrohstoff und ihre Methode. Die Petrochemie verarbeitet Erdöl und Erdgas vor allem durch Trennen und Veredeln. Die Kohlechemie oder Carbochemie nutzt Stein- oder Braunkohle und wandelt einen festen Stoff mit aufwendigen Synthesen in flüssige Produkte um.

Heute sind beide Bereiche technologisch eng verbunden. Stoffe wie Teerfarben oder Benzol, die früher überwiegend aus Kohle kamen, werden heute fast nur noch aus Erdöl hergestellt. Die Petrochemie hat die Kohlechemie weitgehend verdrängt, weil Erdöl leichter transportiert und chemisch einfacher verarbeitet werden kann. Staaten mit großen Kohlevorkommen und wenig Erdöl, etwa China oder Südafrika, nutzen die Kohlechemie weiterhin, um weniger von Ölimporten abhängig zu sein.

Kohlechemische Herstellung

Bei der Kohleverflüssigung, englisch Coal-to-Liquid (CtL), werden Braun- oder Steinkohle zu carbochemischen Mineralölen verarbeitet. Verfahren wie die Fischer-Tropsch-Synthese erzeugen daraus synthetische Kraftstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin sowie chemische Grundstoffe. Das Verfahren ist aufwendig und wird vor allem zur Autarkie, also zur unabhängigen Versorgung, oder bei hohen Ölpreisen eingesetzt.

Synthetische Kraftstoffe aus diesem Weg enthalten viele gesättigte Kohlenwasserstoffe und keine Aromaten. Deshalb verbrennen sie nach dem Artikel sehr sauber sowie geruchlos, ruß- und schwefelfrei.

China nutzt jährlich etwa 380 Millionen Tonnen Kohle als Rohstoff für chemische und flüssige Stoffe. Das entspricht rund 10 % seines gesamten Kohleverbrauchs; etwa 25 % seines Energiebedarfs deckt das Land mit Kohle. Die CtL-Anlage in Ningxia produziert seit 2021 jährlich 4,05 Millionen Tonnen synthetische Produkte. Für 2026 werden in China etwa 18 CtL-Anlagen und weitere 21 Vorhaben in Entwicklung genannt. Südafrika deckt etwa 30 % seines Bedarfs an flüssigen Produkten, besonders Benzin und Diesel, durch Kohleverflüssigung. Der von Sasol betriebene Komplex in Secunda gilt bei Technologie und Kapazität als führender Einzelkomplex.

Petrochemie und weitere Rohstoffquellen

Bei der petrochemischen Herstellung wird Rohöl in einer Raffinerie erhitzt. In der atmosphärischen Destillation werden Bestandteile nach ihren Siedepunkten in Fraktionen, also Stoffgruppen, getrennt; dazu gehören Benzin, Kerosin und Diesel. Schwere Rückstände werden anschließend in einer Vakuumdestillation bei niedrigerem Druck weiter aufgetrennt, um empfindliche Schmieröle zu gewinnen. Reinigungsschritte entfernen beispielsweise Schwefel oder Wachse.

2024 gab es weltweit rund 600 aktive Raffinerien. Die Jamnagar-Raffinerie in Indien gilt als größte Raffinerie der Welt. Deutschland hatte 2026 zwölf aktive Raffinerien, darunter die MiRO in Karlsruhe; keine befand sich mehr in deutscher Hand, und Anzahl sowie Auslastung gingen rasch zurück. Österreich betreibt die Raffinerie Schwechat, die Schweiz als letzte Produktionsstätte Cressier. Die USA waren mit jährlich über 800 Millionen Tonnen größter Produzent; China lag seit 2026 mit über 300 Millionen Tonnen petrochemischer Erzeugnisse an zweiter Stelle.

Auch Ölsande und Ölschiefer werden der Petrochemie zugeordnet. Ölsand besteht aus Sand, Wasser und zähflüssigem Bitumen, Ölschiefer ist ein feinkörniges Sedimentgestein mit festem Kerogen. Ölsand wird fast nur in Kanada verarbeitet, Ölschiefer vor allem in Estland, China und in geringem Umfang in Brasilien. Torf wird heute nicht mehr industriell zu Mineralöl verarbeitet, weil dies wirtschaftlich unrentabel ist.

Produkte, Nutzung und Gefahren

Mineralöle liefern Energieträger und technische Stoffe wie Benzin, Diesel, Kerosin, Schiffsdiesel, Heizöl und Motoröl. Aus ihnen entstehen außerdem Kunststoffe, Verpackungen, PVC-Bodenbeläge, Fleece-Kleidung, Matratzen, Kerzen aus Paraffin sowie Bitumen für Asphalt und Abdichtungen. In der chemischen Industrie dienen sie unter anderem zur Herstellung von Lacken, Farben, Lösungsmitteln, Reinigungs- und Frostschutzmitteln. Hochgereinigte medizinische Weißöle werden als Hilfsstoffe etwa in Salben, Kapselhüllen, Hustensaft und Abführmitteln verwendet; synthetische Bausteine werden für Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen eingesetzt. In Kosmetika können Mineralöle als Paraffinum Liquidum oder Petrolatum enthalten sein.

Mineralöle sind brennbar. Bei Erhitzung oder Ölnebeln kann Explosionsgefahr bestehen; Leckagen an heißen Maschinen können Brände auslösen. Schon kleine Mengen können Gewässer und Grundwasser langfristig schädigen, weil sie schwer biologisch abbaubar sind.

Häufiger Hautkontakt kann Hautreizungen, Entzündungen wie Ölakne oder chronische Ekzeme verursachen. Nicht oder nur schwach raffinierte Öle stehen besonders bei lang dauernder Hautwirkung im Verdacht, krebserzeugend zu sein. Eingeatmete ölhaltige Nebel oder Aerosole können Atemwegserkrankungen hervorrufen; beim Verschlucken kann ein Eindringen in die Atemwege schwere Folgen haben. In Lebensmitteln und Kosmetika sind aromatische Mineralölverbindungen (MOAH) relevant: Sie gelten als potenziell krebserregend und erbgutverändernd. Gesättigte Mineralöle (MOSH) können sich im menschlichen Gewebe anreichern. Verunreinigte Lebensmittel sind die Hauptquelle; Mineralöl in Kosmetika wird nach aktuellem Stand als weniger bedenklich bewertet.

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