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Mindmap

Ideensammlung und Brainstorming · Sachtexte strukturieren · Vortrag entwerfen · Protokoll · Planung und Organisation · Lernen, Prüfungsvorbereitung.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Aufbau
  2. 2. Erstellen und Lesen
  3. 3. Einsatz beim Arbeiten und Lernen
  4. 4. Genannte Vorteile und ihre Grenzen
  5. 5. Software und digitale Zusammenarbeit
  6. 6. Ähnliche und weiterführende Strukturen

Grundidee und Aufbau

Eine Mindmap (auch Mind-Map, Gedanken- oder Gedächtnislandkarte) ist eine von Tony Buzan geprägte kognitive Technik. Sie dient dazu, ein Themengebiet zu erschließen und visuell darzustellen, Gedanken zu planen oder Mitschriften festzuhalten. Der Prozess, das Themengebiet und die Technik heißen Mindmapping.

Die Methode nutzt Assoziationen: Von einem Gedanken sollen weitere Gedanken ausgehen können. Zugleich soll sie die Fähigkeit des Gehirns zur Kategorienbildung nutzen. Formal besteht eine Mindmap aus einem beschrifteten Baumdiagramm. Zusätzliche Anmerkungen können Inhalte und Prozesse erläutern; Querverbindungen können Zusammenhänge sichtbar machen.

Eine klassische Mindmap wird auf unliniertem Papier angelegt. In der Mitte steht das möglichst genau formulierte zentrale Thema, gegebenenfalls als Bild und in verschiedenen Farben. Davon führen organische Hauptlinien – dick gebogen und dünn auslaufend – zu den Hauptthemen. Diese entsprechen etwa Kapitelüberschriften eines Buches und werden in Großbuchstaben notiert. Auf jeder Linie steht nur ein Schlüsselbegriff; die Linienlänge entspricht der Wortlänge.

Erstellen und Lesen

Von den Hauptästen gehen zunehmend dünnere Zweige für die zweite, dritte und weitere Gedankenebenen aus. Diese Unterkapitel werden mit Kleinbuchstaben notiert. Farben können gleiche Ebenen oder Themen kennzeichnen. Bilder zu Begriffen, 3-D-Hervorhebungen und persönliche Codes sollen Zusammenhänge und Querverbindungen verdeutlichen. Die Gestaltung soll kreativ und humorvoll sein.

Gelesen wird jeder Ast mit seinen Verästelungen vom Mittelpunkt aus. Wann eine Mindmap fertig ist, entscheidet ihr Autor. Theoretisch kann jedes enthaltene Wort der Mittelpunkt einer neuen Mindmap werden, weil die assoziativen Fähigkeiten als unbegrenzt groß gelten.

Im Unterschied zum Brainstorming entsteht die vernetzte Struktur bei einer Mindmap von Anfang an. Beim Brainstorming werden zunächst unsortierte Begriffe gesammelt und anschließend etwa durch Pinnwandmoderation geordnet. Eine Mindmap kann aber auch die sortierte Fassung eines Brainstormings dokumentieren. Die metrische Auswertung des dargestellten Wissens stellt einen Bezug zur Informetrie her, die Wissensbilanzen erstellt.

Einsatz beim Arbeiten und Lernen

Mindmaps können in Schule, Wirtschaft und Wissenschaft eingesetzt werden, etwa für Präsentationen, Referate, Vorträge, Plakate und persönliche Notizen. Bei Ideensammlung und Brainstorming kann jedes Schlüsselwort weitere Assoziationen auslösen; dadurch können großräumige Mindmaps entstehen.

Für Sachtexte bündeln sie Oberbegriffe eines Themas übersichtlich, können durch ihre Verzweigungen aber dennoch ausführlich sein. Beim Entwurf eines Vortrags oder einer Rede lassen sich Themenbereiche und Querverbindungen erfassen. Man kann dann flexibel auf Schlüsselbegriffe eingehen, ohne den roten Faden zu verlieren. Als Alternative für Vorträge werden Struktogramme genannt: Oberbegriffe stehen untereinander und sind von oben nach unten verbunden; rechts davon werden Unterpunkte gesammelt.

Auch Gespräche, Besprechungen, Vorträge und Befragungen können als Assoziogramm erfasst, zusammengefasst und dokumentiert werden. Zeitliche Abläufe lassen sich beispielsweise im Uhrzeigersinn darstellen. Für Planung und Organisation kann die Mindmap als ergänzbarer Aufgabenzettel dienen, ohne viel Durchstreichen oder Einfügen mit Klammern.

Zur Prüfungsvorbereitung wird der Lernstoff zunächst kreativ und übersichtlich dargestellt und später durch systematisch wiederholte Beschäftigung mit dieser Darstellung gefestigt. Die Anordnung der semantischen Struktur des Wissens soll das langfristige Erinnern fördern. Ein Ast sollte dabei nicht mehr als sieben Unteräste haben. So soll man sich die Mindmap fotografisch merken und sie in einer Prüfung gedanklich systematisch durchgehen können. Auch umfangreiche Informationen wie Vorlesungsskripte sollen sich so reproduzieren lassen. Für Fremdsprachen, Fremdwörter und Fachbegriffe wird besonders die Verknüpfung von Wörtern oder Begriffen mit Bildern als Hilfe beim Merken genannt.

Genannte Vorteile und ihre Grenzen

Als Leistungsvorteile werden ein leichteres Einprägen und Speichern von Sachverhalten, eine schnelle Sichtbarkeit der Essenz sowie der Verzicht auf überflüssige Wörter aus ganzen Sätzen genannt. Kreativität sowie die Verbindung von Wort und Bild sollen dies unterstützen. Mindmaps können handschriftlich oder am Computer erstellt, für Vorträge und Notizen genutzt, elektronisch oder auf Papier archiviert und leichter als lineare Aufzeichnungen ergänzt werden. Die Hauptidee steht im Zentrum, weniger Wichtiges weiter außen; außerdem können Verknüpfungen zwischen Begriffen sichtbar werden, die eine lineare Tabelle nicht zeigt.

Diese positiven Wirkungen werden jedoch kritisiert, weil sie zwar einleuchtend, aber nicht wissenschaftlich belegt seien. Mindmaps sind häufig vor allem für ihren Autor verständlich: Schlüsselbegriffe, Struktur, Symbole und Farben können sehr individuell sein. Sie sind daher nicht unbedingt selbsterklärend und müssen Lesern präsentiert und erklärt werden; für kommentierte Präsentationen eignen sie sich dennoch.

Die mono-hierarchische Baumstruktur kann bei komplexen Ontologien, also Begriffsnetzen mit festgelegten Beziehungen, zu Redundanzen oder Informationsverlust führen. Teilaspekte werden dann oft mehreren Schlüsselwörtern zugeordnet und Beziehungen mit zusätzlichen Zweigverbindungen angedeutet, wodurch die Übersichtlichkeit schnell verloren gehen kann. Hierarchien sind zudem oft nur in einfachen Fällen sofort klar und werden während der Bearbeitung verändert. Eine logische, widerspruchsfreie Mindmap kann deshalb eine lange und intensive Beschäftigung mit ihrer Struktur erfordern. Andere Formen der Ideensammlung oder Strukturierung sind nicht notwendigerweise weniger geeignet; ab einer bestimmten Informationsmenge sind Mindmaps ebenfalls nicht mehr übersichtlich.

Software und digitale Zusammenarbeit

Mindmap-Werkzeuge erweitern klassische Mindmaps häufig durch Äste mit Verweisen auf Dateien oder Internetquellen. Damit können thematisch verwandte externe Datenquellen zusammengeführt werden. Programme bieten außerdem Werkzeuge für Projekte und Checklisten. Neben Anwendungen für einzelne Personen gibt es vernetzte Lösungen, in denen mehrere Teilnehmende gleichzeitig an derselben Mindmap arbeiten, etwa für dezentrale Brainstormings in Online-Meetings oder Informationssammlungen im Wissensmanagement eines Unternehmens.

Genannt werden FreeMind als plattformunabhängige freie Software unter GPL-Lizenz, Freeplane als auf Benutzerfreundlichkeit ausgerichteter Fork von FreeMind und Docear als Fork von FreePlane für wissenschaftliche Anwendungen. Weitere Beispiele sind das kostenpflichtige, in die Office-Landschaft integrierte MindManager, das von Tony Buzan mitentwickelte kommerzielle iMindMap mit organisch wirkenden Mindmaps und Brainstorming-Modi, MindView mit MS-Office-Integration und sechs austauschbaren Ansichten sowie XMind als freie Variante mit kostenpflichtiger Pro-Version für den Geschäftseinsatz.

Ähnliche und weiterführende Strukturen

Mindmaps haben grundsätzlich eine Baumstruktur. Können Begriffe komplexer miteinander verbunden werden und haben Linien oder Pfeile eine festgelegte Bedeutung, handelt es sich eher um konzeptuelle Karten, semantische Netze oder Ontologien. Beim praktischen rekursiven Denken müssen Konzepte nicht auf eine Baumstruktur beschränkt sein, sondern können wechselseitig aufeinander wirken.

Kognitive Karten beziehungsweise kognitive Statusdiagramme können solche Strukturen besser darstellen. Dafür werden Hasse-Diagramme oder Matrizen verwendet; Matrizen ermöglichen Berechnungen für Simulationen. Fuzzy Cognitive Maps (FCMs) beruhen auf unscharfer Logik (Fuzzy Logic). Sie werden als „azyklische oder zyklische kausale Prädiktorsysteme“ sowie als unscharfe, gerichtete Graphen (Digraphen) beschrieben. In einer Matrix lassen sich etwa Wechselwirkungen zwischen kognitiven Zuständen eines Denkprozesses oder Faktoren eines Projekts berechnen.

iMaps besitzen ebenfalls eine hierarchische Grundstruktur, bilden sie aber durch Verschachtelung und Zoomfunktion flexibler ab. Dadurch können unbegrenzt viele Informationen aufgenommen werden; außerdem sind Querverbindungen möglich, während Äste in Mindmaps ausschließlich Hierarchien darstellen.

Die freie Strukturierung verlangt weder Hierarchie noch Verschachtelung noch Verbindungen, erlaubt aber gerichtete oder ungerichtete Quer- und Mehrfachverbindungen. Eine Mindmap kann darin verwendet werden, wenn sie sinnvoll ist. Ihre Stern- oder Stern-von-Sternen-Struktur kann jedoch verlassen werden, etwa bei neuen Erkenntnissen. Wird der Mittelpunkt gelöscht und werden Beziehungen zwischen den früheren Kind-Knoten gesucht, kann eine freie Struktur entstehen.

Lernvideos zu Mindmap

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