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Mike Hulme
Mike Hulme (* 23. Juli 1960 in London) ist ein britischer Geograph und Klimatologe. Inhaltsverzeichnis. 1 Hintergrund; 2 Auszeichnungen; 3 Position zum …
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Überblick und beruflicher Weg
Mike Hulme (* 23. Juli 1960 in London) ist ein britischer Geograph und Klimatologe. Er studierte Geographie an der University of Durham und schloss 1981 mit einem BSc ab. 1985 erhielt er an der University of Wales in Swansea den PhD in Angewandter Klimatologie; seine Arbeit hieß Secular climatic and hydrological change in central Sudan.
Hulme war 1984–1988 Dozent für Geographie an der University of Salford und 1986 als Dozent des British Council an der University of Zimbabwe in Harare tätig. An der University of East Anglia in Norwich forschte er zunächst 1988–1997 und wurde dort 2002 Professor für Environmental Science. Er gründete und leitete das im Jahr 2000 eröffnete Tyndall Centre for Climate Change Research.
2013 wechselte er an das Department of Geography des King’s College London, das er ab 2016 leitete. Seit 2017 ist er Professor für Humangeographie am Department of Geography der University of Cambridge. Von 2006 bis 2009 leitete er das EU-Projekt ADAM (Adaptation and Mitigation Strategies). Außerdem ist er Mitherausgeber von Global Environmental Change und Chefredakteur von Interdisciplinary Reviews of Climate Change (WIRE's Climate Change).
Klimawandel als naturwissenschaftliche und kulturelle Frage
Hulme führt den gegenwärtigen Klimawandel entsprechend dem naturwissenschaftlichen Konsens weitgehend auf menschlich verursachte Veränderungen der Atmosphäre zurück. Dadurch veränderten sich Klimarisiken in ernstzunehmender Weise. Diese Risiken sollten auf zwei Wegen verringert werden: durch die Reduktion der Vulnerabilität, also der Verwundbarkeit betroffener Menschen, und durch möglichst geringe Veränderungen der Erdatmosphäre.
Für Hulme ist Klimawandel jedoch nicht ausschließlich ein naturwissenschaftliches Problem. Klima sei mehr als eine Sammlung von Messdaten und habe auch eine kulturelle Dimension. Klima und Klimawandel seien historisch, geographisch und anthropologisch zu deutende Phänomene menschlicher Vorstellungen. Deshalb sei eine abschließende globale Lösung ebenso wenig möglich wie bei Demokratie oder Menschenrechten.
Er schlägt vor, das umfassendere Verständnis von „Klimawandel“ zu nutzen, um darüber nachzudenken, wie und warum Menschen auf diesem Planeten leben. Dabei sollen neue Denkweisen entwickelt und die menschliche Zukunft – Entwicklung, Gerechtigkeit und Überleben – mit dem Klima vereinbart werden. In der Debatte über globale Erwärmung vermisst Hulme sozial- und geisteswissenschaftliche Perspektiven, die über die Wirtschaftswissenschaften hinausgehen.
Hulme war Mitverfasser des im Mai 2010 von der London School of Economics und der University of Oxford veröffentlichten Hartwell Papers. Dieses bewertet den Post-Kyoto-Prozess nach dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen 2009 als gescheitert. Nach dieser Einschätzung hätten das Kyoto-Protokoll und seine Fortsetzung in 15 Jahren keine nennenswerten Reduktionen bei Treibhausgasen bewirkt.
Auszeichnungen und weitere Interessen
1995 erhielt Hulme den Hugh Robert Mill Prize der Royal Meteorological Society für Beiträge zur Niederschlagsforschung. 2005 hielt er die Queen’s Lecture in Berlin zum Thema Discovering climate change: from Tyndall to Hollywood. 2021 wurde ihm der Eduard Brückner-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie für herausragende interdisziplinäre Leistungen in der Klimaforschung verliehen.
Zu seinen Interessen zählen Cricket, sowohl als Spieler als auch als Zuschauer, sowie Genealogie und Britishness. Seine Familiengeschichte mit Vorfahren aus allen Teilen Großbritanniens und Irlands hat er bislang über einen Zeitraum von 250 Jahren rekonstruiert.
Veröffentlichungen
Zu Hulmes Arbeiten gehören die Niederschlagsklimatologie A 1951-80 global land precipitation climatology for the evaluation of General Circulation Models (1992), der Sammelband Climates of The British Isles: present, past and future (1997, mit E. M. Barrow) sowie Relative impacts of human-induced climate change and natural climate variability (1999).
Weitere zentrale Veröffentlichungen behandeln Klimaszenarien für das Vereinigte Königreich, statistische und gesellschaftliche Vorstellungen eines „normalen“ Klimas sowie Klimadeterminismus und Reduktionismus. 2014 veröffentlichte er Streitfall Klimawandel im oekom verlag (ISBN 978-3-86581-459-3).