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Medizin der Renaissance
Medizin der Renaissance (auch Renaissancemedizin) bezeichnet die weiterhin auf der Rezeption der antiken Medizin beruhende, jedoch stärker hinterfragende …
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Einordnung der Renaissancemedizin
Die Medizin der Renaissance, auch Renaissancemedizin, bezeichnet die Heilkunde zwischen mittelalterlicher Medizin, etwa der Klostermedizin, und der Medizin der Neuzeit. Sie beruhte weiterhin auf der Rezeption der antiken Medizin, hinterfragte deren Überlieferung jedoch stärker. Der Zeitraum wird ungefähr mit 1450 bis 1600 angegeben. Die humanistische Medizin ging in der Mitte des 14. Jahrhunderts von Italien aus; ihr Ende wird im späten 17. Jahrhundert gesehen, als der Späthumanismus in die Frühaufklärung überging.
Der Renaissance-Humanismus verringerte den theologischen Einfluss auf die Medizin. Als Bildungsbewegung verlangte er die Beschäftigung mit antiker Literatur und alten Sprachen. Die Druckpresse machte wiedergefundenes Wissen der Antike vielen Gebildeten leichter zugänglich. Humanisten orientierten sich vor allem an Hippokrates und wollten die Dominanz arabischer, arabisch beeinflusster oder arabisch publizierender Autoren wie Galenos und besonders Avicenna an den Universitäten zurückdrängen.
Lorenzo Lorenzano, Professor in Pisa von 1479 bis zu seinem Suizid 1502, sowie Niccolo Leoniceno und Johann Winter von Andernach begründeten die neue philologische Methode: Medizinische Texte wurden sprachlich und anhand ihrer antiken Überlieferung untersucht. Im 16. Jahrhundert wurde es üblich, dass der examinierte Arzt in der Regel den Doktortitel als berufsbezogenes Attribut erhielt, beispielsweise 1558 an der Universität Jena und 1582 an der Universität Würzburg. Zugleich waren Astrologie und ihre Anwendung auf die Medizin wichtig; auch der Hexenglaube war unter Gelehrten verbreitet.
Pflanzenkunde und Arzneimittel
Die Botanik wurde durch Otto Brunfels, Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs, die als Väter der Botanik gelten, sowie durch Charles de l’Écluse, Caspar Bauhin und Andrea Cesalpino weiterentwickelt. Sie bearbeiteten, korrigierten und erweiterten das botanische Wissen der Antike und erneuerten die Nomenklatur, also die Benennung von Pflanzen.
Brunfels, Bock und Fuchs lehnten die arabisch-lateinische Tradition griechischer Werke ab. Brunfels forderte außerdem, dass Composita, also zusammengesetzte Arzneimittel, aus höchstens vier oder fünf möglichst einheimischen Einzelsubstanzen bestehen sollten. Pflanzen wurden nun zunehmend auch dann beschrieben und beachtet, wenn sie nicht medizinisch genutzt wurden.
Anatomie durch Beobachtung und Sektion
In der Anatomie versuchte man zunächst, neue Erkenntnisse mit den Schriften Galens zu vereinbaren. Später wurden Galens Aussagen an tatsächlichen Beobachtungen gemessen. Mondino dei Luzzi, Professor in Bologna, veröffentlichte mit Anathomia die erste moderne Arbeit zu diesem Thema.
Leonardo da Vinci fertigte zahlreiche sehr detailgetreue anatomische Zeichnungen an, die teilweise auf eigenen Sektionen beruhten. Seine Zeichnungen wurden später im Codex Windsor zusammengefasst; zu seinen Lebzeiten erschien jedoch keine seiner medizinischen Studien. Andreas Vesalius veröffentlichte 1543 De Humani Corporis Fabrica. Das Werk beschrieb weitgehend korrekt die Lage der Bauchorgane, die Struktur des Gehirns, die Innervation der Muskeln – also ihre Versorgung durch Nerven – und den Verlauf der Blutgefäße.
Weitere anatomische Erkenntnisse lieferten Gabriele Falloppio, der Innenohr, Aufgaben von Knochen und Muskeln sowie Sexualorgane beschrieb, und Bartolomeo Eustachi. Eustachi untersuchte Kopf und Nieren, beschrieb die Anatomie der Zähne und erkannte die Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr. Michael Servetus (1511–1553) beschrieb 1546, wie zuvor Ibn an-Nafis, den Lungenkreislauf; Realdo Colombo bewies ihn. Diese Ergebnisse wurden jedoch nicht allgemein anerkannt. Andrea Cesalpino beschrieb beide Kreisläufe des Herz-Kreislauf-Systems, doch diese Arbeit ging verloren.
Chirurgie und Prothesen
Erfahrungen aus Kriegen erweiterten das Wissen der Chirurgen. Viele Verwundete starben an Infektionen. Zum Schutz von Wunden vor Entzündungen verwendete man heißes Öl. Ambroise Paré (1510–1590), Chirurg und Barbier, war der Erste, der Blutgefäße abband. Dadurch konnten Amputationen komplikationsärmer durchgeführt werden.
Seit dem 15. Jahrhundert gab es zumindest für wohlhabende Schichten funktionale, bewegliche Hand- und Armprothesen. Diese Eisernen Hände sind erstmals 1476 urkundlich erwähnt.
Neue Ansätze in der inneren Medizin
Die innere Medizin hielt grundsätzlich an der Humoralpathologie fest. Diese Lehre erklärt Krankheiten über die Körpersäfte. Dennoch setzte erste Kritik ein. Jean François Fernel versuchte, die Klassifikation der Krankheiten zu erweitern, und richtete seine Aufmerksamkeit auf pathogenetische Aspekte, also auf die Entstehung und Entwicklung von Krankheiten.
Paracelsus, ein in der Schweiz geborener medizinischer Reformator und als „deutscher Philosoph und Arzt“ bezeichnet, führte die Chymiatrie beziehungsweise Iatrochemie ein. Damit begründete er die chemische Medizin. Girolamo Fracastoro erklärte Krankheiten in der Kontagienlehre durch Keime.