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Martin Dibelius
Martin Franz Dibelius (* 14. September 1883 in Dresden; † 11. November 1947 in Heidelberg) war ein deutscher evangelischer Theologe und Hochschullehrer.
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Person und akademischer Weg
Martin Franz Dibelius (* 14. September 1883 in Dresden; † 11. November 1947 in Heidelberg) war ein deutscher evangelischer Theologe und Hochschullehrer. Er war Professor für Neues Testament an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Das Neue Testament ist der Teil der christlichen Bibel, der unter anderem die Evangelien, Briefe und die Apostelgeschichte umfasst.
Dibelius war der Sohn des Pfarrers und letzten sächsischen Oberhofpredigers Franz Wilhelm Dibelius und ein Cousin von Otto Dibelius. Er war mit Dorothea Dibelius, geb. Wittich, verheiratet. Er studierte Evangelische Theologie und Philosophie an den Universitäten Neuchâtel, Tübingen, Leipzig und Berlin. An der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin erhielt er 1910 seine erste Dozentur. 1915 wurde er ordentlicher Professor für Neues Testament an der theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Seit 1926 war er ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Wissenschaftliche Bedeutung
Dibelius’ wichtigste wissenschaftliche Leistung war die Begründung der formgeschichtlichen Methode in der Synoptikerforschung. Die Synoptikerforschung untersucht die drei synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas, die viele gemeinsame Stoffe und ähnliche Darstellungsweisen haben. Die formgeschichtliche Methode fragt nach den literarischen Formen einzelner Überlieferungen, etwa Erzählungen oder Sprüchen, und nach ihrem ursprünglichen Zusammenhang.
Diese Methode entwickelte Dibelius besonders in seiner Monographie „Die Formgeschichte des Evangeliums“, die 1919 in Tübingen erschien. Zeitgleich arbeitete Karl Ludwig Schmidt in ähnlicher Richtung. Daneben verfasste Dibelius Monographien zur neutestamentlichen Ethik, also zu moralischen Lehren im Neuen Testament, sowie Kommentare zu kleineren Paulusbriefen und zum Jakobusbrief.
Politisches Engagement
Im Ersten Weltkrieg gehörte Dibelius dem Volksbund für Freiheit und Vaterland an. Von 1919 bis 1930 war er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP).
Im sogenannten „Fall Dehn“ stellte sich Dibelius auf die Seite von Günther Dehn. Dehn war Anhänger der dialektischen Theologie, Sozialdemokrat und Pazifist. Für die Jahre 1931/1932 wird dies im Artikel als äußerst mutiger Schritt beschrieben, weil nur drei, zeitweise auch vier, Kollegen mitmachten. Viele andere Theologieprofessoren sympathisierten dagegen mit Forderungen der nationalsozialistischen Studentenschaft, Dehn aus der Universität auszuschließen.
Wichtige Schriften
Zu Dibelius’ ausgewählten Schriften gehören Kommentare und Studien zum Neuen Testament. Früh erschien „Die Briefe des Apostels Paulus an Timotheus I., II., An Titus“ im Jahr 1913; die Neuausgabe trug den Titel „Die Pastoralbriefe“ und erschien 1919. Eine englische Ausgabe erschien 1972 unter dem Titel „The Pastoral epistles, a commentary on the Pastoral epistles“.
Sein zentrales Werk „Die Formgeschichte des Evangeliums“ erschien 1919 und erreichte eine 6. Auflage 1971; eine englische Ausgabe erschien 1965 als „From tradition to Gospel“. Weitere Schriften sind „Geschichtliche und übergeschichtliche Religion im Christentum“ (1925), „Geschichte der urchristlichen Literatur“ (1926), „Jesus“ (1939), „Britisches Christentum und britische Weltmacht“ (1940), das nach seinem Tod herausgegebene und von Werner Georg Kümmel zu Ende geführte „Paulus“ (1951), „Aufsätze zur Apostelgeschichte“ (1949) sowie die gesammelten Aufsätze „Botschaft und Geschichte“ in zwei Bänden (1953 und 1956).