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Ludwig Harig

Ludwig Harig (* 18. Juli 1927 in Sulzbach/Saar; † 5. Mai 2018 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller, Hörspielautor und literarischer Übersetzer.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und Lebensweg
  2. 2. Literarische Arbeitsweisen
  3. 3. Autobiografische Romane und weitere Werke
  4. 4. Auszeichnungen

Person und Lebensweg

Ludwig Harig (18. Juli 1927–5. Mai 2018) war ein deutscher Schriftsteller, Hörspielautor und literarischer Übersetzer. Er wurde in Sulzbach/Saar geboren und starb dort. Bis zu seinem Tod lebte und arbeitete er in seinem Herkunftsort.

Harig besuchte während des Nationalsozialismus eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt. Er bezeichnete sich rückblickend als „begeisterten Jung-Nazi“. Die Entwicklung vom Anhänger des Nationalsozialismus zum Demokraten setzte er sich in autobiografischen Texten auseinander, besonders in Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf.

Seit 1950 arbeitete Harig als Volksschullehrer. 1970 ließ er sich beurlauben und beendete 1974 den Schuldienst. Danach war er ausschließlich als Schriftsteller tätig. Er war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur sowie der Mannheimer Freien Akademie der Künste.

Literarische Arbeitsweisen

Mitte der 1950er Jahre veröffentlichte Harig erste kleinere Texte in Literaturzeitschriften und Anthologien. Durch den intensiven Kontakt mit der Stuttgarter Gruppe um Max Bense wurde er mit experimentellen Texten, vor allem seinen Permutationen, zu einem wichtigen Vertreter der Konkreten Poesie. Konkrete Poesie stellt die sprachliche Gestaltung selbst – etwa Wörter, Anordnung und Struktur – besonders in den Mittelpunkt.

In den 1960er Jahren entwickelte Harig außerdem das Hörspiel weiter. Hörspiele sind literarische Werke, die für die akustische Darstellung bestimmt sind. Harig arbeitete dabei mit collagierten O-Tönen, also zusammengeschnittenen Originaltönen. Seine Hörcollage Staatsbegräbnis über das Staatsbegräbnis Konrad Adenauers erhielt zeitweise ein Sende- und Publikationsverbot.

In seinen selbstständigen Buchveröffentlichungen vervollkommnete Harig seine Montage- und Collage-Technik. Er übersetzte französische Literatur, vor allem Werke von Raymond Queneau, dessen Stil sein eigenes Schreiben stark beeinflusste. Zu den Übersetzungen gehören Queneaus Heiliger Bimbam (1965), Hunderttausend Milliarden Gedichte (1984) und Stilübungen (1990) sowie Beiträge zur Frankfurter Ausgabe von Marcel Prousts Werke (1989). Außerdem schrieb Harig Texte in saarländischer Mundart.

Autobiografische Romane und weitere Werke

Einem größeren Publikum wurde Harig 1986 durch den Zeitroman Ordnung ist das ganze Leben bekannt. In diesem Roman verarbeitet er anhand der Lebensgeschichte seines Vaters auch seine eigene Jugend und die Geschichte seiner Familie. Der Roman erzählt keine einfache lineare Lebensgeschichte. Stattdessen entsteht das Bild der väterlichen Existenz aus zahlreichen erinnerten Einzelheiten, darunter Redewendungen, Gesten und Verhaltensformen. Ordnung ist das ganze Leben bildet den ersten Band einer autobiografischen Roman-Trilogie.

Der zweite Teil, Weh dem, der aus der Reihe tanzt, erschien 1990; 1996 folgte mit Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf der Abschluss. Die Trilogie verbindet Familiengeschichte, persönliche Erinnerung und die Auseinandersetzung mit Harigs politischer Entwicklung.

Zu Harigs weiteren Büchern gehören die Gedichtsammlung Hundert Gedichte. Alexandrinische Sonette, Terzinen, Couplets und andere Verse in strenger Form (1988), die Reisegeschichten Spaziergänge mit Flaubert (1997), die japanischen Reportagen Reise mit Yoshimi (2000), die autobiografischen Texte Und wenn sie nicht gestorben sind. Aus meinem Leben (2002), die Essays und Reden Wer schreibt, der bleibt (2004), die Fußballsonette Die Wahrheit ist auf dem Platz (2006), Kalahari – ein wahrer Roman (2007) und Wie die Wörter tanzen lernten. Eine erlebte Poetik (2009). Weitere wichtige Prosawerke sind Der kleine Brixius (1980), Rousseau. Der Roman vom Ursprung der Natur im Gehirn (1978/1981; Neuausgabe 1998), Die Hortensien der Frau von Roselius (1992) und Der Uhrwerker von Glarus (1993).

Harig verfasste zahlreiche Hörspiele. Dazu zählen Stilübungen. 99 Variationen über ein Thema von Raymond Queneau (1957), Das Geräusch (1963), Das Fußballspiel (1966), Starallüren (1966), Staatsbegräbnis 1 (1969), Staatsbegräbnis 2 (1973), Simplicius Simplicissimus nach Grimmelshausen (1984), Drei Männer im Feld (1986) und Tamtam unserer Wünsche. Begleitmusik zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland (2009). Außerdem gab er 2000 gemeinsam mit Christoph Buchwald das Jahrbuch der Lyrik heraus.

Auszeichnungen

Harig erhielt zahlreiche Literatur-, Kunst- und Kulturpreise sowie Stipendien. Zu den frühen Auszeichnungen gehören der Kunstpreis des Saarlandes (1966), ein Stipendium für die Cité Internationale des Arts Paris (1972), das Stipendium des Berliner Senats (1974) und das Stipendium des Berliner Kunstpreises (1975).

Er erhielt den Kunstpreis der Stadt Saarbrücken 1977 und 1999, den Literaturpreis der Universitätsstadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf (1982), den Deidesheimer Turmschreiber (1983), den Raben-Preis für kreative Kritik und die Carl-Zuckmayer-Medaille (beide 1985). Für Drei Männer im Feld bekam er 1987 den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Im selben Jahr wurde er Ehrendoktor der Universität des Saarlandes, erhielt den Heinrich-Böll-Preis und wurde Mainzer Stadtschreiber.

Weitere Ehrungen waren die Ernennung zum Ehrenprofessor durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Saarlandes (1993), der Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg und die Ehrenbürgerschaft von Sulzbach/Saar (beide 1994), die Brüder-Grimm-Professur (2001) sowie der Preis der Frankfurter Anthologie (2005). Außerdem war Harig Ehrengast in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo.

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