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Liste von Erdbeben in Deutschland

Diese Liste von Erdbeben in Deutschland führt Erdbeben auf ab einer Magnitude von 3,7 auf der Richterskala bzw.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Wichtige Erdbebengebiete
  3. 3. Messung und Vergleichbarkeit
  4. 4. Historische schwere Ereignisse
  5. 5. Erdbeben im 20. Jahrhundert
  6. 6. Neuere Ereignisse seit 1992

Einordnung und Bedeutung

Die Liste behandelt Erdbeben, die sich im Gebiet des heutigen Deutschland ereignet haben oder deren Auswirkungen Deutschland betrafen. Aufgenommen werden Beben ab einer Magnitude von 3,7 auf der Richterskala, ab Intensität V oder Ereignisse mit besonderem überregionalem Interesse.

Deutschland liegt mitten auf der Eurasischen Kontinentalplatte. Die nächste Plattengrenze, an der viele Erdbeben entstehen, ist relativ weit entfernt. Deshalb sind Erdbeben in Deutschland im internationalen Vergleich meist eher kleine Ereignisse. Trotzdem können sie in den deutschen Erdbebenzonen spürbar sein, schwere Schäden verursachen und in einzelnen Fällen auch Tote und Verletzte fordern.

Wichtige Erdbebengebiete

Zentren der Erdbebenhäufigkeit in Deutschland liegen vor allem in vier Regionen: im Erdbebengebiet der Kölner Bucht, südlich von Tübingen auf der Schwäbischen Alb bei Albstadt, im südlichen Rheingraben sowie in der Umgebung von Gera.

Diese Gebiete werden in der Liste immer wieder sichtbar. Besonders die Schwäbische Alb und der Zollernalbkreis tauchen bei vielen neueren Ereignissen auf, etwa bei Albstadt, Tailfingen, Jungingen, Burladingen und Hechingen. Auch der Raum Aachen, Düren, Euskirchen und Roermond zeigt mehrere wichtige Beben, die in Deutschland Schäden verursachten.

Messung und Vergleichbarkeit

Bis etwa 1930 wurde die Stärke von Erdbeben ausschließlich mit makroseismischen Skalen beschrieben. Solche Skalen ordnen Erdbeben nach ihren sichtbaren Auswirkungen ein und bewerten damit die Intensität. Ein bekanntes Beispiel ist die Mercalliskala. Bei historischen Beben kennt man häufig Opferzahlen und Beschreibungen von Schäden; daraus lässt sich die Intensität ungefähr ableiten.

Die Intensität hängt stark von örtlichen Bedingungen ab, zum Beispiel vom Untergrund, von der Bauweise der Gebäude und von weiteren Einflüssen. Deshalb können sich die Schäden auch auf engem Raum deutlich unterscheiden. Die objektive Stärke eines Erdbebens, also die freigesetzte Energie, konnte erst nach der Entwicklung von Seismometern und durch weitere Forschung aus Seismogrammen berechnet werden.

Seit etwa 1896 liegen für alle Erdbeben der Magnitude ≥ 7,0 Seismogramme vor. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Erdbeben in nationalen und internationalen Katalogen erfasst und veröffentlicht. Die systematische instrumentelle Erfassung aller Beben begann in Europa je nach Land erst zwischen 1950 und 1970. Eine Umrechnung von Intensitäten in Magnituden ist mit erfahrungsbasierten Formeln möglich, aber meist mit größeren Unsicherheiten verbunden. Deshalb lassen sich historische und instrumentell aufgezeichnete Erdbeben nur eingeschränkt direkt vergleichen.

Historische schwere Ereignisse

Zu den frühen aufgeführten Ereignissen gehören Beben bei Gera am 24. November 1346 mit Intensität VIII und am 24. Mai 1366 mit Intensität VII–VIII. Das Basler Erdbeben vom 18. Oktober 1356 hatte nach historischen Angaben zwischen 100 und 2000 Todesopfer; seine Magnitude wird mit 6,2–6,9 und seine Intensität mit XI–X angegeben. Obwohl Basel nicht in Deutschland liegt, betraf das Ereignis den größeren Raum und ist für die Liste relevant.

Das Erdbeben von Neulengbach in Niederösterreich vom 15. September 1590 war auch in Sachsen spürbar. In Frankenstein in Schlesien, knapp 300 km vom Epizentrum entfernt, neigte sich ein Kirchturm, der heute als Schiefer Turm von Frankenstein bekannt ist. Die Magnitude wird mit 6,0 und die Intensität mit IX angegeben.

Ein besonders folgenreiches deutsches Ereignis war das Erdbeben bei Düren am 18. Februar 1756. Zwei Menschen kamen ums Leben. In Aachen geriet der Turm der Augustinerkirche in Schräglage und musste später abgerissen werden; mehrere Häuser brachen zusammen, 300 Schornsteine stürzten herab. Auch in Jülich, Düren, Burg Nideggen, Kloster Wenau und Bad Münstereifel gab es Schäden. Die Tiefe wird mit 14–16 km, die Magnitude mit 6,4 und die Intensität mit VIII angegeben.

Weitere historische Beispiele sind das Beben im Süden der Grafschaft Lippe vom 19. Januar 1767 mit Intensität VI–VII, bei dem unter anderem Schäden an Kirchturm, Häusern und Kirchengewölbe beschrieben wurden, sowie das Beben von Alfhausen am 3. September 1770 mit Intensität VII, das als stärkstes bekanntes Erdbeben in Norddeutschland gilt. Das Mitteldeutsche Erdbeben bei Schmölln vom 6. März 1872 hatte eine Magnitude von 5,5 und verursachte Gebäudeschäden. Das Erdbeben von Tollhausen am 26. August 1878 forderte ein Todesopfer und verursachte Giebeleinstürze, Mauerrisse und Kaminschäden; es hatte Magnitude 5,9 und Intensität VIII.

Erdbeben im 20. Jahrhundert

Am 16. November 1911 ereignete sich bei Albstadt-Ebingen ein starkes Beben um 22:26 Uhr. Es richtete erhebliche Sachschäden in Süddeutschland an: 6.250 Gebäude waren betroffen, die Schadenssumme betrug etwa 750.000 Mark. Das sieben Sekunden dauernde Beben war von Braunschweig bis in die Toskana spürbar. Die Tiefe wird mit 10 km, die Magnitude mit 6,1 und die Intensität mit VIII angegeben.

Am 25. Juni 1935 kam es zwischen Herbertingen, Moosheim und Marbach zu einem Beben um 18:19 Uhr. In mehreren Orten Oberschwabens wurden insgesamt 6.250 Gebäude beschädigt; der Gesamtschaden wurde auf 750.000 Reichsmark geschätzt. In Herbertingen und Kappel wurden Kirchen zerstört. Das Beben war noch in Wien, Dresden, Koblenz und Genf zu spüren und wurde in Moskau und Beirut registriert. Es hatte eine Tiefe von 8 km, Magnitude 5,6 und Intensität VII–VIII.

Das Rheinlandbeben vom 14. März 1951 hatte sein Epizentrum 4 km östlich von Euskirchen. Es ereignete sich um 9:47 Uhr, verursachte erhebliche Schäden und verletzte mehrere Personen. Die Tiefe lag bei 9 km, die Magnitude bei 5,2 und die Intensität bei VII–VIII. Am 3. September 1978 verursachte ein Beben bei Tailfingen auf der Schwäbischen Alb Schäden vor allem in Albstadt und Umgebung in Höhe von rund 275 Mio. DM; auch die Burg Hohenzollern wurde schwer beschädigt. Dieses Beben hatte Magnitude 5,7 und Intensität VII–VIII.

Mehrere Ereignisse waren bergbaubedingt. Der Gebirgsschlag Völkershausen vom 13. März 1989 forderte 6 Verletzte; fast 80 % der Ortsbebauung wurden beschädigt, mit großflächigem Abriss einschließlich sämtlicher historischer Gebäude. Das Beben hatte Magnitude 5,6 und Intensität VIII–IX. Auch das Beben von Teutschenthal nahe Halle-Neustadt am 11. September 1996 war bergbaubedingt; es gab keine Verletzten, die Magnitude lag bei 5,6.

Neuere Ereignisse seit 1992

Beim Erdbeben von Roermond am 13. April 1992, nahe Roermond in den Niederlanden, wackelten in Deutschland Häuser, Schornsteine und Dachziegel fielen herab, Bäume stürzten um. Mehr als 30 Personen wurden verletzt; die Sachschäden auf deutscher Seite wurden auf etwa 150 Millionen D-Mark beziffert. Die Tiefe lag bei 18 km, die Magnitude bei 5,9 und die Intensität bei VII.

Seit 2000 verzeichnet die Liste viele Beben mit Magnituden zwischen etwa 3,7 und 5,4. Dazu gehören ein bergbaubedingtes Beben bei Lauterbach am 21. Juni 2001 mit Magnitude 3,8, bei dem im französischen Freimingen-Merlenbach ein Stollen einstürzte, sieben Bergleute verletzt wurden und eine Person starb, sowie ein Beben bei Kerkrade am 23. Juni 2001 mit Magnitude 4,0 und sechs Verletzten. Am 22. Februar 2003 gab es in den Vogesen ein Beben mit Magnitude 5,4 und Intensität VII–VIII.

Das bergbaubedingte Beben bei Saarwellingen am 23. Februar 2008 hatte eine Magnitude von 4,0–4,5. Es verursachte Stromausfälle und Gebäudeschäden und führte zum unbefristeten Abbaustopp im Saarrevier sowie zum Ende des Kohlebergbaus im Saarland. Am 17. Mai 2014 ereignete sich bei Darmstadt ein Beben der Magnitude 4,2 und Intensität VII; die Erschütterungswellen waren 10 Sekunden lang im Umkreis von 30–40 km zu spüren, Feuerwehren meldeten Schäden an mehr als 70 Häusern.

Jüngere Ereignisse betreffen häufig Baden-Württemberg und die Schwäbische Alb. Am 30. Juli 2019 lag das Epizentrum eines Bebens der Magnitude 3,7 nördlich von Dettingen-Wallhausen in Konstanz; es wurde in rund 20 km Umkreis wahrgenommen, niemand wurde verletzt. Weitere Beben gab es am 4. November 2019 bei Albstadt mit Magnitude 3,8–3,9, am 1. Dezember 2020 bei Burladingen mit Magnitude 3,9, am 21. März 2021 bei Jungingen mit Magnitude 3,7 und am 9. Juli 2022 bei Hechingen mit Magnitude 4,1. Am 27. Juni 2024 ereignete sich im Landkreis Lörrach bei Schopfheim ein Beben mit Hypozentrum in 7 km Tiefe und Magnitude 4,2; es war das stärkste Erdbeben in Baden-Württemberg seit 2009 und war in ganz Baden-Württemberg sowie in der gesamten Schweiz spürbar.

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