Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Liste musikalischer Vortragsbezeichnungen

Musikalische Vortragsbezeichnungen sind textuelle Ergänzungen der Notation, die mit der Notation allein nicht darstellbar oder beschreibbar sind.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Sprache
  2. 2. Tempo und zeitliche Gestaltung
  3. 3. Lautstärke, Ausdruck und Charakter
  4. 4. Artikulation und Spieltechnik
  5. 5. Besetzung, Wiederholung und Ablauf

Bedeutung und Sprache

Musikalische Vortragsbezeichnungen sind textuelle Ergänzungen der Notation. Sie geben Hinweise, die sich durch Notenzeichen allein nicht oder nicht ausreichend darstellen lassen, etwa zu Tempo, Lautstärke, Ausdruck, Artikulation, Spieltechnik, Besetzung und Ablauf. Sie können für eine Singstimme oder ein Instrument gelten. Die meisten Begriffe sind italienisch; daneben kommen lateinische, französische und vereinzelt spanische Bezeichnungen vor.

Viele Angaben werden kombiniert: con bedeutet „mit“, senza „ohne“, più „mehr“, meno „weniger“, molto beziehungsweise tanto „viel, sehr“, poco „etwas“, un poco „ein wenig“, poco a poco „nach und nach“, sempre „immer“, subito „plötzlich“, troppo „zu sehr, zu viel“ und possibile „möglichst“. a, ad oder alla bedeutet je nach Verbindung „nach Art von“ beziehungsweise „im Stil“. Quasi heißt „fast, gleichsam, wie“.

Tempo und zeitliche Gestaltung

Grundlegende Tempoangaben sind largo („breit, langsam“), lento („langsam“), adagio („langsam, ruhevoll, gemächlich“), andante („gehend, schreitend, ruhig“), moderato („gemäßigt“), allegro („schnell“), presto („sehr schnell“) und prestissimo („äußerst schnell“). Zwischenstufen sind larghetto, ein wenig schneller als largo, andantino, ein wenig schneller als Andante, und allegretto, etwas langsamer als allegro. Vivace oder vivo bedeutet „lebhaft“, vivacissimo „sehr lebhaft“, rapidamente „rasch“ und presto possibile „so schnell wie möglich“.

Veränderungen des Tempos werden oft als Verlauf angegeben: accelerando (acc. / accel.) heißt allmählich schneller werdend; affrettando bedeutet rascher oder eilend; stringendo (string.) eilend und beschleunigend; incalzando drängend. Rallentando (rall.) bedeutet verbreiternd und verlangsamend, ritardando (rit., ritard.) das Tempo verzögernd und ritenuto (rit., riten.) im Tempo zurückgehalten. Trattenuto (tratt.) ist etwa gleichbedeutend mit ritardando, aber noch etwas breiter im Sinne von sostenuto. Lentando, slentando sowie stentando oder stentato bezeichnen schleppende, verlangsamende oder zögernde Wirkungen. Allargando und largando beziehungsweise slargando lassen das Tempo breiter werden.

A tempo stellt das ursprüngliche Zeitmaß wieder her; l’istesso tempo verweist darauf. Tempo primo bedeutet „im vorherigen Tempo“. A capriccio, a piacere, a piacimento, rubato und senza tempo erlauben einen freien Vortrag oder ein freies Zeitmaß. Alla breve bezeichnet einen Takt in halben Noten, stretto ein Drängen zum Schluss und en pressant ein Anschieben beziehungsweise leichtes stretto.

Lautstärke, Ausdruck und Charakter

Die grundlegenden dynamischen Zeichen sind piano (p) für leise, pianissimo (pp) für sehr leise, piano pianissimo (ppp) für sehr sehr leise, forte (f) für laut, fortissimo (ff) für sehr laut und forte fortissimo (fff) für sehr sehr laut. Piano possibile bedeutet so leise wie möglich. Crescendo (cresc.) heißt lauter werdend; decrescendo (decresc.) und diminuendo (dim. / dimin.) bedeuten leiser beziehungsweise an Tonstärke nachlassend. Fortepiano (fp) verlangt laut und dann plötzlich leise. Sforzato beziehungsweise sforzando (sf, sfz, sffz) bezeichnet eine plötzliche Betonung; forzando oder forzato (fz) eine starke, forzatissimo eine außerordentlich starke Betonung. Rinforzando oder rinforzato (rf, rfz, rinf) bedeutet wieder stärker werdend oder eine anfangs leicht anschwellende Betonung.

Calando oder calmando lässt Tonstärke und Tempo zurückgehen. Morendo bedeutet absterbend, perdendo oder perdendosi sich verlierend und verklingend, scemando schwindend und abnehmend, smorendo oder smorzando verlöschend und abdämpfend. Al niente führt bis zur Lautlosigkeit. Mezza voce heißt „mit halber Stimme“, sotto voce geflüstert oder stimmlos und pieno mit starkem, vollem Ton.

Ausdrucksangaben legen den Charakter fest. Cantabile und arioso verlangen einen singenden, gesanglichen Vortrag; espressivo beziehungsweise con espressione einen ausdrucksvollen. Dolce heißt sanft, zart und lieblich, dolcissimo außerordentlich sanft; delicato, delicatamente und teneramente stehen für zarte oder feine Gestaltung. Affettuoso bedeutet ergriffen, bewegt oder leidenschaftlich, appassionato und passionato leidenschaftlich, con sentimento „mit Gefühl“ und amoroso beziehungsweise con amore liebevoll und zärtlich.

Weitere häufige Charakterangaben sind agitato („bewegt, erregt, unruhig“), con brio oder con slancio („mit Schwung“), energico („nachdrücklich, energisch, entschlossen“), con fuoco beziehungsweise fuocoso („mit Feuer, feurig“), furioso („wild, rasend, stürmisch“), maestoso („majestätisch“), grandioso („großartig, prächtig, erhaben“), giocoso oder scherzando („scherzhaft beziehungsweise spielend“), grazioso („mit Anmut, leicht beschwingt“), semplice („einfach“), serioso („ernst, würdig“), festivo („festlich“), religioso („andachtsvoll“), misterioso („geheimnisvoll“) und eroico („heldenhaft“). Traurige oder klagende Wirkungen bezeichnen unter anderem mesto, triste, dolente, flebile, lacrimoso, lamentoso, lugubre und funebre; doloroso, addolorato sowie con dolore oder dolendo stehen für Schmerz.

Artikulation und Spieltechnik

Artikulation beschreibt, wie Töne verbunden oder getrennt werden. Legato (leg.) bedeutet gebunden, staccato (stacc.) kurz, staccatissimo besonders kurz und non legato eine Spielweise zwischen legato und staccato. Spiccato heißt deutlich abgesetzt und klar artikuliert; portato „getragen“, sostenuto (sost.) und tenuto (ten.) „gehalten“. Marcato (marc.), accentato und deciso verlangen hervorgehobene, betonte oder rhythmisch bestimmte Ausführung. Martellato oder martello bedeutet „gehämmert“, glissando (gliss.) „gleitend“, tremolo „bebend“ und vibrato „bebend, vibrierend“. Arpeggio weist an, einen Akkord gebrochen zu spielen.

Für Streichinstrumente bedeutet arco oder coll’arco das Spiel mit dem Bogen, pizzicato (pizz.) das Zupfen mit den Fingern. Col legno verlangt, die Saiten mit der Bogenstange zu streichen oder zu schlagen. Sul ponticello (sul pont.) beziehungsweise französisch sur le chevalet bedeutet „am Steg“. Flautando, flautato, sul tasto, sulla tastiera oder sur la touche bezeichnet das Spiel am Griffbrett mit flötenartiger Wirkung. Con sordino (c. sord. / con sord.) heißt „mit Dämpfer“, senza sordino (senza sord.) „ohne Dämpfer“.

All’ottava verlangt eine Oktave höher, bassa ottava eine Oktave tiefer als notiert. Col’ottava bedeutet Oktavenverdopplung; loco hebt ein Oktavierungszeichen auf. Una corda heißt „mit einer Saite“ und wird beim Flügel durch das linke Pedal bewirkt. Main droite beziehungsweise mano destra bezeichnet die rechte, main gauche beziehungsweise mano sinistra die linke Hand. Muta weist auf das Umstimmen oder Wechseln des Instruments hin.

Besetzung, Wiederholung und Ablauf

Solo bedeutet allein und steht im Gegensatz zu tutti („alle, ganz“). A due oder a 2 heißt „zu zweit“, a quattro mani „zu vier Händen“. Divisi (div.) fordert geteiltes, mehrstimmiges Spiel. Unisono (unis.) bedeutet gleichklingend: Mehrere Stimmen, die sich auch in verschiedenen Oktaven bewegen können, spielen das Gleiche. Colla parte (c.p.) verlangt, dass sich die Begleitung anpasst. Obbligato beziehungsweise obligat bedeutet, dass eine Stimme unbedingt ausgeführt werden muss; es ist das Gegenteil von ad libitum (ad lib.), das Vortrag, Tempo oder Besetzung dem Belieben überlässt. Tacet bedeutet, dass eine Stimme schweigt.

Für Wiederholungen und Sprünge gilt: da capo (d.c.) verlangt die Wiederholung von Anfang an, ebenso das lateinische ab initio. Dal segno (d.s.) führt zur gekennzeichneten Stelle zurück. Replica bedeutet Wiederholung; con repetizione (con rep.) „mit Wiederholung“, senza repetizione oder senza replica (senza rep.) „ohne Wiederholung“. Bis beziehungsweise due volte heißt „zweimal“, prima volta „beim ersten Mal“. Fine bezeichnet das Ende, al fine führt bis zum Schluss. Vide beziehungsweise vi – de kennzeichnet einen Sprung im Notentext.

Attacca weist an, den folgenden Teil sofort und ohne Pause anzuschließen. Segue bedeutet weiter beziehungsweise die folgende Seite wenden; volti fordert zum Umblättern auf, volti subito (v.s.) zum sofortigen Umblättern. Simile (sim.) bedeutet, in derselben Art weiterzuspielen. Ossia bietet eine Spielalternative, meist eine Vereinfachung. Alla marcia beziehungsweise marciale verlangt die Art eines Marsches, alla polacca Charakter, Tempo und Rhythmus einer Polonaise, alla tedesca die Art des Walzers beziehungsweise des deutschen Tanzes und alla turca den Stil türkischer Musik.

Lernvideos zu Liste musikalischer Vortragsbezeichnungen

Weiterlesen

Vortragsbezeichnung Sie bestimmen diverse Parameter der Musik näher und beziehen sich vorrangig auf Tempo, Lautstärke, Artikulation oder diverse Instrumental- bzw. Vokaltechniken, … Notation (Musik) Als Notation bezeichnet man in der Musik das grafische Festhalten von musikalischen Parametern wie Tonhöhe, -dauer und -lautstärke in einer dazu … Abkürzung Als Abkürzung (abgekürzt: Abk.) wird die gegenüber der ursprünglichen Länge verkürzte Darstellungsform eines Wortes oder einer Wortgruppe bezeichnet. Alla breve Im heutigen Sinne ist damit ein gerader Takt gemeint, bei dem statt der üblichen Viertelnoten die halben Noten zur Zählzeit werden. An die Stelle des 4⁄ 4-Takts … Allegretto Allegretto (italienisch; etwas schnell, etwas bewegt, munter, heiter, fröhlich) ist eine musikalische Tempobezeichnung. Als Diminutiv von Allegro fordert … Allegro (Musik) Allegro (italienisch; „rasch, munter, heiter, fröhlich“) ist eine musikalische Vortragsbezeichnung, die seit dem frühen 17. Jahrhundert für eine lebhafte … Andante Andante (italienisch für „gehend“) ist eine musikalische Vortragsbezeichnung, die ein mäßig langsames Tempo („ruhig gehend“, „ruhig“ oder „gehend“) … Tempo (Musik) Zur genaueren Fixierung der Tempi erfand Johann Nepomuk Mälzel um 1815 das Metronom, mit dem der Grundschlag hör- und sichtbar gemacht werden konnte. Die … Largo (Musik) Largo (italienisch für „breit“) ist eine musikalische Vortragsbezeichnung. Als Tempovorschrift ist Largo seit dem frühen 17. Jahrhundert nachweisbar. Ostinato Ein Ostinato (lateinisch obstinatus, hartnäckig, eigensinnig) ist in der Musik eine sich stetig wiederholende musikalische Figur, sei es eine Melodie, … Pizzicato Pizzicato [pitːsiˈkaːto] (von ital. „gezwickt“), im Deutschen auch Pizzikato, ist eine Spielweise auf Streichinstrumenten der Violinfamilie, bei der die … Portato Dabei werden die aufeinander folgenden Töne deutlich voneinander getrennt, jedoch anders als beim staccato nur minimal unterbrochen. Die Anweisung portato …