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Limestürme in der Wachau
Die Limestürme in der Wachau gehörten zum römischen Limes Noricus im heutigen Österreich, Bundesland Niederösterreich, Bezirk Krems, Gemeinde Rossatz-Arnsdorf.
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Überblick und Bedeutung
Die Limestürme in der Wachau waren römische Wach- und Verteidigungsanlagen am Limes Noricus, der Nordgrenze der Provinz Noricum. Sie liegen im heutigen Niederösterreich in der Gemeinde Rossatz-Arnsdorf und gehören seit 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe Donaulimes. Bekannt sind vier Anlagen: die Burgi von Bacharnsdorf und St. Lorenz sowie die Wachtürme Rossatz-Windstallgraben und St. Johann im Mauerthale. Ein Burgus ist ein kleiner befestigter Wach- oder Wehrturm.
Die Türme überwachten das südliche Donauufer, Zugänge aus Seitentälern und Wege ins Hinterland. Eine durchgehende Straße am Ufer fehlte teilweise bis ins Mittelalter, weil der Dunkelsteinerwald stellenweise bis an die Donau reichte und flache Uferbereiche regelmäßig überschwemmt wurden. Die römische Heerstraße verlief deshalb über die Höhen des Dunkelsteinerwaldes von Mautern über Bergern, Schenkenbrunn und Aggsbach Dorf nach Melk, wo sie in die Limesstraße einmündete. Stichstraßen führten durch Täler zu den Wachtürmen am Ufer. Die Anlagen standen in Sichtweite zueinander, sodass vermutlich optische Signale entlang der Turmkette bis zu einem Kastell weitergegeben werden konnten.
Alle Anlagen waren Steinbauten. Ihre Besatzungen könnten zu den Limitanei gehört haben, also zu den spätantiken Grenztruppen; diese Zuordnung ist jedoch unsicher. Mehrere Türme wurden nach dem Ende der römischen Herrschaft weitergenutzt. Teile von St. Lorenz und St. Johann gingen später in Kirchenbauten ein.
Der besonders gut erhaltene Wehrturm
Der Burgus von Bacharnsdorf gehört zu den besterhaltenen römischen Baudenkmälern der Provinz Noricum. Er liegt etwa 13 km flussaufwärts von Mautern, heute rund 70 m vom Donauufer entfernt. Seine etwas zurückgesetzte Lage schützte ihn vor Hochwasser. Zugleich überwachte er das Donauufer und den Zugang zum Kupfertal. Durch dieses Tal verlief eine römische Geleisstraße, die die Wachau mit der Reichsstraße zwischen Cetium (St. Pölten) und Namare (Melk) verband.
Der annähernd quadratische Turm maß etwa 12,2 × 12,4 m. Seine Fundamente waren rund 1,5 m, das aufgehende Mauerwerk etwa 1,6 m breit und verjüngte sich nach oben. Die mehr als 9 m hoch erhaltene Südmauer zeigt, dass der Bau zwei Stockwerke, aber keinen Keller besaß. Abdrücke von Balkenköpfen belegen die Zwischendecken. Der Eingang befand sich wahrscheinlich im Norden und im Erdgeschoss. Im ersten Stock lagen an den Seiten jeweils zwei Schlitzfenster, im zweiten Stock je zwei große Rundbogenfenster. Vermutlich diente das Erdgeschoss als Vorratsraum, der erste Stock als Unterkunft und der zweite als Wachstube. Wahrscheinlich schloss ein zeltförmiges, mit Ziegeln gedecktes Dach den Turm ab. Eine umgebende Wallanlage wurde nicht festgestellt.
Der Burgus wurde vermutlich um 370 n. Chr. während der Grenzsicherungsmaßnahmen Kaiser Valentinians I. durch Soldaten der milites auxiliares Lauriacenses errichtet. Genutzt wurde er bis ins Hochmittelalter. Untersuchungen von 1970 bestätigten anhand von Keramik den römischen Ursprung; 1985 wurde die Anlage aufgenommen, anschließend saniert und konserviert. Antike Schriftquellen oder Inschriften zu diesem Turm sind nicht bekannt.
Weitere Wachanlage am Donauufer
Der frei zugängliche Wachturm Rossatz-Windstallgraben liegt ungefähr 6 km flussaufwärts von Mautern an der Bundesstraße 33. Er wurde 1952 beim Straßenausbau entdeckt, zehn Jahre später ausgegraben und 1992 restauriert und konserviert.
Der quadratische spätantike Turm maß etwa 9 × 9 m und hatte 1,2 m starke Mauern in Gussmauertechnik. Der Artikel nennt daneben eine Fläche von rund 12,4 m²; diese Angabe stimmt rechnerisch nicht mit den genannten Seitenlängen überein. Der Bau entstand über einem kleineren Vorgängerbau aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Große Teile der Mauern wurden zerstört; an der Südwestecke blieb aufgehendes Mauerwerk bis zu 1,5 m, an der Südostecke ein etwa 1 m hoher Rest erhalten. Ein möglicher Wehrgraben ließ sich nicht mehr nachweisen.
Ziegel, die durch Hitze gesprungen waren, sprechen für eine Errichtung im späten 4. Jahrhundert und eine spätere Zerstörung durch Brand. Der obere Abschluss bestand vermutlich aus einem Ziegeldach. Eine Fibel und ein Armreif belegen eine Nutzung noch im 5. Jahrhundert. Mauerreste auf der Ostseite weisen außerdem auf eine Weiterverwendung vom Hochmittelalter bis in die frühe Neuzeit hin.
Anders als die benachbarten Anlagen stand dieser Turm in der Hochwasserzone. Vermutlich war diese Lage nötig, um den Sichtkontakt zum westlich gelegenen Burgus Bacharnsdorf zu sichern. Die Besatzung konnte damit die Donaugrenze, die im Hinterland verlaufende Straße zwischen Mautern und Melk sowie den durch den Windstallgraben führenden Zugang über den Dunkelsteinerwald kontrollieren. Nach einer in der Forschung vertretenen Auffassung sollte sie außerdem eine Umgehung des Kastells Favianis in Mautern verhindern.
In Kirchen erhaltene Türme
In St. Lorenz sind Reste eines spätantiken Burgus in die kleine Kirche am rechten Donauufer eingebaut. Das nördliche, turmartige Gebäude enthält antike Mauerteile; die nördliche Mauer des Kirchenschiffs ist zugleich die ältere Südmauer des Pfarrhofes und des Burgus. Ein sichtbarer Abschnitt liegt an der Westseite zwischen Hausdach und Kirche. Die genaue Zeitstellung der Anlage ist unbekannt; die Übersicht des Artikels nennt unsicher das 4./5. Jahrhundert.
Auch südlich der Kirche von St. Johann im Mauerthale wurde ein quadratischer Burgus nachgewiesen. Er stand am Eingang zum Mauertal und sicherte vermutlich eine Landzunge am südlichen Donauufer sowie den Zugang zu einer Straße, die nach Süden auf die Höhen des Dunkelsteinerwaldes führte. Oliver Fries erkannte 2015 bei bauhistorischen Untersuchungen umfangreiche spätantike Mauerstrukturen im Kirchenbau.
Nach der ausführlichen Baubeschreibung hatte der Turm Seitenlängen von etwa 12,40 m, 1,60 m starke Erdgeschossmauern und eine erhaltene beziehungsweise erschließbare Höhe von mehr als 8 m. Er bestand mindestens aus Erd- und Obergeschoss. Das geschützte Erdgeschoss hatte wahrscheinlich nur kleine Schlitzfenster; an der Nordseite des Obergeschosses befanden sich zwei Rundbogenfenster. Die einleitende Übersicht nennt für St. Johann dagegen eine Größe von 17,5 × 17,5 m. Damit enthält der Artikel widersprüchliche Maßangaben.
Erhalten blieben antike Teile in der gesamten Südmauer des romanischen, im 11. Jahrhundert errichteten Langhauses sowie in der Nord- und Ostmauer des gotischen Turmes aus dem 14. Jahrhundert. Zwei später zugemauerte Rundbogenfenster sind den Fenstern des Burgus Bacharnsdorf sehr ähnlich. Baufugen sowie Unterschiede in Mauerstruktur und Bautechnik grenzen die antiken Teile vom mittelalterlichen Bau ab. Die hochmittelalterliche Übermalung der früheren Fensterfaschen deutet darauf hin, dass der Burgus damals noch bis zum zweiten Obergeschoss erhalten war. Die Einbindung des älteren Wehrbaus erklärt wahrscheinlich auch, warum das Kirchenschiff ungewöhnlicherweise nach Norden statt nach Osten ausgerichtet ist.
Schutz der Fundstellen
Die Anlagen gelten nach dem Österreichischen Denkmalschutzgesetz als Bodendenkmäler. Nachforschungen und das gezielte Sammeln von Funden ohne Genehmigung des Bundesdenkmalamtes sind strafbar. Zufällig entdeckte archäologische Gegenstände wie Keramik, Metall oder Knochen müssen der Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes gemeldet werden. Dasselbe gilt für alle Maßnahmen, die in den Boden eingreifen.