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Limes Arabicus

Der Limes Arabicus oder Limes Orientalis, auch Limes Arabiae et Palaestinae, war eine ca. 1500 km lange Verteidigungslinie (Limes) des römischen Reichs.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Funktion
  2. 2. Bedeutung im Grenzraum
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Aufbau und Wege
  5. 5. Wichtige Stationen des Verlaufs
  6. 6. Erforschung

Kern und Funktion

Der Limes Arabicus, auch Limes Orientalis oder Limes Arabiae et Palaestinae genannt, war eine etwa 1500 km lange Verteidigungslinie des Römischen Reichs. Sie verlief vom Norden Syriens bis in den Süden Palästinas; im südlichen Bereich wurde sie auch Limes Palaestinae genannt. Anders als etwa der Hadrianswall war sie keine durchgehende Mauer, sondern bestand aus vielen einzelnen militärischen Anlagen wie Legionslagern, Kastellen, kleineren Befestigungen und Wachtürmen. Heute liegen die Reste auf dem Gebiet von Jordanien, Syrien und Irak.

Der Name Limes Arabicus ist modern. Ein antiker Name für diesen Grenzabschnitt ist nicht bekannt. Wichtig war die Grenze, weil sie über mehrere Jahrhunderte den östlichen Rand der römischen Provinz Syria markierte und den römisch kontrollierten Raum von Gebieten trennte, in denen vielfach seminomadische Wüstenvölker lebten. Sie war zugleich eine wirtschaftliche Grenze: Westlich davon lag das Gebiet, in dem ertragreicher Ackerbau möglich war und in dem römische Truppen versorgt werden konnten. Östlich davon begann überwiegend Wüstengebiet. Heute befindet sich ein großer Teil des Limes Arabicus in reiner Wüste.

Bedeutung im Grenzraum

Vorläufer des Limes Arabicus entstanden bereits während der römischen Eroberung Syriens im 1. Jahrhundert v. Chr. Ein systematischer Ausbau begann aber erst im 2. Jahrhundert n. Chr. Die Verteidigungslinie schützte nicht nur militärisch, sondern grenzte auch den für Rom besonders wichtigen Wirtschaftsraum ab. Rom konnte vor allem dort dauerhaft Macht ausüben, wo Landwirtschaft, Städte und Versorgungswege ausreichend stabil waren.

Nach Norden schloss sich die mesopotamische Grenzzone zwischen dem römischen und dem parthisch-persischen Machtbereich an. Diese nördliche Zone wird im Artikel als der eigentliche Limes Orientalis bezeichnet. Besonders in der Spätantike wurden dort zahlreiche Kastelle, Burgi und Wachtürme errichtet. Ein Kastell war eine befestigte Militäranlage, ein Burgus ein kleiner befestigter Wacht- oder Wehrturm. Diese Anlagen dienten der Kontrolle von Wegen, Wasserstellen und Bewegungen im Grenzgebiet.

Historische Entwicklung

Der Beginn der römischen Eroberungen in Syrien wird mit einem Feldzug des Feldherrn Pompeius im Jahr 64 v. Chr. verbunden. In der Kaiserzeit entwickelte sich die Provinz Syria zu einer der wohlhabendsten Provinzen des Imperiums. Dieser Reichtum machte sie für verschiedene Gegner interessant, darunter Nomaden, Parther und Perser. Deshalb wurden Verteidigungsanlagen notwendig.

Besonders in der Spätantike wurde der Ausbau verstärkt. In dieser Zeit standen die Römer in der Region den persischen Sassaniden gegenüber, außerdem arabischen Verbänden, die von ihnen abhängig waren, besonders den Lachmiden, sowie den Ghassaniden. Die Zahl der Befestigungen wurde erhöht, und ältere Anlagen wurden mehrfach verstärkt. Der Artikel nennt dafür besonders die Kaiser Anastasios I. und Justinian I.

Westlich des Limes Arabicus lag römisches Gebiet mit der Dekapolis, einem Städtebund beziehungsweise einer Städtegruppe, zu der Städte wie Gadara und Gerasa gehörten. Eine wichtige Stadt am Euphrat war Dura Europos. Die Römer eroberten sie vermutlich um 165 und gliederten sie um 200 endgültig in ihr Reich ein. Im Jahr 256/7 wurde Dura Europos endgültig von den Sassaniden erobert und zerstört. Mit der islamischen Expansion des 7. Jahrhunderts verlor der Limes Orientalis seine Bedeutung.

Aufbau und Wege

Zum Limes Arabicus gehörten Befestigungsanlagen unterschiedlicher Größe: Legionslager für größere Truppenverbände, Kastelle, kleinere militärische Posten und einige hundert Wachtürme. Verbunden waren sie durch die Strata Diocletiana und durch ein sekundäres Wegenetz. Die Strata Diocletiana war eine wichtige Militärstraße, die teilweise bereits in flavischer Zeit angelegt worden war. In der Wüste bestanden die Straßen aus etwa zwölf Meter breiten Erdstraßen.

Kleinere Lager wurden bevorzugt auf kleinen Hügeln errichtet, damit sie das Gelände besser überblicken konnten. Ihre Abstände betrugen ungefähr 30 römische Meilen. Eine römische Meile entspricht etwa 1482 Metern. Dadurch lagen viele Posten in regelmäßigen Entfernungen voneinander und konnten Wege, Grenzbewegungen und Versorgungspunkte überwachen.

Wichtige Stationen des Verlaufs

Der spätantike Limesabschnitt begann in der nördlichsten Festung Singara, südlich des Dschabal Sindschar im heutigen Irak. Ab Sura, einem spätantiken Legionslager am Euphrat, verlief der Limes zeitweise entlang der Strata Diocletiana. Sura lag 25 km westlich von Ar-Raqqa in Flussnähe beim Dorf al-Mansura.

Von dort führte die Linie über mehrere Stationen, darunter das Kleinkastell Tetrapyrgium westlich der Straße vom Euphrat Richtung Resafa, außerdem Resafa, Palmyra und weitere Militärstationen bis zum Legionslager Oriza/Oresa, dem heutigen Tayyibe. Weiter südlich folgte unter anderem das Legionslager Bostra im Hauran. Danach kamen weitere Kleinkastelle, Wasserstellen und Wachtürme.

Im heutigen Jordanien nennt der Artikel mehrere kleinere Kastelle und Lager: Qasr al-Hallabat, 50 km östlich von Amman; Khirbat az-Zuna, 42 km südlich von Amman; Praetorium Mobeni, 15 km nördlich von el-Lejjun; das Legionslager Betthorus bei el-Lejjun, 20 km östlich von Kerak; das Kastell Dajaniya, etwa 45 km nördlich von Maʿan; und das Legionslager Odruh, 22 km östlich des Wadi Musa. Der Endpunkt war das Kastell von Aila, dem heutigen Aqaba, am Roten Meer.

Erforschung

Die Erforschung des Limes Arabicus wurde wesentlich durch Luftbildarchäologie und archäologische Geländeprojekte geprägt. Der Luftbildarchäologe Antoine Poidebard machte in den 1930er und 1940er Jahren zahlreiche Aufnahmen des Limes in Syrien. Luftbildarchäologie bedeutet, dass archäologische Spuren aus der Luft erkannt und dokumentiert werden, etwa durch Fotos von Geländestrukturen.

1938/39 beschäftigte sich Aurel Stein mit dem Limes Arabicus. Von 1980 bis 1989 untersuchte S. Thomas Parker im Rahmen seines Limes Arabicus Project einen Teilbereich in Jordanien. Michaela Konrad befasste sich mit der späten Phase im weiteren Umland von Resafa. Ein Überblicksbuch zum Limes in Jordanien und Israel veröffentlichte Hans-Peter Kuhnen im Jahr 2018.

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