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Kommunionspendung in der Orthodoxen Kirche

Die Kommunionspendung in der Orthodoxen Kirche ist die Art und Weise, wie den Gläubigen in dieser Konfessionsfamilie das Heilige Abendmahl unter beiderlei …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Voraussetzungen
  2. 2. Entwicklung der Kommunionspendung
  3. 3. Grundformen im byzantinischen Gottesdienst
  4. 4. Kommunion von Diakon und Laien
  5. 5. Unterschiede in orientalisch-orthodoxen Kirchen

Bedeutung und Voraussetzungen

Die Kommunionspendung in der Orthodoxen Kirche bezeichnet die Art, in der Gläubige das Heilige Abendmahl empfangen. Es wird unter beiderlei Gestalt gereicht, also als konsekriertes – für die Feier geheiligtes – Brot und als konsekrierter Wein. Die westkirchliche Entwicklung, Laien die Kelchkommunion vorzuenthalten, wurde in der Orthodoxie nicht vollzogen.

Voraussetzung für den Kommunionempfang ist eine intensive Vorbereitung durch Beichte, Absolution, Gebet und Fasten, insbesondere eucharistische Nüchternheit. Interkommunion, also der gemeinsame Kommunionempfang mit Angehörigen anderer Konfessionen, ist nicht möglich. Orthodoxe Christen können die Eucharistie jedoch betend mitfeiern, ohne selbst zu kommunizieren; die Teilnahme gilt deshalb nicht als unvollständig, wenn kein Abendmahlsempfang stattfindet.

Entwicklung der Kommunionspendung

In der Alten Kirche empfingen Laien das konsekrierte Brot in die Hand. Vorher verneigten sie sich tief und hielten die rechte Handfläche nach oben, während die linke Hand darunterlag. Der Priester legte eine Brotpartikel in die rechte Hand, die der Empfänger sofort darum schloss. Aus Syrien ist überliefert, dass Gläubige mit dem Brot ihre Augen berührten, um sie zu segnen; andere östliche Autoren empfahlen, das Brot zu küssen. Bis ins 6. Jahrhundert nahmen Laien das konsekrierte Brot außerdem in einem Behältnis mit nach Hause, bewahrten es dort auf und aßen es an einem der folgenden Tage.

Im 9. Jahrhundert enden in Ost und West die literarischen Zeugnisse für die Handkommunion der Laien. Sie wurde nun zu einem Vorrecht des Klerus, während man Laien die Brotpartikel auf die Zunge legte. Den ersten Hinweis auf die Intinktion – das Verbinden von Brot und Wein – mithilfe eines Löffels enthalten die Kanones der 861 von Photios einberufenen Synode von Konstantinopel. Dort erscheint der Löffel neben Diskos und Kelch bereits selbstverständlich als liturgisches Gerät. Seine griechische Bezeichnung λαβίς (lavís) bedeutet eigentlich „Zange“. Sie bezieht sich auf Jesaja 6,6: Ein Engel nimmt mit einer Zange eine glühende Kohle und berührt damit die Lippen des Propheten; dieser Vers wurde auf die Kommunionspendung übertragen.

Die Löffelkommunion setzte sich im Osten zunächst nicht überall durch. Humbert berichtet, im Patriarchat von Jerusalem sei der eucharistische Löffel nicht üblich gewesen. Dort erhielten die Gläubigen zuerst eine Partikel des konsekrierten Brotes und anschließend den Kelch.

Grundformen im byzantinischen Gottesdienst

Im byzantinischen Ritus empfangen Bischöfe, Priester und Diakone Brot und Wein getrennt. Das Brot erhalten sie als Handkommunion. Laien empfangen dagegen Brot und Wein miteinander vermischt aus einem Kommunionlöffel.

Auch kleine Kinder kommunizieren, weil sie getaufte Christen sind. Säuglinge erhalten nur den konsekrierten Wein. Kleine Kinder sind von den strengen Fastenregeln befreit; im Erwachsenenalter empfangen Laien die Kommunion daher wesentlich seltener als in ihrer Kindheit. Die heute übliche Form der Laienkommunion war ursprünglich nur für kleine Kinder und Kranke vorgesehen. Die Kommunion des Diakons bewahrt dagegen die alte Form, in der früher auch Laien kommunizierten.

Kommunion von Diakon und Laien

Der Diakon legt die geöffnete rechte Hand kreuzweise über die linke. Der Priester legt darauf eine Partikel des konsekrierten Brotes und spricht, dass dem namentlich genannten Diakon der Leib Jesu Christi „zur Vergebung seiner Sünden und zum ewigen Leben“ gespendet werde. Der Diakon küsst die spendende Hand und die rechte Wange des Priesters. Hinter dem Altar wartet er mit dem Brot auf seiner Handfläche, bis die konzelebrierenden Priester und der Zelebrant ebenfalls Brot empfangen haben; danach kommunizieren alle Liturgen gemeinsam. Der Priester trinkt dreimal aus dem Kelch und reicht ihn anschließend dem Diakon, der ebenfalls dreimal trinkt. Dabei werden entsprechende Spendeworte über das Blut Jesu Christi gesprochen. Nach dem Abwischen und Küssen des Kelches spricht der Priester: „Dies hat deine Lippen berührt; deine Übertretungen sind hinweggenommen und deine Sünden getilgt.“

Für die Laien zerbricht der Priester die mit NI KA bezeichneten Teile des „Lammes“ – des eucharistischen Brotes – in so viele Stücke, wie Kommunikanten anwesend sind, und gibt sie in den Kelch. Danach bedeckt er den Kelch mit dem Kommuniontuch und legt den Löffel darauf. Die mittlere, „königliche“ Tür der Ikonostase wird geöffnet. Dies versinnbildlicht den weggewälzten Stein vom Grab Christi und seine Auferstehung. Der Diakon erhebt den Kelch in der Tür und ruft: „Mit Gottesfurcht, Glauben (und Liebe), tretet heran!“ Die Gemeinde oder der Chor antwortet: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Gott, der Herr, ist uns erschienen.“

Die Kommunikanten machen eine Proskynesis, also einen Kniefall, legen die Hände über der Brust kreuzweise übereinander – rechts über links – und treten nacheinander heran. Sie nennen deutlich ihren christlichen Vornamen und öffnen den Mund. Der Priester nennt sie „Knecht“ beziehungsweise „Magd Gottes“ und spendet ihnen Leib und Blut Christi mit dem Löffel „zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben“. Der Diakon hält ein Tuch unter Kelch und Kinn und wischt anschließend die Lippen ab.

Nach dem Empfang küsst der Kommunikant den Fuß des Kelches und geht ohne Verneigung und Kreuzzeichen zu einem Tisch. Dort stehen mit Wein vermischtes warmes Wasser und Prosphoren, also liturgische Brote, bereit. Der Kommunikant trinkt den Wein und isst eine Prosphore in schweigendem Gebet.

Unterschiede in orientalisch-orthodoxen Kirchen

In den orientalisch-orthodoxen Kirchen ähnelt die Kommunionspendung meist dem byzantinischen Ritus. Ausnahmen bilden besonders die Apostolische und Katholische Assyrische Kirche des Ostens sowie die Koptisch-orthodoxe Kirche.

Bei den Syrern nimmt der Zelebrant zunächst mit einem kleinen Löffel eine in Wein eingetauchte Brotpartikel und danach mit demselben Löffel etwas konsekrierten Wein. Anwesende Kleriker und der Diakon erhalten ebenfalls in Wein eingetauchte Brotpartikel auf dem Löffel. Bei Laien wird dagegen kein Löffel verwendet: Der Priester taucht die Brotpartikel in den Wein und legt sie ihnen mit der Hand in den Mund.

Bei den Armeniern isst der Priester zunächst das konsekrierte Brot und trinkt danach aus dem Kelch. Alle anderen Kommunikanten erhalten in Wein eingetunkte Brotpartikel direkt aus seiner Hand in den Mund; auch hier kommt kein Löffel zum Einsatz.

In der Assyrischen Kirche des Ostens ist der eucharistische Löffel unbekannt. Brot und Wein werden getrennt empfangen, und sowohl Kleriker als auch Laien trinken aus dem eucharistischen Kelch. In der Koptisch-orthodoxen Kirche kommunizieren die Kleriker auf dieselbe Weise. Den Laien wird der Kelch jedoch nicht unmittelbar gereicht; sie erhalten den Wein mit einem eucharistischen Löffel. Die Äthiopische Orthodoxe Kirche verwendet die gleiche Form der Kommunionspendung.

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