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Kommensalismus
Bei engem räumlichem Zusammenleben wird der gebende Organismus Wirt und der sich miternährende Kommensale genannt. Dem Wirt entstehen keine Vor- oder Nachteile.
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Definition und Einordnung
Kommensalismus ist eine Wechselbeziehung zwischen Individuen verschiedener Arten, bei der eine Art einen Vorteil hat, während die andere weder einen Vor- noch einen Nachteil erfährt. In der ökologischen Interaktionsmatrix wird diese Beziehung als (+/0), also positiv/neutral, dargestellt. Weil mindestens ein Partner profitiert, gehört Kommensalismus zur Probiose, einer für mindestens einen Beteiligten vorteilhaften Beziehung.
Ursprünglich bezeichnete Kommensalismus eine Ernährungsbeziehung: Ein Kommensale ist ein „Mitesser“, der an der Nahrung eines Organismus einer anderen Art teilhat, ohne ihn zu schädigen. Bei engem räumlichem Zusammenleben heißt der gebende Organismus Wirt. Der Kommensale nutzt meist Abfallstoffe oder Nahrungsüberschüsse des Wirtes und entzieht ihm keine lebensnotwendigen Substanzen. Häufig ist der Kommensale vom Wirt abhängig.
In der erweiterten Definition umfasst der Begriff auch Beziehungen, die nicht trophisch, also nicht durch Ernährung, bestimmt sind. Entscheidend sind dann ausschließlich die Auswirkungen auf beide Arten, nicht der zugrunde liegende Mechanismus. Von sechs möglichen Wirkungspaaren der Interaktionsmatrix ist 0/0 der Sonderfall, dass die Arten überhaupt nicht miteinander interagieren. Bei Säugetieren werden außerdem Arten als Kommensalen bezeichnet, die für ihre Ernährung direkt vom Menschen und seinen Vorräten abhängig sind.
Mikroorganismen des Menschen
Beim Menschen gelten Mikroorganismen als Kommensalen, wenn sie bestimmte Lebensräume des Körpers besiedeln. Ektokommensalen leben auf der Körperoberfläche, Endokommensalen im Körper. Zusammen bilden sie im jeweiligen Bereich die Normalflora.
Dazu gehören:
- die je nach Körperregion unterschiedliche Hautflora,
- die Mundflora; im Bereich der Zähne schützt sie allerdings nicht vor säurebildenden, Karies verursachenden Mikroorganismen,
- die physiologische Besiedlung des oberen Atemtrakts,
- die je nach Darmabschnitt unterschiedlich verteilte Darmflora,
- die bei Frauen altersabhängig zusammengesetzte Scheidenflora.
Die Einordnung ist nicht immer eindeutig. Viele dieser Mikroorganismen schaffen ein Milieu, das den Menschen schützt; ein Ungleichgewicht der Flora kann gesundheitliche Probleme verursachen. In solchen Fällen liegt teilweise Mutualismus vor, also eine Beziehung, von der beide Seiten profitieren. Streng genommen zählen diese Mikroorganismen dann nicht zu den Kommensalen.
Beispiele aus der Tierwelt
Aasfresser in Steppen und Wüsten, die größeren Jägern folgen und deren Nahrungsreste nutzen, sind ein typisches Beispiel. Der Aasfresser profitiert, während der Jäger normalerweise nicht beeinflusst wird. Bei Nahrungsknappheit oder massenhaftem Auftreten können Kommensalen jedoch zu indirekten Konkurrenten werden.
Auch die Nutzung verlassener Wohnstätten gehört zum Kommensalismus. Spechte bauen jedes Jahr neue Bruthöhlen. Später werden die verlassenen Höhlen von anderen Höhlenbrütern wie Staren oder Käuzen sowie von Kleinsäugern wie Siebenschläfern genutzt. Die späteren Bewohner erhalten einen geeigneten Unterschlupf, ohne dem ursprünglichen Erbauer zu nützen oder zu schaden.
Der Bitterling legt seine Eier in Muscheln wie der Großen Flussmuschel und der Großen Teichmuschel ab. Die Muschel dient zugleich als Kinderstube für die Larven. Der kleine Karpfenfisch ist zwingend auf die Muscheln angewiesen; diese profitieren nicht, werden aber auch nicht geschädigt.
Transport von Pflanzensamen
Bei Pflanzen zeigt sich Kommensalismus beispielsweise bei der Verbreitung der Samenköpfe von Kletten. Ihre langen Stacheln besitzen Hakenspitzen und bleiben im Fell vorbeikommender Tiere oder an der Kleidung von Menschen hängen. An einem anderen Ort fallen die Samenköpfe ab oder werden entfernt. Die Klette profitiert dadurch von der Verbreitung ihrer Samen, während der Träger im beschriebenen Fall keinen Vor- oder Nachteil hat. Eine solche zeitweilige Nutzung eines anderen Organismus als Transportmittel wird Phoresie genannt.