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Kollokationswörterbuch
Das Kollokationswörterbuch ist ein innovativer Wörterbuchtyp, der auf die Darstellung von Kollokationen (auch: Wortkombinationen oder Fügungen) spezialisiert …
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Gegenstand und Funktion
Ein Kollokationswörterbuch ist ein Wörterbuchtyp, der auf die Darstellung von Kollokationen spezialisiert ist. Kollokationen sind typische Wortkombinationen oder Fügungen. Entscheidend ist ihre Gerichtetheit: Eine Kombination besteht aus einer Basis und einem Kollokator. Die Basis ist das Wort, von dem aus die Verbindung betrachtet wird; der Kollokator ist das damit verbundene, in seiner Auswahl eingeschränkte Wort.
Kollokationswörterbücher dienen vor allem dazu, passende Formulierungen zu finden. Sie sind besonders für die Textproduktion und für das Erlernen des Wortschatzes wichtig. Je nach Aufbau können sie außerdem dabei helfen, Bedeutungsprofile von Wörtern genauer zu beschreiben oder eine vermutete Formulierung zu überprüfen.
Typen der Kollokationswörterbücher
Der Haupttyp ist das basisbezogene Kollokationswörterbuch. Es führt überwiegend Substantive als Stichwörter auf und nennt dazu passende Adjektive, sogenannte Epitheta, sowie Verben, bei denen das Substantiv Subjekt oder Objekt ist. Adjektiv- und Verbartikel werden vor allem verwendet, um die sie bestimmenden Adverbien anzugeben. Die wichtigste Funktion dieses Typs ist die Formulierungshilfe bei der Textproduktion.
Kollokatorbezogene Wörterbücher sind selten. Sie stellen den Kollokationsradius von Adjektiven und Verben dar. Dadurch soll deren oft schwieriges Bedeutungsprofil genauer beschrieben werden. Ihre Hauptfunktion ist die linguistische Erkenntnis. Als Nebenfunktion ermöglichen sie, eine Formulierungshypothese zu überprüfen oder das Bedeutungs- und Verwendungsmuster eines Wortes systematisch zu lernen.
Mischtypen gibt es in zwei Formen. Bei der ersten werden Kollokationen wegen der Nichtberücksichtigung ihrer Gerichtetheit zufällig auf Basis- und Kollokatorartikel verteilt. Bei der zweiten wird der Mischtyp bewusst gewählt, um die praktische Formulierungshilfe und die linguistische Beschreibung miteinander zu verbinden.
Entwicklung und spanischer Sonderfall
Basisbezogene Kollokationswörterbücher des Lateinischen sind seit dem Aufkommen des Buches bekannt. Eine zentrale frühe Form waren Epitheta-Wörterbücher: Zu Substantiven wurden schmückende Adjektive angegeben. Das französische Wörterbuch Les Epithetes von 1571 war das erste einsprachige Wörterbuch des Französischen. Französische Epithetawörterbücher erschienen danach in jedem Jahrhundert. Eine deutsche Epithetasammlung findet sich 1617 in Johann Rudolph Sattlers Teutschen Orthographey und Phraseologey (S. 419–483).
Das moderne deutsche Kollokationsbewusstsein wurde wesentlich durch Albrecht Reum und seine „Aufsatzwörterbücher“ geprägt. Dazu gehören sein französischer lexikalischer Führer von 1910 und sein englisches Stilwörterbuch von 1928–1931. Daraus ging 1934 das Duden Stilwörterbuch hervor, das heute in 10. Auflage vorliegt; 1966 wurde es in Leipzig kopiert. Igor Alexandrowitsch Meltschuk entwickelte sein Bedeutung-Text-Modell, aus dem 2007 das Lexique actif du français hervorging, unter anderem aus Überlegungen zu Reums englischem Stilwörterbuch. Ein Beispiel für unterschiedliche sprachliche Kollokationen ist deutsches „starker Regen“ gegenüber englischem „heavy rain“.
Der Terminus Kollokation stammt aus Großbritannien. Er geht auf Harold Palmers (1877–1949) Second Interim Report on English Collocations von 1933 zurück und wurde auch in seiner Grammar of English Words von 1938 verwendet. John Rupert Firth machte den Ausdruck bekannt; sein Schüler Michael Halliday verbreitete ihn weiter. Das erste kleine Kollokationswörterbuch modernen Typs veröffentlichte 1971 der französische Didaktiker Robert Galisson. Ab 1980 warb Franz Josef Hausmann für basisbezogene Kollokationswörterbücher. Mit Ausnahme von Benson/Benson/Ilson 1986 erschienen solche Werke ab 2000 verstärkt: ab 2002 im englischen, ab 2004 im deutschen, ab 2007 im französischen und ab 2012 im italienischen Sprachraum. Für das Portugiesische ist Pöll 2000 angegeben.
Eine Sonderstellung haben Ignacio Bosques spanische Wörterbücher. 2004 begann er mit einem großen kollokatorbezogenen Wörterbuch, weil er die semantische Ausfaltung der Kollokatoren beschreiben wollte. 2006 entwickelte er daraus ein basisbezogenes Wörterbuch mit integrierter kollokatorbezogener Beschreibung. Sein Diccionario combinatorio práctico del español contemporáneo ist daher ein Mischtyp. Es enthält 14.000 Artikel und 400.000 Kollokationen; diese Zahlen sind nicht mit denen eines basisbezogenen Wörterbuchs vergleichbar. Die Verbindung plantear un problema steht sowohl basisbezogen unter PROBLEMA als auch kollokatorbezogen unter PLANTEAR. Cascar una multa steht dagegen nur unter CASCAR und fehlt unter der Basis.
Wichtige Wörterbücher nach Sprachen
Für das Deutsche nennt die Bibliografie unter anderem das Duden. Das Stilwörterbuch, zuerst 1934, in 10., überarbeiteter und erweiterter Auflage 2017, außerdem Uwe Quasthoffs Wörterbuch der Kollokationen im Deutschen (2010) sowie Feste Wortverbindungen des Deutschen. Kollokationenwörterbuch für den Alltag von Annelies Häcki Buhofer, Marcel Draeger, Stefanie Meier und Tobias Roth (2014). Hinzu kommt das Stilwörterbuch in 2 Bänden von 1966 mit 1.286 Seiten.
Für das Englische sind besonders The BBI combinatory dictionary of English von Morton Benson, Evelyn Benson und Robert Ilson (1986; 3. Auflage 2010), das Oxford Collocations Dictionary for Students of English (2002; 2. Auflage 2009), das Macmillan Collocations Dictionary for Learners of English (2010) und das Longman Collocations Dictionary and Thesaurus (2013) aufgeführt. Historische Grundlagen bilden Palmers A grammar of English words (1938) und Reums A Dictionary of English Style (1928–1931).
Für das Französische werden unter anderem Galissons Inventaire thématique et syntagmatique du français fondamental (1971), Dominique Le Furs Dictionnaire des combinaisons de mots (2007), Mel’čuks und Alain Polguères Lexique actif du français (2007) sowie Reums Petit Dictionnaire de style à l’usage des Allemands (1910) genannt. Für das Italienische enthält die Bibliografie Vincenzo Lo Cascio: Dizionario combinatorio italiano (2013; 2 Bände, 1.392 Seiten, 6.500 Artikel und 200.000 Kollokationen), Paola Tiberiis Dizionario delle collocazioni (2. Auflage 2018) und Francesco Urzìs Dizionario delle combinazioni lessicali (2009).
Für das Spanische sind Bosques REDES. Diccionario combinatorio del español contemporáneo (2004) und das Diccionario combinatorio práctico del español contemporáneo (2006) verzeichnet. Das Portugiesische ist mit Bernhard Pölls Dicionário contextual básico da língua portuguesa. Portugiesisches Kontextwörterbuch von 2000 vertreten.