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Koinzidenz von Bedürfnissen
Die Koinzidenz der Bedürfnisse (auch Doppelkoinzidenz der Wünsche etc.) ist ein Begriff der Wirtschaftswissenschaft, der Tauschgeschäfte erklärt.
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Begriff und Bedeutung
Die Koinzidenz der Bedürfnisse, auch Doppelkoinzidenz der Wünsche genannt, ist ein Begriff der Wirtschaftswissenschaft. Sie beschreibt ein wechselseitiges Bedürfnis, das gleichzeitig am gleichen Ort zusammentrifft und dadurch einen Handel ermöglichen kann. Für einen direkten Tausch müssen zwei Personen jeweils genau das Gut besitzen, das die andere Person benötigt, und zugleich das Gut wünschen, das sie im Austausch erhalten soll. Die Diskussion betrifft daher die Wahrscheinlichkeit, dass vielfältige Wünsche und Anforderungen durch Tauschgeschäfte tatsächlich erfüllt werden.
Der Begriff „Doppelkoinzidenz der Bedürfnisse“ wurde 1875 vom englischen Ökonomen William Stanley Jevons geprägt. Das Problem erklärt, weshalb sich Tauschgeschäfte ohne ein allgemein anerkanntes Zahlungsmittel oft nur schwer verwirklichen lassen.
Praktische Umsetzung
Ein Barmusiker kann für seine Musik Alkohol und Lebensmittel erhalten. Diese Güter kann er jedoch möglicherweise nicht als Monatsmiete an den Vermieter weitergeben. Eine Doppelkoinzidenz der Wünsche liegt dagegen vor, wenn der Wohnungsvermieter den Musiker für eine Party engagiert und ihm dafür eine Monatsmiete erlässt: Der Musiker benötigt die Leistung des Vermieters, während der Vermieter die musikalische Leistung benötigt.
Ein Warentausch setzt außerdem voraus, dass die Werte vergleichbar sind und die Güter zur gleichen Zeit verfügbar sind. Frische Erdbeeren können nur gegen Weizen getauscht werden, wenn beides am selben Tag auf dem Marktplatz vorhanden ist, Qualität und Menge passen und sich eine Person findet, die tatsächlich Weizen gegen Erdbeeren tauschen möchte. Der Tausch kann innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne zustande kommen oder überhaupt nicht stattfinden.
Geld ermöglicht eine zeitliche Trennung der Geschäfte: Erdbeeren können verkauft werden, wenn sie reif sind; mit dem Erlös lässt sich später Weizen kaufen, wenn dieser geerntet wurde. Ein anerkanntes Zahlungsmittel kann Waren dadurch „flüssiger“, also liquider, machen. Das Problem ist damit jedoch nicht vollständig gelöst. Für den Verkauf muss weiterhin jemand existieren, der das Zahlungsmittel besitzt und genau diese Waren kaufen möchte. Das kommt zwar häufiger vor als beim spezifischen Tausch zweier Güter, kann aber weiterhin einschränkend sein. In Krisensituationen kann ein Zahlungsmittel beispielsweise seine Kaufkraft verlieren und deshalb nicht notwendigerweise liquide machen.
Auch bei Erbschaften, Umzügen oder Steuerzahlungen wechseln Sachwerte häufig zu Personen, deren Bedürfnisse nicht vollständig zu diesen Gütern passen. Fehlen Geld und anerkannte Zahlungsmittel, unterliegen solche Transaktionen erneut dem Grundproblem des Tauschhandels und erfordern eine hohe Koinzidenz der Bedürfnisse.
Preisermittlung und Transaktionskosten
Beim freien Tausch von n Produkten werden n(n−1)/2 relative Preise benötigt. Bei zehn Produkten ergeben sich dadurch 45 Wechselkurse. Für jedes einzelne Tauschverhältnis müssen die Beteiligten außerdem Qualität, Transport und Lagerung berücksichtigen.
Die individuelle Abrechnung verursacht erhebliche Transaktionskosten. Dazu gehören sowohl die Kosten der Informationsbeschaffung vor dem Tausch als auch die Kosten der späteren Abwicklung. Diese Kosten entstehen auch in geldlosen Volkswirtschaften und können den Umfang und die Möglichkeiten des Tauschs stark einschränken.
Kritische Position
David Graeber sammelte in seinem Buch „Schulden: Die ersten 5000 Jahre“ Belege für die These, dass die Koinzidenz der Bedürfnisse ein Mythos sei. Er untersucht die historische Rolle von Schulden sowie den Hintergrund von Revolutionen und sozialen Umbrüchen. Dabei kritisiert er verschiedene grundlegende ökonomische Konzepte, zu denen auch die Vorstellung gehört, dass der Tauschhandel grundsätzlich an einer Koinzidenz der Bedürfnisse scheitert.