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Kloster St. Urban
Geschichte · Auf Veranlassung der Freiherren von Langenstein · Der heutige Klosterbau wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom · Am 13. April 1848 …
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Überblick und Entwicklung
Das Kloster St. Urban ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in der Gemeinde Pfaffnau im Kanton Luzern, Schweiz. Es wurde 1194 auf Veranlassung der Freiherren von Langenstein aus dem Oberaargau durch Mönche der elsässischen Abtei Lützel gegründet. Damit gehörte die Gemeinschaft zur Filiation, also zur klösterlichen Abstammungslinie, der Primarabtei Morimond. Das Kloster ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung im Kanton Luzern aufgeführt.
Im späten 13. Jahrhundert stellte das Kloster grosse Mengen Backsteine für seine zweite Anlage her. Neben einfachen rechteckigen Steinen für Wände entstanden verzierte Formstücke für Türrahmen, Pfosten, Bögen, Fensterumrahmungen, Stürze und Gesimse sowie Bodenfliesen. Ihre aufgepressten Ornamente gelten als bedeutendes schweizerisches Kunsthandwerk des 13. Jahrhunderts. Seit 1991 betreibt Richard Bucher im ehemaligen Kloster wieder eine Werkstatt zur Herstellung von Handziegeln.
Der heutige Bau entstand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch den Vorarlberger Baumeister Franz Beer und zählt zu den eindrücklichsten Beispielen barocker Baukunst in der Schweiz. Am 13. April 1848 verfügte der Kanton Luzern nach dem Tod des Abts Friedrich Pfluger die Aufhebung des Klosters und den Verkauf seiner Güter, um Kriegsschulden an die siegreichen Kantone des Sonderbundskriegs zu tilgen. Kunstschätze und die Klosterbibliothek mit der Gatterer-Sammlung gingen in Staatsbesitz über. Die Räumlichkeiten wurden später zurückgekauft; 1873 richtete man dort eine kantonale „Irrenanstalt“ ein.
Bauform der Klosterkirche
Die von 1711 bis 1715 erbaute ehemalige Klosterkirche besitzt eine Doppelturmfassade mit sieben Achsen. Das Hauptgeschoss wird durch toskanische Pilaster gegliedert; rundbogige Fenster und Nischen wechseln einander ab. Drei Portale führen in die Vorhalle. Über dem Hauptgesims liegen ein von Voluten gebildeter Giebel und ein mit Kreuz bekrönter Segmentgiebel. Die oberen Turmgeschosse sind als ungleichseitige Achtecke ausgebildet und schliessen mit steilen Hauben.
Der Innenraum ist eine Wandpfeilerkirche: T-förmige Wandpfeiler sind die wichtigsten tragenden und gliedernden Bauteile. Die Anlage umfasst zwei Querarme, einen eingezogenen Chor und ein quadratisches Altarhaus. Auf der Längsachse folgen Vorhalle, ein dreijochiger Gemeindesaal, ein dreijochiger Chor und das querrechteckige Altarhaus. Das östliche Joch von Langhaus und Chor ist jeweils querhausartig erweitert. Im Langhaus verbreitern zwei Paare gerundeter Breitkapellen den Raum.
Der ganz in Weiss gehaltene Innenraum wirkt hell und klar. Doppelpilaster an den Pfeilerstirnen und zurückgesetzte Emporen strukturieren ihn. Kapellen und Emporen sind etwa gleich hoch und mit Quertonnen gewölbt; das Langhaus hat eine Stichkappentonne. Zwei Triumphbögen markieren den Eingang zum Chor und zum Altarhaus. Der Hochaltar bildet das räumliche Ziel. Das Vorarlberger Münsterschema wird durch Kapellenkonchen im Langhaus und ein zweites Querhaus östlich des Chors verändert.
Hochaltar, Kanzel und Chorgestühl
Der frühbarocke Hochaltar wurde in den 1660er Jahren für die Vorgängerkirche geschaffen. Seine Rahmenarchitektur ist gold- und weissfarbig. In der Mitte stehen Tabernakel und ein Altarblatt von Christoph Storer: Es zeigt eine Marienvision des heiligen Bernhard von Clairvaux mit dem heiligen Ludwig von Frankreich. Neben dem Tabernakel stehen die vier Evangelisten Johannes, Matthäus, Markus und Lukas. Gewundene Säulen flankieren das Altarblatt; darüber folgen ein gesprengter Giebel, eine Strahlenglorie und Engel. Die ebenfalls weiss-goldene Kanzel ist ein Rokoko-Werk mit Zügen des Frühklassizismus und wurde von Abt Augustin Müller gestiftet.
Das Chorgestühl entstand wohl zwischen 1700 und 1707 unter Leitung des Solothurner Bildhauers Johann Peter Frölicher (1661–1723) durch einheimische Künstler. Es gilt wegen seines Formenreichtums, seiner Bildhauerarbeit und seines ikonographischen Programms als eines der bedeutendsten barocken Chorgestühle. Seine Rückwand ist durch Säulen gegliedert, die als künstlerisch wertvollster Teil Frölicher zugeschrieben werden. Dazwischen liegen Reliefs in drei Zonen: unten Themen aus dem Alten Testament, in der Mitte Szenen aus dem Neuen Testament und oben vor allem Gleichnisse sowie Ereignisse aus der Lehrtätigkeit Christi. Klappsitze besitzen „Miserikordien“, kleine Stützen zum Anlehnen beim Stehen.
Nach der Klosteraufhebung wurde das Gestühl verkauft und gelangte über einen St. Galler Bankier und einen Irländer nach Schottland. Die Gottfried-Keller-Stiftung kaufte es 1911 zurück; Bedingung war die Wiederaufstellung am ursprünglichen Ort. Die Angaben zum Aufhebungsjahr weichen im Artikel ab: allgemein wird 1848 genannt, beim Chorgestühl 1853.
Orgel, Schule und Musikkultur
Unter Abt Malachias Glutz entstand mit dem Kirchenneubau die Orgel von Josef Bossard (1665–1748). Bereits 1714/1715 hatte Bossard eine Orgel mit acht Registern gebaut, die in das Chorgestühl integriert war. Der erhaltene Orgelaccord von 1717, also der schriftliche Bauvertrag, beschreibt eine „schöne und köstliche Orgel mit drei Manualen und 2637 Pfyffen, alle von Zinn, ausgenommen der Contrabass“. Die Disposition, also die Zusammenstellung der Register, entspricht nach der Restaurierung von 1993 mit Ausnahme von Kornett und Terzflöte im Hauptwerk weitgehend dem Stand von 1717. Die Stimmung ist nicht dokumentiert. Im Artikel wird die Orgel auch als 1721 von Joseph und Viktor Ferdinand Bossard erbaut bezeichnet; die neue Orgel von 1721 galt mit 40/III/P damals als prachtvollste Orgel der Schweiz und wurde 1993 durch Orgelbau Kuhn restauriert.
Das Klosterleben umfasste Religion, Erziehung, Kultur, Wirtschaft und Politik. Mönche und Laienbrüder betrieben Wiesen- und Ackerbau, teils mit künstlicher Bewässerung; Reben des Klosters lagen am Bielersee. Die Ziegelei produzierte auch für den Export. Im 18. Jahrhundert traten die Äbte als fürstliche Äbte auf, doch eine stärkere klösterliche Territorialherrschaft setzte sich wegen des Eingreifens eidgenössischer Orte nicht durch.
Eine Klosterschule ist bereits um 1470 belegt. Unter Abt Benedikt Pfyffer von 1768 bis 1781 wurde St. Urban zur Musterschule; 1780 war sie das erste Lehrerseminar der Schweiz. Direktor war Nivard Krauer. Volksschullehrer lernten unter anderem moderne Sprachen, freie Künste, Musik, Tanzen, Reiten, Fechten und Zeichnen. Die Blüte dauerte bis zur Resignation von Abt Karl Ambros Glutz 1813; danach bestand die Schule in angepasster Form bis 1848 fort.
Zur Musikpflege gehörten eine Bibliothek mit Musik- und Gesangsschriften, der Austausch von Musikalien und Instrumenten mit anderen Klöstern sowie das Neujahrssingen: ein Musikwettstreit mit Preisen, an dem auch Schulmeister und ihre Schüler teilnahmen. Im Festsaal wurden theatralische und konzertante Aufführungen veranstaltet; bei Abteinsetzungen kamen Singspiele zu Themen der griechischen Mythologie zur Aufführung.
Heutige Nutzung
In der Klosterkirche feiert die Pfarrei St. Urban weiterhin regelmässig Gottesdienste. Sie ist während der Öffnungszeiten frei zugänglich und individuell besichtigbar. Das Kloster beherbergt die grösste Klinik der Luzerner Psychiatrie (LUPS) und deren Hauptsitz. Zudem werden die Gebäude für Konzerte, Lesungen, Kunstausstellungen, historische Führungen, Firmenevents und die Vermietung von Räumen genutzt.