Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Klima in Deutschland
Das Klima in Deutschland gehört zur kühlgemäßigten Klimazone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima Westeuropas und dem …
Inhalt6 Abschnitte
Grundzüge des deutschen Klimas
Deutschland gehört vollständig zur gemäßigten, genauer zur kühlgemäßigten Klimazone. Es liegt im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima Westeuropas und dem kontinentalen Klima Osteuropas. Wegen seiner Lage an der Westseite Europas und in der Westwindzone wird häufig feuchte, durch den warmen Golfstrom gemilderte Meeresluft vom Atlantik herangeführt. Deshalb sind die Temperaturen besonders im Winterhalbjahr höher, als es die nördliche Lage Deutschlands erwarten ließe.
Der atlantische Einfluss nimmt von Nordwest nach Südost ab. Dadurch steigen im Osten und Südosten die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede; Ostbayern weist die stärkste Kontinentalität auf. In Landshut schwankt die mittlere Temperatur beispielsweise zwischen −1 °C im Januar und 18,1 °C im Juli (Vergleichsperiode 1970–2000).
Klimaräume und lokale Besonderheiten
Die wichtigsten regionalen Ausprägungen sind:
-
Das maritim-warme Klima betrifft vor allem West- und Nordwestdeutschland, Regionen an der Nordsee und Teile des Rheinlandes. Es hat milde Winter, gemäßigte Sommer, relativ hohe Luftfeuchtigkeit und häufig wechselhaftes, niederschlagsreiches Wetter. Typisch sind Laub- und Mischwälder.
-
Das kontinentale Klima kommt vor allem in Ost- und Südostdeutschland vor, insbesondere in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Teilen Bayerns und Baden-Württembergs südöstlich der Schwäbischen Alb. Kennzeichnend sind kalte Winter, heiße Sommer, geringere Niederschläge, trockenere Luft und größere Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten. Häufige Hochdrucklagen begünstigen Kiefernwälder und Getreideanbau.
-
Der Oberrhein bis Mannheim gehört zu den wärmsten Regionen Deutschlands. Dort sind die Sommer am heißesten, zugleich fallen beispielsweise in Freiburg 80–100 mm Niederschlag; die Region erhält über 1.700 Sonnenstunden pro Jahr. Freiburg verzeichnet deutschlandweit die meisten Tropennächte. Das Klima ermöglicht den Anbau von Wein, Feigen, Mandeln und anderen wärmeliebenden Pflanzen.
-
Der Südwesten mit Saarland, Rheinland-Pfalz, südlichem Hessen und westlichem Baden-Württemberg bildet einen Übergangsbereich. Besonders die Flussniederungen des Oberrheingrabens haben wegen der hohen sommerlichen Durchschnittstemperaturen sehr hohe Jahresmitteltemperaturen.
Zusätzlich entstehen durch Geländeformen, Höhenlagen und örtliche Bedingungen Mikroklimata. Alpen und Mittelgebirge sind kühler und niederschlagsreicher; in Hochlagen herrscht teilweise subalpines oder alpines Klima. Städte wie Berlin oder Frankfurt bilden durch dichte Bebauung und Abwärme städtische Wärmeinseln. Geschützte Flusstäler wie Mosel- und Elbtal sind wärmer, windärmer und für den Weinbau geeignet.
Klimamittel und Erwärmung
Zur Beschreibung und Bewertung des Klimas werden langjährige Mittelwerte für Messgrößen wie Temperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit verwendet. Eine Referenz- oder Normalperiode umfasst üblicherweise 30 Jahre mit Messungen möglichst am selben Standort. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verwendet insbesondere die international verbreitete Periode 1961–1990 und zusätzlich 1981–2010. Ab 2021 steht die internationale Referenzperiode 1991–2020 zur Verfügung.
Der bundesweite Gebietsmittelwert der Lufttemperatur beträgt im Jahresmittel 8,2 °C für 1961–1990 und 8,9 °C für 1981–2010. Der kälteste Monat ist der Januar mit −0,5 °C beziehungsweise 0,4 °C; der wärmste ist der Juli mit 16,9 °C beziehungsweise 18,0 °C. Im Oberrheingraben und im angrenzenden Neckartal liegen die Jahresmitteltemperaturen beispielsweise in Karlsruhe, Heidelberg und Stuttgart über 11 °C, in Oberstdorf dagegen bei 6,6 °C.
In Deutschland ist als Folge der globalen Erwärmung ein allgemeiner Temperaturanstieg festzustellen. Seit 1988 lagen bis auf 1996 und 2010 alle Jahresmitteltemperaturen über dem Mittelwert von 8,2 °C (Auszählung bis einschließlich 2019). Der alte Rekord von 9,9 °C aus dem Jahr 2000 wurde 2007 und 2015 erneut erreicht. Die Jahre 2014 und 2019 kamen auf jeweils 10,3 °C, 2018 und 2022 auf jeweils 10,5 °C und sind damit die neuen Rekordhalter. Neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen 1881 lagen zwischen 2000 und 2019 (Stand der Auszählung 2022).
Für 1881–2022 ergibt sich beim DWD ein linearer Erwärmungstrend von +1,5 °C für Sommer, Herbst und Winter sowie +1,6 °C für den Frühling. Auch phänologische Stichtage, also jahreszeitliche Entwicklungsereignisse bei Pflanzen, treten früher ein: Sie verschieben sich pro Jahrzehnt etwa 2,5 Tage nach vorn. Vorfrühling und Vollfrühling beginnen dadurch durchschnittlich rund 10 Tage früher als vor 40 Jahren.
Niederschlag, Schnee und Sonnenschein
Das Niederschlagsmaximum liegt in den meisten Regionen im Juni, in Schleswig-Holstein meist im November. Die mittlere jährliche Niederschlagshöhe beträgt 789 mm beziehungsweise 819 mm für 1981–2010. Der Februar war bisher der trockenste Monat; in den letzten 10–15 Jahren unterschritt jedoch der April teilweise sogar den Februar. Die Sommermonate sind am nassesten, wobei der Niederschlag häufig in kurzen, heftigen Gewitterschauern fällt.
Die Niederschlagsmenge reicht von weit über 1.000 mm in Alpen und Mittelgebirgen bis unter 500 mm im Regenschatten des Harzes zwischen Magdeburg, Leipzig und Erfurt. Die Luftfeuchtigkeit nimmt im Allgemeinen von West nach Ost ab. Besonders im Osten zeigt sich ein Trend zu trockenen Frühjahren, der kleinere Vegetationsbrände begünstigen kann. Von Oktober bis April fällt in höheren Lagen Schnee. Schneefall und Schneedecken werden mit abnehmendem Atlantikeinfluss von West nach Ost häufiger; zusätzlich ist die Höhenlage entscheidend. Im Zeitraum 1977–2007 gab es in Düsseldorf durchschnittlich knapp 11 Schneedeckentage pro Jahr, in Dresden 45. Die Winter 1978/79 und 2009/2010 brachten in Teilen Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns regional über 100 Schneedeckentage, während sie im Süden vergleichsweise mild und schneearm waren.
Im Winterhalbjahr ist Deutschland wegen tiefer Sonnenstände, kurzer Tage und häufiger Bewölkung oft trüb. Feuchte Meeresluft kann unter Hochdruckeinfluss lang anhaltenden Hochnebel verursachen. Bei einer Inversionswetterlage liegt schwere Kaltluft in den Niederungen unter wärmerer Luft; auf Mittelgebirgs- und Alpengipfeln kann es gleichzeitig sonnig und mild sein. Wind kann die Inversion auflösen. In Städten kann die geringe Durchmischung der Luft dann gefährlichen Smog begünstigen.
Wolkenstau an der westlichen und nordwestlichen Mittelgebirgsschwelle führt in Teilen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens, Hessens und Rheinland-Pfalz zu weniger als 1.400 Sonnenstunden jährlich. Das deutsche Flächenmittel stieg von 1.544 Sonnenstunden (1961–1990) auf 1.601 (1981–2010); für die letzten 15 Jahre werden 1.674 Sonnenstunden angegeben. Am sonnigsten sind Rügen und Usedom: Kap Arkona erreichte 1.869 Stunden, Zinnowitz zuvor 1.917. Im Juli 1994 wurden in Kap Arkona 404 Sonnenstunden gemessen.
Extreme Wetterlagen und Schäden
Stürme und Orkantiefs treten vor allem im Herbst und Winter auf und ziehen häufig über die Nordsee nach Osten. Sie betreffen besonders Norddeutschland und die nördlichen Mittelgebirge. Auch das mittlere und südliche Deutschland war betroffen, etwa durch Anatol und Lothar im Dezember 1999 sowie Kyrill im Januar 2007.
Überschwemmungen können nach intensiven Sommerregen, bei sogenannten Vb-Wetterlagen oder während einer raschen Schneeschmelze entstehen. Bei einer Vb-Wetterlage zieht ein Tief vom Atlantik südlich der Alpen über das nördliche Mittelmeer und anschließend nach Norden Richtung östliches Mitteleuropa. Über dem warmen Mittelmeer nimmt es viel Feuchtigkeit auf und kann in Österreich, Tschechien, Südostdeutschland, besonders Bayern, und Polen ergiebigen Dauerregen verursachen. Beispiele sind das Oderhochwasser 1997, das Elbehochwasser 2002, die Hochwasserlage in Bayern im Juni 2013 und das Hochwasser im Ahrtal 2021. Dürren betreffen vor allem den niederschlagsarmen Osten mit sandigen Böden, können aber auch ganz Deutschland erfassen, wie bei den Hitzewellen 2003 und 2006.
Die Gewitterhäufigkeit nimmt von Nord nach Süd zu. An den Gebirgsrändern Bayerns und Baden-Württembergs sowie am Erzgebirge sind Wolken-Erde-Blitze fünfmal häufiger als an den Küsten. Gewitter entstehen meist im Sommerhalbjahr in warmen, feuchten und instabil geschichteten Luftmassen oder beim Übergreifen atlantischer Tiefausläufer. Ihre Starkregen können Böden und Kanalisation überlasten; Hagel und Blitze verursachen zusätzliche Sach-, Ernte- und selten Brandschäden.
Deutschland liegt in der europäischen „Tornado-Allee“ von Südengland über Nord- und Ostdeutschland bis Polen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Südwestdeutschland nahe den Alpen. Die Lage zwischen maritimen und kontinentalen Klimazonen begünstigt starke Gewitter mit großen Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschieden. Im Mittel der Jahre 2020–2024 wurden jährlich 202 Tornados registriert, davon jeweils 42 durch Schäden an Gebäuden oder in der Natur bestätigt. Die vermutete Dunkelziffer liegt deutlich über 200.
Temperaturrekorde
Als tiefste jemals in Deutschland gemessene, aber offiziell nicht bestätigte Temperatur gelten −45,9 °C am Funtensee in den Berchtesgadener Alpen am 24. Dezember 2001. Der Funtensee ist ein unbewohnter Extremstandort; in seiner abflusslosen Senke kann sich über einer Schneedecke besonders kalte Luft sammeln. Der DWD nennt als offiziellen Rekord −37,8 °C, gemessen am 12. Februar 1929 in Hüll, einem Ortsteil von Wolnzach im Kreis Pfaffenhofen.
Die höchste gemessene Temperatur betrug laut Artikel 41,7 °C. Sie wurde am 28. Juni 2026 in Coschen in Brandenburg erreicht. Zuvor waren während derselben Hitzewelle 41,5 °C in Drewitz am 27. Juni 2026 und 41,3 °C in Saarbrücken-Burbach am 26. Juni 2026 gemessen worden. Diese Werte lösten den vorherigen Rekord von 41,2 °C ab, der am 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst erreicht wurde.