Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Kaskadenkette

Die Kaskadenkette oder das Kaskadengebirge (englisch Cascade Range oder Cascades) ist ein Gebirgszug vulkanischen Ursprungs, der parallel zur Westküste …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Gipfel und Schutzgebiete
  3. 3. Entstehung und Vulkanismus
  4. 4. Klima und Schnee
  5. 5. Pflanzen und Tiere
  6. 6. Menschliche Geschichte

Überblick und Lage

Die Kaskadenkette, auch Kaskadengebirge genannt, ist ein Gebirgszug vulkanischen Ursprungs im Westen Nordamerikas. Sie verläuft parallel zur Westküste und gehört zum Pazifischen Feuerring, einer Zone mit vielen Vulkanen und Erdbeben rund um den Pazifik. Der höchste Gipfel ist der Mount Rainier bei Seattle mit 4.392 m.

Die Gebirgskette ist etwa 1000 km lang und reicht von British Columbia im Norden bis nach Nordkalifornien im Süden. Das südliche Ende wurde 1933 vom U.S. Geographic Board als das Tal südlich des Lassen Peak festgelegt, das die Kaskadenkette von der Sierra Nevada trennt. Die nördliche Grenze ist weniger einheitlich, weil die geografische Bezeichnung der Kaskadenkette nicht genau mit der geologischen Definition der Kaskaden-Vulkane übereinstimmt. Manche Quellen setzen die Nordgrenze beim Mount Meager, andere beim Fraser River oder am Übergang zum Thompson Plateau; teils werden auch Gebiete mit Mount Garibaldi noch dazugerechnet.

In Washington unterscheidet man häufig Nordkaskaden, Central Cascades und Südkaskaden. Die Nordkaskaden sind stark vergletschert und enthalten unter anderem den Mount Baker und den North-Cascades-Nationalpark. Die Südkaskaden umfassen markante Vulkane wie Mount Adams, Mount Rainier und Mount St. Helens. In Oregon besteht das Gebirge aus zwei nord-südlich verlaufenden Teilen: den älteren, stärker erodierten Westlichen Kaskaden und den jüngeren, weiter östlich gelegenen High Cascades mit hohen, schneebedeckten Gipfeln wie Mount Hood, Mount Jefferson und den Three Sisters.

In der niederschlagsreichen Kaskadenkette entspringen viele Bäche und Flüsse, darunter an der Westseite Skagit River und Willamette River sowie an der Ostseite Yakima River und Deschutes River. Der Columbia River ist der einzige Fluss, der das Gebirge durchbricht; er trennt die Kaskadenkette in Washington von der Kaskadenkette Oregons. Viele Gewässer werden für Stromerzeugung, Trinkwasserversorgung und künstliche Bewässerung aufgestaut. Der größte natürliche See ist der Lake Chelan.

Gipfel und Schutzgebiete

Zu den wichtigen Vulkanen im Kaskadengebirge gehören in Washington Mount Baker, Glacier Peak, Mount Rainier, Mount St. Helens und Mount Adams. Mount Baker ist der höchste Gipfel in Nord-Washington, Mount Rainier der höchste Gipfel der gesamten Kaskadenkette, Mount St. Helens ist besonders durch seinen Ausbruch im Jahr 1980 bekannt, und Mount Adams ist der zweithöchste Gipfel in Washington. Daneben gibt es nicht-vulkanische Gipfel wie Liberty Bell Mountain, Mount Stuart und Mount Shuksan.

In Oregon zählen Mount Hood, Mount Jefferson, Three Fingered Jack, Mount Washington, die Three Sisters, Broken Top, Newberry Volcano, Mount Bachelor, Mount Bailey, Mount Thielsen, Mount Mazama und Mount McLoughlin zu den wichtigen Bergen. Mount Hood ist der höchste Gipfel Oregons und der meistbestiegene Vulkan des Kaskadengebirges. Mount Mazama liegt im Crater-Lake-Nationalpark. In Kalifornien gehören Medicine Lake Volcano, Mount Shasta und Lassen Peak zur Kaskadenkette.

Ein großer Teil der Kaskadenkette in den USA liegt in Nationalforsten, zum Beispiel im Mount Hood National Forest. Wichtige Schutzgebiete sind von Norden nach Süden der North-Cascades-Nationalpark, der Mount-Rainier-Nationalpark, das Mount St. Helens National Volcanic Monument, das Newberry National Volcanic Monument, der Crater-Lake-Nationalpark, das Cascade-Siskiyou National Monument, das Lava Beds National Monument und der Lassen-Volcanic-Nationalpark.

Entstehung und Vulkanismus

Die Kaskadenkette entstand durch Plattentektonik, also durch Bewegungen großer Erdplatten. Vor etwa 70 Millionen Jahren kollidierte die Nordamerikanische Platte mit der Pazifischen Platte. In einer Subduktionszone, in der eine Platte unter eine andere abtaucht, hoben sich mehrere Hochgebirge in Nord-Süd-Richtung, darunter die Kaskadenkette.

Besonders in Oregon besteht die Kaskadenkette aus zwei parallelen Gebirgsteilen unterschiedlichen Alters. Die ältere westliche Kaskadenkette ist steil, dicht bewaldet und enthält stark erodierte Reste von Vulkanen, die 40 bis 7 Millionen Jahre alt sind. Ihre Entwicklung verlief in drei Phasen: Vor 30 bis 40 Millionen Jahren entstand eine Reihe von Vulkanen; vor 15 bis 30 Millionen Jahren stießen diese Vulkane große Mengen Asche aus, die durch Winde nach Osten verfrachtet wurde und in Oregon die Painted Hills als Teil der John Day Fossil Beds formte; vor 7 bis 9 Millionen Jahren erzeugte die letzte Aktivität Basalt und Andesit, während sich die westlichen Kaskaden langsam auffalteten und zugleich durch Erosion abgetragen wurden.

Die jüngeren High Cascades entstanden durch die Subduktion der Juan-de-Fuca-Platte unter die Nordamerikanische Platte. Auch ihre Entwicklung wird in drei Phasen beschrieben: Vor 2 bis 7 Millionen Jahren bauten Eruptionen niedrige Schildvulkane aus Basalt auf. Vor etwa zwei Millionen Jahren entstand durch Faltung der High Cascades Graben entlang des Hauptkamms, der später durch Basalteruptionen gefüllt wurde. Vor etwa einer Million Jahren verstärkte sich die vulkanische Aktivität und bildete eine Reihe teils heute noch aktiver Vulkane. Diese Vulkane sind meist Schichtvulkane, also aus aufeinanderliegenden Lava- und Ascheschichten aufgebaut, und bestehen aus Basalt-, Dazit- oder Andesitlava.

Viele Vulkane wurden schon während ihres Wachstums durch Gletscher abgetragen. Ältere Vulkane wie Three Fingered Jack und Mount Washington sind stark erodiert, während aktivere Vulkane wie Mount Rainier, Mount Adams, Mount Hood, Mount Jefferson und South Sister trotz Vergletscherung ihre vulkanische Form behielten. Viele Vulkane gelten nicht als erloschen und können erneut ausbrechen, etwa Mount Hood oder Mount Rainier. Ihre Laven sind oft gasreich, sauer und zäh, etwa Andesit, Rhyolith oder Dazit. Dadurch können explosive Ausbrüche und pyroklastische Ströme entstehen. Der letzte und bekannteste Ausbruch war der des Mount St. Helens 1980.

Klima und Schnee

Das Klima der Kaskadenkette wird vom maritimen Klima des pazifischen Nordwestens geprägt. Feuchte, kühle Luft wird durch Westwinde vom Pazifik ins Landesinnere getragen. An den Bergen steigt diese Luft auf, kühlt ab und regnet sich als Steigungsregen ab. Deshalb ist die Westseite deutlich feuchter als die Ostseite.

Auf der Westseite fallen jährlich 1500 bis 2500 mm Niederschlag, in manchen von Ost nach West verlaufenden Tälern bis zu 3500 mm. In Oregon fällt fast die Hälfte des Niederschlags im Winter, je etwa ein Viertel im Frühling und Herbst und nur wenig im Sommer. Im Winter fällt der Niederschlag als Schnee. In tieferen Lagen kommen jährlich etwa ein bis zwei Meter Neuschnee zusammen, in Höhen zwischen 1200 und 1600 m etwa 10 bis 15 m. Mount Baker und Mount Rainier gehören zu den schneereichsten Regionen der Vereinigten Staaten. Am Mount Rainier wurden im Winter 1971/72 über 28 m Neuschnee gemessen, am Crater Lake bereits über 22 m.

Oberhalb von 2400 m sind die Berge ganzjährig mit Schnee und Eis bedeckt. In dieser Höhe kann Neuschnee schon im September fallen. Ab Ende Oktober sinkt die Schneefallgrenze auf 900 m und im Winter auf 450 bis 600 m. Obwohl Schneefall bis in den späten Frühling vorkommt, werden die größten Schneehöhen Anfang März erreicht. Ende Juni oder Anfang Juli können Gebiete über 1500 m noch schneebedeckt sein.

Auf der Ostseite liegt das Gebirge im Regenschatten. Dort sinkt der Jahresniederschlag zum Beispiel von 2330 mm am 1206 m hohen Stampede Pass auf 550 mm im 585 m hoch gelegenen Cle Elum. Der jährliche Schneefall reicht von etwa 10 m auf den Gipfeln bis zu etwa 2 m auf 600 m Höhe. Die Durchschnittstemperaturen im Januar liegen zwischen 4 °C in tieferen Lagen und −1 °C in 1600 m Höhe; in Tälern können Tiefstwerte bis −34 °C erreicht werden. Im Juli liegen die Durchschnittstemperaturen zwischen 21 °C und 29 °C, in tieferen Lagen Oregons an bis zu 20 Sommertagen bei 32 °C, mit Höchstwerten bis 40 °C.

Pflanzen und Tiere

Die Pflanzenwelt unterscheidet sich stark zwischen West- und Ostseite. Die Westseite ist wegen der hohen Niederschläge von dichtem Nadelwald bedeckt. Sie lässt sich in drei Vegetationsstufen einteilen, also Höhenzonen mit typischen Pflanzen. Die niedrigste Stufe ist die Western Hemlock Zone bis etwa 900 m, in trockeneren Lagen bis 1500 m. Dort wachsen Douglasien, Riesenlebensbäume und Westamerikanische Hemlocktannen. Der Unterwuchs ist dicht und besteht aus Farnen und Sträuchern wie Gewöhnlicher Mahonie, Rhododendron, Bärentrauben und Prachthimbeeren. Nach Waldbränden oder in Lawinenschneisen wachsen als Pionierbäume Westliche Balsam-Pappeln, Oregon-Ahorn oder Rot-Erlen.

Darüber folgt bis etwa 1500 m die Mountain-Hemlock-Zone mit aufgelockertem subalpinem Wald aus Purpur-Tannen und Berg-Hemlocktannen. In trockeneren höheren Lagen kommen auch Nootka-Scheinzypressen vor. Die höchste Waldzone ist die Subalpine-Fir-Zone, eine offene Parklandschaft mit blumenreichen Bergwiesen bis zur Baumgrenze. Typische Bäume sind Balsam-Tannen, Engelmann-Fichten, Weißstämmige Kiefern, Nootka-Scheinzypressen und Purpur-Tannen.

Auf der trockeneren Ostseite dominieren lichte Wälder aus Gelbkiefern und Küsten-Kiefern. In höheren und feuchteren Lagen wachsen Douglasien, Westamerikanische Hemlocktannen und Felsengebirgs-Tannen; in tieferen trockenen Lagen kommt Westamerikanischer Wacholder hinzu. Im südwestlichen Oregon und im nördlichen Kalifornien treten Kolorado-Tannen und Prachttannen auf, die bereits zu anderen Ökozonen überleiten. Oberhalb der Baumgrenze liegt die alpine Vegetationszone mit Matten- und Kissenpflanzen.

Die Tierwelt entspricht der typischen Artengemeinschaft westamerikanischer Nadelwälder. Zu den Säugetieren gehören Streifenhörnchen, Goldmantel-Ziesel, Douglas-Hörnchen, Wapitis, Maultierhirsche, Rotluchse, Pumas sowie Schwarz- oder Grizzlybären. Im alpinen Bereich leben in den nördlichen Kaskaden Eisgraue Murmeltiere und Schneeziegen, in den südlicheren Kaskaden Gelbbauchmurmeltiere. Außerdem kommen im Kaskadengebirge mehr als 200 Vogelarten vor.

Menschliche Geschichte

Menschen leben seit Tausenden von Jahren im Gebiet der Kaskadenkette. Indigene Gruppen entwickelten Mythen und Legenden über die Berge. In einigen Erzählungen dienten Mount Baker, Mount Jefferson und Mount Shasta als Zuflucht bei einer großen Flut. Andere Geschichten machten aus den hohen Bergen gottgleiche Anführer, die Krieg führten, indem sie Feuer und Steine schleuderten. Mount St. Helens galt wegen seiner Gestalt vor dem Ausbruch 1980 als junge Schönheit, um die Mount Hood und Mount Adams kämpften.

Die erste europäische Bezeichnung der Kaskadenkette stammt vom spanischen Seefahrer Manuel Quimper, der das Gebirge 1790 als Sierra Nevada de San Antonio erwähnte. Im Frühjahr 1792 segelte George Vancouver den Puget Sound hinab und gab mehreren Bergen ihre heutigen englischen Namen. Die Bergkette selbst nannte er allerdings nur eine „östliche Schneekette“.

1805 durchquerte die Lewis-und-Clark-Expedition die Kaskaden auf dem Columbia River. Die Expedition und spätere Siedler stießen dort auf die Cascades Rapids in der Columbia-River-Schlucht, ein Gebiet mit Wasserfällen, das heute unter dem Stausee des Bonneville-Staudamms liegt. Die Gipfel über den Wasserfällen wurden zunächst als „mountains by the cascades“ bezeichnet, woraus später die Kurzform „the Cascades“ entstand. Die erste belegte Verwendung dieses Namens findet sich 1826 in den Aufzeichnungen des Botanikers David Douglas. Die Wilkes-Expedition nannte die Berge 1841 „Cascade Range“, während militärische Berichte sie als „Cascade Mountains“ bezeichneten. 1845 wurde mit der Barlow Road südlich des Mount Hood der erste Landweg durch die Kaskaden erschlossen.

Weiterlesen

Kalifornien Der 1848 einsetzende Goldrausch in Kalifornien führte zu sozialen sowie demografischen Veränderungen, einschließlich der Entvölkerung der indigenen Stämme, und … Nordamerika Für die Kordillerenregion ist in weiten Teilen ein Hochgebirgsklima charakteristisch. Sie hat einen entscheidenden Einfluss auf die klimatische … Pazifischer Feuerring Etwa zwei Drittel aller Vulkanausbrüche des Holozäns und ca. 90 % der weltweiten Erdbeben gehen auf dieses Gebiet zurück. Karte des … Sierra Nevada (Vereinigte Staaten) Die Sierra Nevada (spanisch für „verschneiter Gebirgszug“) ist ein Hochgebirge im Westen der Vereinigten Staaten, hauptsächlich im US-Bundesstaat Kalifornien. Newberry National Volcanic Monument Es umfasst den Newberry-Vulkan, einen der flächenmäßig größten Schildvulkane in der Kaskadenkette, und einen etwa 40 km langen Lavafluss nach Nordwesten. Das … Plattentektonik Plattentektonik ist ursprünglich die Bezeichnung für eine Theorie der Geowissenschaften über die großräumigen tektonischen Vorgänge in der äußeren Erdhülle, … Subduktion Subduktion (lat. sub „unter“ und ducere „führen“) ist ein fundamentaler Prozess der Plattentektonik. Der Begriff bezeichnet das Abtauchen ozeanischer … Höhenstufe (Ökologie) Höhenstufen der Vegetation an einem Berg in den Alpen (Olperer): von unten nach oben: hochmontane, subalpine, alpine, subnivale und nivale Stufe. Die … Ökozone Landschaften mit einer großen Übereinstimmung der Merkmale Klima, Vegetation, Böden und agrare Nutzungsmöglichkeiten werden zu einer Ökozone zusammengefasst. Indianer Nordamerikas Die Indianerpolitik der Vereinigten Staaten und Kanadas war gezeichnet vom Wunsch der weißen Siedler nach Land und der folglichen Unterwerfung der Indianer. Im …