Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Kaiserstuhl (Gebirge)

Der Kaiserstuhl ist ein bis 556,8 m ü. NHN hohes, kleines Mittelgebirge vulkanischen Ursprungs in der Oberrheinischen Tiefebene. Es erhebt sich im Südwesten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Geologischer Aufbau
  3. 3. Löss, Klima und Lebensräume
  4. 4. Naturschutz
  5. 5. Landwirtschaft und Landschaftswandel
  6. 6. Verkehr und Wandern

Überblick und Lage

Der Kaiserstuhl ist ein kleines Mittelgebirge vulkanischen Ursprungs in der Oberrheinischen Tiefebene im Südwesten Baden-Württembergs. Er gehört naturräumlich zum Oberrheinischen Tiefland und bildet dort die Haupteinheit 203. Seine Fläche beträgt etwa 100 km². Der höchste Gipfel ist der Totenkopf mit 556,8 m über Normalhöhennull (NHN).

Das Gebirge liegt zwischen den Vogesen im Westen und dem Schwarzwald im Osten, etwa 16 km nordwestlich von Freiburg, unmittelbar östlich des Rheins und etwas westlich der Dreisam. Der größte Teil gehört zum Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, der kleinere Nordteil zum Landkreis Emmendingen. Vom Michaelsberg bei Riegel im Nordosten bis zum Fohrenberg bei Ihringen im Südwesten erstreckt es sich über rund 15 km; die größte Breite beträgt etwa 12,5 km. Über den Rhein unterhalb des Stauwehrs bei Burkheim erhebt sich der Kaiserstuhl maximal 377,1 m.

Weitere wichtige Erhebungen sind die Eichelspitze mit 521,3 m und dem Eichelspitzturm, der Katharinenberg mit 491,9 m, der Bisamberg mit 469,6 m, der Staffelberg mit 447,6 m und der als Naturschutzgebiet ausgewiesene Badberg mit 432,7 m. Am Totenkopf stehen der Fernmeldeturm Vogtsburg-Totenkopf und der Aussichtsturm Neunlinden.

Anteile am Kaiserstuhl haben Bahlingen, Bötzingen, Breisach, Eichstetten, Endingen, Ihringen, Riegel, Sasbach und Vogtsburg mit ihren jeweiligen Ortsteilen.

Geologischer Aufbau

Der Kaiserstuhl ist der einzige größere Vulkan seiner Entstehungszeit im Oberrheingraben und wurde als eines der bedeutendsten nationalen Geotope Deutschlands ausgezeichnet. Seine Entwicklung war Höhe- und Schlusspunkt einer vulkanischen Aktivität, die im Oberrheingraben bereits in der Kreidezeit begonnen hatte. Hier trifft der Oberrheingraben auf den Bonndorfer Graben, der über den Hegau zum Bodensee führt.

Gegen Ende des Oligozäns stieg Magma auf, erstarrte aber zunächst unter der Erdoberfläche. Im Miozän brach es durch und bildete großflächige Lavaströme. Die vulkanischen Gesteine des zentralen und westlichen Kaiserstuhls entstanden vor rund 19 bis 16 Millionen Jahren durch zahlreiche Ausbrüche. Abwechselnde Ablagerungen von Tephra – bei Ausbrüchen ausgeworfenem Material – und Lavaströmen aus mehreren Schloten bauten einen komplexen Schicht- oder Stratovulkan auf. Ein Teil des Magmas erstarrte als subvulkanische Intrusion, also noch innerhalb des Vulkangebäudes. Seitdem trug die Erosion mehrere 100 m des ursprünglichen Vulkans ab.

Geologisch besteht der Kaiserstuhl aus zwei Hauptteilen. Das östliche Drittel bildet ein sedimentärer Sockel aus nahezu waagerecht liegenden Sedimentgesteinen des Juras und Tertiärs. Zu den wichtigen Schichten gehören der Hauptrogenstein bei Riegel und die Pechelbronner Schichten bei Bötzingen. Dieser Teil wurde bei der Bildung des Oberrheingrabens weniger stark abgesenkt als seine Umgebung und bildet deshalb einen Horst, also einen relativ herausgehobenen Gesteinsblock. Vulkanische Gesteine überlagerten den Sockel teilweise und veränderten ihn durch hohe Temperaturen kontaktmetamorph.

Der vulkanische Kaiserstuhl ist ein Alkaligesteins-Karbonatit-Komplex. Seine Gesteine sind an Siliciumdioxid untersättigt und führen Foide und/oder Olivin. Unter den Ausbruchsgesteinen überwiegt Leucit-Tephrit; hinzu kommen Phonolith, Limburgit und Olivin-Nephelinit. Der Olivin-Nephelinit am Limberg bei Sasbach enthält viele Xenolithe, also mitgerissene Bruchstücke aus dem Erdmantel. Seltene karbonatitische Ignimbrite und Lapilli sind unter anderem am Henkenberg bei Burkheim und am Kirchberg bei Oberrotweil aufgeschlossen.

Besonders bedeutsam ist der Karbonatit bei Altvogtsburg und Schelingen. Er entstand nicht aus einer silikatischen, sondern aus einer karbonatischen Schmelze. Deshalb wurde sein magmatischer Ursprung lange bezweifelt und erst in den 1950er- und 1960er-Jahren sicher nachgewiesen. Wegen des Niob-Minerals Koppit wurde er zeitweise bergmännisch untersucht, doch waren die Gehalte für eine größere Nutzung zu gering. Weitere Mineralfundstellen liefern unter anderem Zeolithe, Wollastonit und Melanit.

Löss, Klima und Lebensräume

Der Kaiserstuhl ist größtenteils von einer 10 bis 40 m mächtigen Lössschicht bedeckt; im Südwesten gibt es auch lössfreie Stellen. Löss ist ein lockeres Sediment, das durch Wind transportiert und abgelagert wird. Er entstand während der letzten, weitgehend vegetationsfreien Eiszeit durch die Auswehung feinen Materials aus dem Rheinschlamm. Der Wind kam aus Südwesten, weshalb sich der Löss vor allem im Windschatten im Nordosten ablagerte. Je höher der Ablagerungsort lag, desto dünner wurde die Schicht. Das Material stammte hauptsächlich aus den nördlichen Kalkalpen.

Rostfarbene Streifen im Löss zeigen wechselnde Ablagerungs- und Verwitterungsphasen. Während einer schwachen Ablagerung wurde Kalk aus dem obersten Material ausgewaschen; dabei entstand Lösslehm. Tiefer im Boden fiel der Kalk wieder aus und bildete einen Lösskindelhorizont. Lössböden sind für den Ackerbau besonders günstig und nehmen starke Niederschläge wie ein Schwamm auf, bevor sie das Wasser gleichmäßig wieder abgeben. Verdichtung durch Großterrassen für den Weinbau vermindert diese Schutzwirkung.

Der Kaiserstuhl liegt in der gemäßigten Klimazone, gehört aber wegen der Wärme der Oberrheinebene zu den wärmsten Gebieten Deutschlands. Der Regenschatten der Vogesen und der Einfluss der Burgundischen Pforte sorgen für ein eher trockenes Klima. In den Weinbauorten beträgt die Jahresmitteltemperatur rund 11 °C. Jährlich treten etwa 50 bis 60 Sommertage und 60 bis 70 Frosttage auf; die durchschnittliche jährliche Temperaturschwankung beträgt 18,5 °C. Der mittlere Jahresniederschlag liegt bei etwa 600 bis 700 mm. Für Ihringen werden beispielsweise 1786 Sonnenstunden im Jahr genannt. Im Juli und August können die Durchschnittstemperaturen über 20 °C liegen.

Das warme Klima ermöglicht eine ungewöhnlich artenreiche, wärmeliebende Flora und Fauna. Mehr als 30 Orchideenarten wurden registriert. Hinzu kommen wilde Traubenhyazinthen, Schwertlilien und die vor allem am Büchsenberg vorkommende Flaumeiche. Bienenfresser, Gottesanbeterin und Smaragdeidechsen besitzen ihren üblichen Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum. Nach genetischen Untersuchungen handelt es sich bei den Smaragdeidechsen wahrscheinlich um eine nicht ursprünglich dort heimische Population der Östlichen Smaragdeidechse. Mehrere Arten leben am Kaiserstuhl in einem disjunkten Areal, also getrennt von ihrem normalen Verbreitungsgebiet, als Überreste einer postglazialen Warmzeit. Größere Maikäferpopulationen wurden trotz Kritik von Umweltschützern mit Insektiziden bekämpft, etwa 2009, um befürchtete existenzbedrohende Schäden in der Landwirtschaft zu verhindern.

Naturschutz

Der Kaiserstuhl besitzt eine besonders hohe Dichte an Naturschutzgebieten der IUCN-Kategorie IV. Im Zentrum liegen die beiden größten Gebiete unmittelbar nebeneinander: Das 1969 eingerichtete Naturschutzgebiet Badberg umfasst 65 ha und schützt zahlreiche seltene Pflanzen, darunter Orchideen. Östlich schließt sich der 1989 ausgewiesene Haselschacher Buck an, mit 71,3 ha das größte Naturschutzgebiet des Kaiserstuhls.

Weitere geschützte Flächen sind unter anderem Amolterer Heide, Büchsenberg, Limberg, Ohrberg, Rheinhalde Burkheim, Schelinger Weide-Barzental und Steinbruch Niederrotweil. Große Teile, besonders im Zentrum, gehören außerdem zum mehrteiligen Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Kaiserstuhl (FFH-Nr. 7911-341) und zum Europäischen Vogelschutzgebiet Kaiserstuhl. Nach den starken Landschaftsveränderungen des 20. Jahrhunderts wurden auch verbliebene Lösshohlwege als Naturdenkmale ausgewiesen, weil sie unter anderem ökologische Nischen für Wildbienen und Vögel bilden.

Landwirtschaft und Landschaftswandel

Der Weinbau prägt Wirtschaft und Landschaft des Kaiserstuhls. Die Weinbauflächen nehmen den größten Teil der freien Fläche ein und gehören Winzergenossenschaften, privaten Eigentümern oder Weingütern. Der warme, trockene Standort und die fruchtbaren Lössböden bieten günstige Bedingungen. Angebaut werden Müller-Thurgau, Riesling, Silvaner, Blauer Spätburgunder, Grauburgunder, Weißer Burgunder und Gewürztraminer. Seit 2021 wachsen auf etwa einem Hektar außerdem Echter Lavendel und Lavandin, verteilt auf vier Felder in Bischoffingen, Königschaffhausen und Burkheim.

Da bearbeiteter Löss leicht erodiert, legten die Menschen schon früh kleine Terrassen für Wein-, Obst- und Ackerbau an. Dabei entstanden die typischen kleinteiligen Hänge und Lösshohlwege. Ab etwa 1950 veränderte die Flurbereinigung diese Kulturlandschaft grundlegend. Zwischen 1950 und 1960 wurden rund 950 ha meist kleinräumig neu geordnet. Von 1960 bis 1970 entstanden auf rund 650 ha große, tiefe und möglichst rechteckige Rebterrassen. Die Großterrassenplanungen von 1970 bis 1976 schufen etwa 630 ha Rebfläche und gestalteten wegen der zusätzlichen Böschungen eine mehr als doppelt so große Landschaftsfläche um. Viele Lösshohlwege verschwanden dabei.

Von 1976 bis 1982 ging man infolge von Protesten gemäßigter vor: Böschungen wurden auf höchstens 10 m begrenzt und stärker dem natürlichen Landschaftsverlauf angepasst. So bearbeitete man etwa 330 ha Rebfläche. Die Umgestaltung verursachte jedoch Probleme. Nach langen Regenperioden ab 1977 und besonders nach den starken Niederschlägen in der Pfingstwoche 1983, die stellenweise ein Drittel des Jahresmittels erreichten, rutschten Böschungen ab, alte Talzüge wurden ausgespült und Terrassen brachen teilweise tief auf. Wegen ihrer Neigung zum Berg konnten die Terrassen zudem Kaltluftseen bilden, was Frostschäden an Blüten und Rebstöcken begünstigte. Nach 1982 konzentrierten sich die Behörden deshalb auf Reparaturen und teilweise Neuplanungen.

Verkehr und Wandern

Östlich des Kaiserstuhls verläuft die Bundesautobahn 5; Landes- und Kreisstraßen führen von dort in das Gebirge. Die Kaiserstuhlbahn verläuft östlich, nördlich und westlich am Mittelgebirge entlang, die Breisacher Bahn südlich davon.

Der klassische Wanderweg ist der 16,8 km lange Neunlindenpfad von Ihringen nach Endingen. Er führt über den Totenkopf mit dem Aussichtsturm Neunlinden und den Katharinenberg. Von vielen Wegen öffnen sich Blicke auf Schwarzwald, Rheinebene und Vogesen. Auch der Querweg Schwarzwald–Kaiserstuhl–Rhein durchquert das Gebiet.

Der 1977 angelegte Limberg-Weg ist ein wissenschaftlicher Lehrpfad mit 90 Stationen. Er behandelt unter anderem Geologie und Mineralogie, Naturschutz, Landschaftspflege, Wein- und Obstbau sowie Wasserwirtschaft. 2007 wurden acht farblich und durch Symbole gekennzeichnete Themenpfade mit insgesamt 140 km Länge eröffnet. Dazu gehören außer dem Neunlindenpfad beispielsweise der 31,5 km lange Wiedehopfpfad, der 21,5 km lange Knabenkrautpfad und der 16,1 km lange Bienenfresserpfad. Das Netz wurde mit 430 Wegweisern sowie 120 kleineren Informationstafeln ausgestattet.

2010 kam der 21,7 km lange Kaiserstuhlpfad hinzu, der das Gütesiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ erhielt. Er führt von Endingen unter anderem durch das Erletal, an Badberg und Haselschacher Buck vorbei, zum Eichelspitz- und Neunlindenturm, durch den Lösshohlweg Eichgasse und weiter nach Ihringen.

Weiterlesen

Deutschland Deutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als … Naturräumliche Großregionen Deutschlands Eine Gliederung Deutschlands in naturräumliche Großregionen, Haupteinheiten und Untereinheiten berücksichtigt in erster Linie geomorphologische, geologische … Oberrheinische Tiefebene Erdbeben · Der Oberrheingraben ist ein Gebiet erhöhter Seismizität. Die Erdbeben sind im Allgemeinen von geringer Stärke und Intensität (gemäß der MSK-Skala). Naturraum Deutschland · Norddeutsches Tiefland. → Marschland (61, 67, 68) → Mecklenburgisch-Vorpommersches Küstengebiet (71) · Mittelgebirgsschwelle → Rheinisches … Schwarzwald Der Schwarzwald ist mit bis zu 1493 m ü. NHN und über 6000 Quadratkilometern Fläche Deutschlands höchstes und größtes zusammenhängendes Mittelgebirge und … Erosion (Geologie) Er beinhaltet die Abtragung von mehr oder weniger stark verwitterten Gesteinen (Regolith) oder Lockersedimenten einschließlich der Böden (siehe Bodenerosion). Vulkan Ein Vulkan ist eine geologische Struktur, die entsteht, wenn Magma (Gesteinsschmelze) bis an die Oberfläche eines Planeten (z. B. der Erde) aufsteigt. Hegau Hegau ist der Name eines historischen Gaus des Herzogtums Schwaben nordwestlich des Bodensees im Süden des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg, … Lava Lava (Mehrzahl Laven) bezeichnet flüssig an die Oberfläche eines terrestrischen Himmelskörpers ausgetretenes (eruptiertes) Magma. Sowohl auf der Oberfläche … Geologie Die Geologie (von altgriechisch γῆ gē „Erde“ und -logie) ist die Wissenschaft von Aufbau, Zusammensetzung und Struktur der Erdkruste, der Eigenschaften … Vulkanausbruch Das schmelzende Gestein dehnt sich aus, Magmakammern entstehen. Die entstehenden Gase erhöhen mit der Zeit den Druck innerhalb der flüssigen Masse; das Magma … Intrusion (Geologie) Die magmatischen Gesteine, die bei der Erstarrung von Magmen innerhalb der Erdkruste auskristallisieren, werden deshalb auch als Intrusiva oder Intrusivgesteine …