Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Jenő Ádám
Jenő Ádám (* 12. Dezember 1896 in Szigetszentmiklós; † 15. Mai 1982 in Budapest) war ein ungarischer Komponist, Musikpädagoge, Dirigent und …
Inhalt4 Abschnitte
Bedeutung und beruflicher Werdegang
Jenő Ádám (* 12. Dezember 1896 in Szigetszentmiklós; † 15. Mai 1982 in Budapest) war ein ungarischer Komponist, Musikpädagoge, Dirigent und Volksliedforscher. Besonders wichtig war seine Mitwirkung am ungarischen musikpädagogischen System und an der Sammlung und Bearbeitung ungarischer Volkslieder.
Ádám erhielt früh Violin- und Klavierunterricht. Von 1911 bis 1915 studierte er Orgelspiel und Musiktheorie an der Budapester Lehrerbildungsanstalt. Im Ersten Weltkrieg geriet er als Soldat in russische Kriegsgefangenschaft und blieb von 1916 bis 1920 in Russland. Dort leitete er einen Männerchor und ein Sinfonieorchester und gründete in Tatarsk eine Musikschule.
Von 1921 bis 1925 studierte Ádám an der Musikhochschule in Budapest Komposition bei Zoltán Kodály. In den 1920er und 1930er Jahren sammelte er ungarische Volkslieder. 1929 wurde er Professor an der Budapester Musikhochschule. Von 1929 bis 1939 leitete er dort das Orchester, den Chor bis 1954. Von 1939 bis 1959 unterrichtete er Ungarische Volksmusik, Chorleitung und Methodik und leitete das Musiklehrerseminar. Die Gesangsprofessur hatte er von 1942 bis 1957 inne.
Seine Dirigentenlaufbahn begann 1929 mit einer Aufführung von Joseph Haydns Die Jahreszeiten. Bis 1934 war er Zweiter Dirigent des Budapester Chor- und Orchestervereins. Den Männerchor Budai Dalárda [Sängerverein Buda] leitete er von 1933 bis 1942 und unternahm mit ihm Konzertreisen nach Jugoslawien, Deutschland und Skandinavien. 1935 bis 1936 leitete er den Budapester Palestrina-Chor. 1941 dirigierte er die ungarische Erstaufführung von Henry Purcells Dido and Aeneas. Außerdem war er ein führender ungarischer Dirigent bei Aufführungen von Werken Georg Friedrich Händels.
Von 1933 bis 1935 studierte Ádám bei Felix Weingartner in Basel in dessen Meisterkurs Dirigieren. Seit 1935 arbeitete er eng mit Kodály an einer Reform des Musikunterrichts in Ungarn. Gemeinsam veröffentlichten sie mehrere Lehrbücher. 1957 erhielt Ádám den Kossuth-Preis.
Lieder, Chöre und schulische Sammlungen
Ádáms Veröffentlichungen umfassen vor allem Sammlungen ungarischer Volkslieder, Bearbeitungen für Chöre sowie Liederbücher für Volksschulen. Mehrere Sammlungen entstanden in Zusammenarbeit mit Zoltán Kodály oder anderen ungarischen Komponisten und Herausgebern.
Zu den frühen Chorsammlungen gehört Népdalkorusok [Volkslieder] von 1933. Es enthält unter anderem Elindultam szép hazámból, Általmennék, Cifra nóta, Somogy-Balatoni nóták und A szegény juhász nótája. 1934 erschien Népdalkórusok mit vierzig ungarischen Volksliedern in Bearbeitungen für gemischten Chor, gemeinsam herausgegeben mit Kálmán Graff, Pál Kadosa, Sándor Veress und Lajos Bárdos. Eine weitere Ausgabe von 1938 enthält vierzig ungarische Volkslieder und vier Kanons für gemischten Chor; sie wurde gemeinsam mit Lajos Bárdos und anderen herausgegeben und durch eine Einführung von Aladár Tóth ergänzt. Ebenfalls 1938 erschien eine Sammlung Népdalkórusok für gemischten Chor a cappella, die Ádám unter anderem mit Lajos Bárdos, Kálmán Nádasdy und Sándor Veress herausgab.
Himnusz és Szózat von 1939 ist für verschiedene Chöre bestimmt. Ebenfalls 1939 gab Ádám gemeinsam mit anderen Fallalla heraus, eine Sammlung von dreißig Madrigalen von Meistern der Renaissance und des Barock in Übersetzungen von Miklós Forrai. Hajnalcsillag von 1943 enthält ungarische Volksliedbearbeitungen für Männerchor und wurde gemeinsam mit Sándor Veress herausgegeben. Die Sammlung enthält Werke von Jenő Ádám, György Deák Bárdos, Lajos Bárdos, Ferenc Farkas, László Halmos, Gábor Lisznyay Szabó, Sándor Veress und József Péter. Dunántúli daloskönyv [Transdanubisches Liederbuch] von 1947 versammelt 107 ungarische Volkslieder. 1952 gab Ádám außerdem 35 ungarische Volkslieder heraus.
Eine wichtige Reihe bilden die mit Kodály herausgegebenen Liederbücher für Volksschulen: Énekeskönyv. Népiskolák. [Liederbuch. Volksschulen] von 1943 sowie Szólj síp, Lánc-lánc, Csipkefa, Vígan-vígan und Besüt a nap als Bände 1 bis 5, ebenfalls von 1943. Repülj fecském und ein unbenannter Band 7 folgten 1947.
Weitere Sammlungen sind Két szál pünkösdrózsa von 1953 mit für Volksorchester instrumentierten ungarischen Volksliedern, darunter Csak titokban, Szép violám, Menyasszony-völegény und Lakodalmas, sowie Virágim, virágim [Meine Blumen, meine Blumen]. Letztere enthält Arrangements ungarischer Volkslieder für Gesang und Klavierbegleitung, darunter die Lieder Erdő nincsen zöld ág nélkül... und Kimentem a selyemrétre kaszálni von Ádám. Tulipán umfasst fünfundneunzig unbegleitete ungarische Volkslieder.
Sammlung A dal mesterei
Die mehrbändige Sammlung A dal mesterei [Die Meister des Liedes] wurde von Jenő Ádám herausgegeben und ordnet Lieder nach historischen Komponistengruppen und Stimmlagen:
- Band I (1956) enthält Werke für alle Stimmgattungen alter italienischer, französischer und deutscher Meister sowie von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart.
- Band II (1956) enthält Werke für alle Stimmgattungen alter englischer Meister sowie von Beethoven, Weber, Schubert und Mendelssohn.
- Band III (1957) versammelt Werke für alle Stimmgattungen von Brahms, Cornelius, Franz und weiteren Komponisten.
- Band IV (1959) enthält alte italienische, französische, englische und deutsche Meister für hohe Stimme.
- Band V (1960) enthält entsprechende Werke für mittlere Stimme.
- Band VI (1961) enthält entsprechende Werke für tiefe Stimme.
- Band VIIa (1965) enthält Werke von Mozart, Beethoven, Mendelssohn und Schumann für hohe Stimme.
- Band VIIb (1965) enthält Werke von Schubert für hohe Stimme.
- Band VIIc (1965) enthält Werke von Brahms, Franz, Grieg, Tschaikowsky und Rimskij-Korsakow für hohe Stimme.
Damit verbindet die Reihe Repertoire verschiedener Epochen und Länder mit einer Einteilung nach der Stimmlage.
Musiktheorie und eigene Kompositionen
Als musikwissenschaftliche und musikpädagogische Literatur veröffentlichte Ádám drei zentrale Schriften. A skálától a szimfóniáig [Von der Tonleiter zur Sinfonie] erschien 1943. Módszeres Énektanitás A relative szolmizáció alapján [Methodisches Singen auf Basis der Solmisation] folgte 1944. Das Werk A muzsikáról [Über Musik] mit dem Untertitel Grundlagen der Musik erschien 1954.
Neben seinen Herausgeber- und Lehrtätigkeiten komponierte Ádám auch eigene Werke. Im Artikel ist als weitere musikalische Komposition das Streichquartett Nr. 1 genannt, das 1962 bei Editio Musica in Budapest erschien. Seine Tätigkeit verband damit Komposition, Chor- und Orchesterleitung, Volksliedforschung, musikalische Ausbildung und die Entwicklung von Lehrmitteln.