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Jan Palach

Jan Palach (* 11. August 1948 in Prag; † 19. Januar 1969 in Prag) war ein tschechoslowakischer Student, der sich aus Protest gegen die Niederschlagung des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und politischer Hintergrund
  2. 2. Familie und Studium
  3. 3. Selbstverbrennung und Botschaft
  4. 4. Öffentliche Reaktionen und Nachahmer
  5. 5. Ehrungen und Gedenken
  6. 6. Verfilmung

Bedeutung und politischer Hintergrund

Jan Palach (11. August 1948–19. Januar 1969) war ein tschechoslowakischer Student. Er verbrannte sich aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und gegen die Vorherrschaft der Sowjetunion. Seine Tat sollte, knapp fünf Monate nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR, gegen die Rücknahme der Reformen Alexander Dubčeks sowie gegen die daraus entstandene Lethargie und Hoffnungslosigkeit der Öffentlichkeit wirken. Palach wurde dadurch zu einer Symbolfigur für eine freie Tschechoslowakei.

Familie und Studium

Palach wurde in einem privaten Sanatorium in Prag geboren und wuchs mit seinem älteren Bruder Jiří in Všetaty nördlich von Prag auf. Seine Eltern waren Josef Palach und Libuše Palachová, geborene Kostomlatská. Der Vater betrieb seit den 1930er-Jahren einen Süßwarenladen, der 1948, im Jahr des kommunistischen Umsturzes, verstaatlicht wurde. Danach arbeitete er in einer Fabrik und starb, als Jan dreizehn Jahre alt war.

Ab 1963 besuchte Jan Palach das Gymnasium in Mělník und maturierte 1966. Obwohl er die Aufnahmeprüfung für Philosophie bestand, erhielt er wegen der großen Zahl weiterer Bewerber keinen Studienplatz. Deshalb studierte er zunächst einige Semester an der Prager Wirtschaftsschule. Während des Prager Frühlings 1968 wechselte er an die Karlsuniversität. Dort kam er mit dem studentischen Protest gegen die Niederschlagung der Reformbewegung in Kontakt; im Herbst 1968 beteiligte er sich an den Streiks.

Selbstverbrennung und Botschaft

Am 16. Januar 1969 stellte sich Palach zwischen 15 und 16 Uhr an die Treppe des Nationalmuseums am Prager Wenzelsplatz. Er legte Mantel und Aktentasche ab, übergoss sich mit dem Inhalt eines Benzinkanisters, entzündete ein Streichholz und lief brennend auf den Platz. Ein Fahrdienstleiter warf seinen Mantel über Palach, nachdem dieser darum gebeten hatte, die Flammen zu ersticken. Palach blieb zunächst bei Bewusstsein und erklärte im Krankenwagen, dass er selbst gehandelt habe. Er erlitt Verbrennungen an 85 % der Körperoberfläche und starb am 19. Januar 1969.

In seiner nicht offiziell veröffentlichten Nachricht erklärte Palach, eine Gruppe von Freiwilligen wolle die Menschen angesichts der drohenden Hoffnungslosigkeit aufrütteln. Er habe als Erster das Los gezogen und deshalb den ersten Brief geschrieben und die erste „Fackel“ entzündet. Weitere Selbstverbrennungen stellte die Nachricht für den Fall in Aussicht, dass die Zensur nicht aufgehoben und die Verbreitung der unter sowjetischer Kontrolle verfassten und in der DDR gedruckten Zprávy eingestellt werde. Über diese Gruppe ist jedoch nichts Näheres bekannt.

Am Tag vor seinem Tod sagte Palach einem Arzt, es sei seine Pflicht gewesen, so zu handeln, und er bereue es nicht. Der Arzt beschrieb seinen Verstand später als „klar und logisch“. Drei Stunden vor seinem Tod diktierte Palach dem Studentenführer Lubomír Holeček außerdem, seine Tat habe ihren Sinn erfüllt; niemand solle sie wiederholen. Die Studenten sollten ihr Leben schonen und lebendig für die gemeinsamen Ziele kämpfen. In einem Verhör durch eine Psychologin der tschechoslowakischen Staatssicherheit antwortete Palach auf die Frage nach den Schmerzen der Verbrennungen: „Genug.“

Öffentliche Reaktionen und Nachahmer

Noch am Nachmittag von Palachs Tod versammelten sich rund 200.000 Menschen auf dem Wenzelsplatz. Seine Kommilitonen führten die Menge zur Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität. Dort wurde der Platz vor dem Gebäude vorübergehend in „Jan-Palach-Platz“ umbenannt; die Staatsführung machte dies sofort rückgängig. Offiziell erfolgte die Umbenennung erst nach der Samtenen Revolution von 1989.

Am 24. Januar gab es im ganzen Land eine Schweigeminute. Palachs Aufbahrung in der Karlsuniversität und sein Begräbnis wurden zu Massendemonstrationen; an der Beerdigung nahmen mehr als 10.000 Menschen teil. Alexander Dubček erlitt nach der Nachricht von Palachs Tod einen Nervenzusammenbruch. Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS bezeichnete die Tat als „antisozialistische Provokation“. Die Führung der KSČ versuchte, sie als Handlung eines psychisch Kranken oder als nicht freiwillige Tat darzustellen. Eine offizielle Erklärung behauptete, Palach habe sich eigentlich mit einer ungefährlichen „Kalten Flamme“ überschütten wollen; seine Kommilitonen hätten diese ohne sein Wissen durch Benzin ersetzt. Diese Darstellung diente dazu, die politische Bedeutung der Tat herunterzuspielen.

In der Woche nach Palachs Tod nahmen sich in der Tschechoslowakei fünf weitere Menschen aus politischen Gründen das Leben. Einen Monat später wiederholte Jan Zajíc als „Fackel Nr. 2“ Palachs Tat auf dem Wenzelsplatz. Am 4. April 1969 verbrannte sich Evžen Plocek in Jihlava; damit endete diese Serie. Als möglicher Vorgänger gilt der Pole Ryszard Siwiec, der sich am 8. September 1968 aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings verbrannt hatte. Ob Palach von ihm beeinflusst wurde, ist nicht nachweisbar. Auch ein Zusammenhang mit der Selbstverbrennung des südvietnamesischen Mönchs Thích Quảng Đức von 1963 lässt sich nicht belegen.

1973 wurde Palachs Grab auf Druck der tschechoslowakischen Behörden von Prag nach Všetaty umgebettet, um Kundgebungen und Gedenkveranstaltungen zu verhindern. Erst nach der Samtenen Revolution wurde er auf den Olšany-Friedhof in Prag zurückgebettet. Spätere Nachahmer waren unter anderem Zdeněk Adamec, der sich am 6. März 2003 an derselben Stelle vor dem Nationalmuseum verbrannte und sich in einem im Internet veröffentlichten Abschiedsbrief ausdrücklich auf Palach bezog. Die Studentin Blanka Nacházelová nahm sich ebenfalls aus politischen Gründen das Leben; die Regierung verbreitete dazu einen gefälschten Abschiedsbrief.

Ehrungen und Gedenken

Am 22. August 1969 benannte der Astronom Luboš Kohoutek den Asteroiden (1834) Palach nach Jan Palach. Am Ort seines Zusammenbruchs vor dem Nationalmuseum erinnert heute ein Metallkreuz im Pflaster an ihn; es liegt wegen einer inzwischen dort verlaufenden dreispurigen Straße einige Meter neben der tatsächlichen Stelle. In der Nähe befindet sich eine gemeinsame Gedenkstätte für Jan Palach und Jan Zajíc, gestaltet vom Bildhauer Olbram Zoubek.

Am 28. Oktober 1991 verlieh Staatspräsident Václav Havel Palach und Zajíc posthum den Tomáš-Garrigue-Masaryk-Orden erster Klasse für ihren Beitrag zur Festigung von Demokratie und Menschenrechten. Am 23. November 2019 wurden die Gräber von Palach und Zajíc zu Nationalen Kulturdenkmalen Tschechiens erklärt. 2020 wurde vor dem Gebäude der früheren tschechoslowakischen Föderalversammlung, heute einem Teil des Nationalmuseums in Prag, eine Bronzeplastik in einem rekonstruierten Palach-Pylonen aufgestellt. Zahlreiche Straßen und Plätze in Tschechien sowie einzelne in anderen europäischen Staaten tragen Palachs Namen. Weitere Denkmäler stehen unter anderem in Rom, London und Vevey.

Verfilmung

Die polnische Regisseurin Agnieszka Holland drehte 2013 die Miniserie Burning Bush – Die Helden von Prag, auf Tschechisch Hořící keř. Die Serie wurde beim internationalen Filmfestival in Rotterdam 2013 im Ausland vorgestellt und im Januar 2014 vom ORF ausgestrahlt.

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