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Jack the Ripper

Jack the Ripper (dt. Jack der Aufschlitzer) ist das Pseudonym eines Serienmörders, dem die Morde an mindestens fünf Frauen im Herbst des Jahres 1888 im …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und historischer Hintergrund
  2. 2. Die Whitechapel-Morde
  3. 3. Ermittlungen, Graffito und Täterprofil
  4. 4. Verdächtige und ungeklärte Beweislage
  5. 5. Briefe und Bedeutung der Medien

Überblick und historischer Hintergrund

Jack the Ripper ist das Pseudonym eines nie identifizierten Serienmörders, dem mindestens fünf Frauenmorde im Londoner East End im Herbst 1888 zugerechnet werden. Der Täter wurde nie gefasst, und seine Identität ist bis heute ungeklärt. Der Fall ist bedeutsam, weil er zu umfangreichen polizeilichen Ermittlungen, weltweiter Berichterstattung und zahlreichen, oft umstrittenen Tätertheorien führte.

Der Name stammt aus dem sogenannten Dear-Boss-Brief, der am 27. September 1888 bei der Central News Agency einging. Der angebliche Täter unterschrieb darin mit „Jack the Ripper“. Die Echtheit des Briefes ist umstritten. Zeitgenössisch wurde der Mörder auch „Leather Apron“ und „The Whitechapel Murderer“ genannt.

Das East End war infolge starken Bevölkerungswachstums und der Einwanderung irischer sowie osteuropäischer und russischer Menschen dicht besiedelt. Armut, schlechte Wohnverhältnisse, Alkohol und Gelegenheitsarbeit prägten den Alltag. Viele Frauen bestritten ihren Lebensunterhalt teilweise durch Gelegenheitsprostitution. Im Oktober 1888 vermutete die Metropolitan Police allein in Whitechapel etwa 1.200 Prostituierte und 62 Bordelle.

Die Whitechapel-Morde

Als Whitechapel-Morde wird eine Reihe von elf Tötungsdelikten bezeichnet, die zwischen dem 3. April 1888 und dem 13. Februar 1891 in Whitechapel sowie in Poplar, Spitalfields und der City of London geschahen. Die Opfer waren Frauen aus sehr armen Verhältnissen. Ob alle Taten auf denselben Täter zurückgehen, ist umstritten.

Zu den frühen Fällen gehörte Emma Elizabeth Smith. Sie wurde nach eigener Aussage am 3. April 1888 von zwei oder drei Männern beraubt und schwer verletzt und starb am folgenden Morgen. Martha Tabram wurde am 7. August mit 39 Stichverletzungen gefunden. Wegen der zeitlichen Nähe und der Gewalt der Tat wird sie manchmal als Opfer Jack the Rippers betrachtet.

Als „Kanonische Fünf“ gelten jene Opfer, deren Ermordung überwiegend einem einzelnen Täter zugeschrieben wird:

• Mary Ann Nichols wurde am 31. August 1888 gegen 3:40 Uhr in der Buck’s Row gefunden. Ihre Kehle war durchschnitten und ihr Unterleib verletzt worden.

• Annie Chapman wurde am 8. September im Hinterhof von 29 Hanbury Street entdeckt. Ihre Kehle war durchtrennt, der Unterleib geöffnet und die Gebärmutter entfernt worden.

• Elizabeth Stride wurde am 30. September gegen 1:00 Uhr im Dutfield’s Yard gefunden. Ihre Kehle war durchschnitten, doch weitere Verstümmelungen fehlten. Daher ist ihre Zuordnung umstritten. Eine verbreitete Erklärung lautet, dass der Täter gestört wurde.

• Catherine Eddowes wurde nur 44 Minuten später, etwa einen Kilometer entfernt am Mitre Square, gefunden. Ihr Unterleib und ihr Gesicht waren verstümmelt; Teile der Gebärmutter und die linke Niere fehlten. Die beiden Tötungen werden als „Double-Event“ oder Doppelereignis bezeichnet.

• Mary Jane Kelly wurde am 9. November 1888 um 10:45 Uhr in ihrem Zimmer in Miller’s Court entdeckt. Sie war wesentlich jünger als die anderen Opfer und wurde in einer privaten Unterkunft getötet. Wegen dieser Unterschiede zweifeln einige Experten an ihrer Zuordnung; die Mehrheit rechnet sie jedoch zu den Opfern. Die zunehmend schweren Verstümmelungen gelten dabei als verbindendes Merkmal.

Mary Jane Kelly gilt allgemein als letztes Opfer Jack the Rippers. Zu den vier späteren Whitechapel-Morden zählen Rose Mylett am 20. Dezember 1888, Alice McKenzie am 17. Juli 1889, der nicht identifizierte Pinchin-Street-Torso vom 10. September 1889 und Frances Coles am 13. Februar 1891. Nur wenige Forscher schreiben sie dem Ripper zu. Beim Pinchin-Street-Torso widersprachen sich zudem die medizinischen Einschätzungen zur Todesursache; auch die Vorgehensweise unterschied sich deutlich.

Weitere Angriffe und Morde wurden zeitweise mit dem Fall verbunden, darunter jene an Annie Millwood und Ada Wilson sowie das „Whitehall Mystery“, John Gill und Carrie Brown. Die angebliche „Fairy Fay“ hat wahrscheinlich nie existiert. Beim Whitehall Mystery wird mehrheitlich ein anderer, als „Torso Killer“ bezeichneter Täter angenommen.

Ermittlungen, Graffito und Täterprofil

Die Polizei verfügte 1888 noch nicht über viele heutige forensische Methoden und hatte wenig Erfahrung mit Serienmorden. Sie suchte Häuser in Tatortnähe ab, befragte mehr als 2.000 Personen, brachte über 300 mit den Morden in Verbindung und verhaftete 80. Zu den wichtigen Ermittlern gehörten Frederick Abberline und Donald Swanson. Da Scotland Yard in der City of London keine Befugnisse hatte, arbeitete dort zusätzlich die City of London Police. Unzufriedene Bewohner gründeten unter George Lusk das Whitechapel Vigilance Committee, das Patrouillen und private Ermittler einsetzte.

Anfangs überprüfte die Polizei besonders Schlachter, Chirurgen und Ärzte, weil sie beim Täter anatomische Kenntnisse vermutete. Der Chirurg Thomas Bond erstellte Ende Oktober 1888 anhand der fünf kanonischen Fälle das erste bekannte Täterprofil. Nach seiner Einschätzung hatte derselbe Täter alle fünf Frauen getötet; sie hätten bei der Tötung gelegen, und jeweils sei zuerst die Kehle durchschnitten worden. Bond hielt besondere anatomische, chirurgische oder handwerkliche Kenntnisse jedoch nicht für notwendig. Seine psychologischen Deutungen – etwa sexuelle, zerstörerische oder religiöse Wahnvorstellungen – blieben Vermutungen. Sexueller Kontakt mit den Opfern wurde nicht nachgewiesen.

John E. Douglas beschrieb den Täter später als 30 bis 40 Jahre alten, irrational asozial oder launisch auftretenden Mann aus der Umgebung. Ein 2006 aus Zeugenaussagen erstelltes Phantombild zeigte einen etwa 25 bis 35 Jahre alten Mann mit Schnurrbart, hohem Haaransatz und einer Größe von ungefähr 1,65 bis 1,70 Metern. Sicher ist davon wenig. Behauptungen, der Täter müsse Jude oder Ausländer gewesen sein, waren stark von damaligem Antisemitismus und Rassismus geprägt.

Nach dem Doppelereignis fand Constable Alfred Long in der Goulston Street ein blutverschmiertes Stück von Catherine Eddowes’ Schürze. Darüber stand ein Kreidegraffito, dessen genauer Wortlaut unterschiedlich wiedergegeben wurde. Sinngemäß bezog es sich auf „Juwes“ beziehungsweise Juden und darauf, nicht grundlos beschuldigt zu werden. Polizeichef Charles Warren ließ die Aufschrift aus Angst vor antisemitischen Unruhen entfernen, bevor sie fotografiert werden konnte. Ob sie vom Mörder stammte, den Verdacht auf Juden lenken sollte oder zufällig dort stand, ist ungeklärt. Freimaurer- und andere weitreichende Deutungen sind nicht belegt.

Verdächtige und ungeklärte Beweislage

Die Akten zu den Verdächtigen sind größtenteils verschollen. Im Macnaghten-Memorandum vom 23. Februar 1894 wurden Montague Druitt, Aaron Kosminski und Michael Ostrog genannt; aus einem später erhaltenen Briefwechsel ist außerdem Francis Tumblety bekannt. Keiner wurde wegen der Morde angeklagt.

Aaron Kosminski war ein psychisch kranker polnischer Einwanderer aus Whitechapel und gilt seit dem späten 19. Jahrhundert als Hauptverdächtiger. 2014 wurde behauptet, mitochondriale DNA auf einem angeblich mit Catherine Eddowes verbundenen Halstuch weise auf Kosminski hin. Fachleute kritisierten jedoch Herkunft und Untersuchung des Stückes, methodische Fehler und die begrenzte Aussagekraft mitochondrialer DNA. Auch nach einer Fachveröffentlichung von 2019 blieb die Schlussfolgerung umstritten: Ein solcher Vergleich kann Verwandtschaft ausschließen, aber nicht eindeutig nachweisen.

Montague John Druitt war ein 31-jähriger Anwalt und Lehrer, der im Dezember 1888 Suizid beging. Michael Ostrog war ein russischer Arzt, Dieb und früherer Sträfling. Francis Tumblety war ein 56-jähriger irischer Quacksalber, der im November 1888 aus England in die USA floh. George Chapman wurde später wegen Giftmorden hingerichtet, doch eine Verbindung zu den Ripper-Taten wurde nicht bewiesen.

Weitere Theorien betreffen unter anderem den Maler Walter Sickert, James Maybrick und verschiedene Frauen. Sickerts Täterschaft wird von den meisten Fachleuten und Scotland Yard abgelehnt. Das angebliche Tagebuch Maybricks erwies sich aufgrund moderner Tinte offenbar als Fälschung. Eine DNA-Auswertung von Briefen führte 2006 zur Vermutung, der Täter könne eine Frau gewesen sein; vorgeschlagene Verdächtige wie Mary Pearcey oder Lizzie Williams wurden jedoch nicht überzeugend belegt.

Auch Prominente, darunter Prinz Albert Victor, Lewis Carroll und Sir William Gull, wurden beschuldigt. Hinzu kamen Freimaurer- und Königshausverschwörungen. Für diese Behauptungen fehlen belastbare Beweise. Seit 2016 wurde verstärkt Charles Allen Lechmere genannt, der die Leiche von Mary Ann Nichols als Erster gesehen hatte und dessen Wege an mehreren Tatorten vorbeiführten. Zur Tatzeit galt er jedoch nicht als Verdächtiger. Insgesamt lässt die Quellenlage keine sichere Identifizierung zu.

Briefe und Bedeutung der Medien

Polizei und Zeitungen erhielten während der Mordserie Tausende Zuschriften, darunter Hunderte angebliche Bekennerbriefe. Die meisten galten als Scherze oder Fälschungen; viele Experten halten keinen davon sicher für echt.

Der Dear-Boss-Brief war auf den 25. September 1888 datiert und traf am 27. September bei der Central News Agency ein. Sein Verfasser kündigte an, einer Frau die Ohren abzuschneiden, und unterschrieb mit „Jack the Ripper“. Nachdem Catherine Eddowes am 30. September mit teilweise abgetrenntem Ohr gefunden worden war, veröffentlichte die Polizei den Brief. Später hielten Beamte ihn für den Scherz eines Journalisten. Er machte den Namen Jack the Ripper dennoch weltweit bekannt.

Die Postkarte Saucy Jacky traf am 1. Oktober ein und erwähnte „double event this time“. Damit prägte sie die Bezeichnung für die Morde an Elizabeth Stride und Catherine Eddowes. Handschrift und Stil ähnelten Dear Boss, doch auch ihre Echtheit wird stark bezweifelt.

Der From-Hell- oder Lusk-Brief wurde am 15. Oktober abgestempelt und erreichte George Lusk am 16. Oktober. Beigefügt war eine halbe, in Alkohol konservierte menschliche Niere. Der Absender behauptete, die andere Hälfte gegessen zu haben. Dieser Brief wurde besonders gründlich untersucht, bleibt aber ebenfalls zweifelhaft, unter anderem weil Stil und Handschrift von den beiden anderen Schreiben abweichen. Ein auf den 17. September datierter Brief gilt wegen fehlender zeitgenössischer Vermerke und möglicherweise moderner Schreibmittel als spätere Fälschung.

Der Fall markierte einen Wendepunkt der modernen britischen Mediengeschichte. Preisgünstige Massenzeitungen, ermöglicht durch Reformen von 1855, verbreiteten Berichte und Bilder in bis dahin unbekanntem Umfang. Jack the Ripper war nicht der erste Serienmörder, aber der erste, dessen Taten einen weltweiten Medienrummel auslösten. Die Berichterstattung verstärkte die Legendenbildung und beeinflusste spätere Vorstellungen über den Täter. Zugleich rückten die zuvor oft ignorierten Lebensbedingungen der armen Bevölkerung des East End in die öffentliche Aufmerksamkeit und unterstützten Forderungen der Sozialreformer.

Die ungeklärte Identität führte außerdem zu zahlreichen Bearbeitungen in Filmen, Fernsehserien, Literatur, Theater, Musik, Hörspielen, Comics und Computerspielen. Diese Werke verbinden historische Fakten häufig mit frei erfundenen Täterlösungen und zeigen, wie stark sich der reale Kriminalfall zu einem kulturellen Mythos entwickelte.

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