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Jürgen Runge (Geograph)
Die Vegetationsdecke war demnach nicht erosionsschützend dicht, sondern ließ Erosion und Akkumulation zu. Damit ist nachgewiesen, dass der Raum ein deutlich …
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Profil und wissenschaftliche Funktionen
Jürgen Runge (* 1962 in Bamberg) ist ein deutscher Physiogeograph und Geomorphologe. Die Physiogeographie untersucht die natürlichen Grundlagen und Prozesse der Erdoberfläche; die Geomorphologie befasst sich besonders mit der Entstehung und Veränderung von Landschaftsformen. Runges regionale Spezialisierung liegt im subsaharischen Afrika, vor allem in Zentral- und Westafrika.
Seit 2000 hat er eine Professur für Physische Geographie und Geoökologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne. Geoökologie untersucht die Wechselwirkungen zwischen unbelebter Umwelt und Ökosystemen. An dieser Universität wurde Runge 2003 Gründungsdirektor des Zentrums für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF), später dessen Vizedirektor (2005, 2012) und 2013 Direktor. Seit 2005 gibt er als Chief Editor die wissenschaftliche Fachzeitschrift Palaeoecology of Africa heraus. Außerdem ist er Präsident der Frankfurter Geographischen Gesellschaft e. V. (FGG).
Werdegang
Runge studierte von 1981 bis 1983 Geographie, Bodenkunde, Geologie und Botanik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 1984 bis 1986 setzte er sein Studium an der Georg-August-Universität in Göttingen mit den Fächern Geographie, Botanik sowie tropische Agrar- und Forstwissenschaft fort und schloss dort mit dem Diplom ab.
Als Stipendiat im Graduiertenförderungsprogramm des Landes Niedersachsen promovierte er bei Jürgen Hövermann. Im November 1989 legte er eine Dissertation über die Morphogenese und Morphodynamik in Nord-Togo, Westafrika, vor. Morphogenese bezeichnet die Entstehung von Landschaftsformen, Morphodynamik ihre Veränderung durch natürliche Prozesse.
Ab 1990 arbeitete Runge als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Paderborn bei Hans-Karl Barth. Dort wurde er 2000 habilitiert. Im selben Jahr erhielt er den Ruf auf die Professur für Physische Geographie und Geoökologie an der Universität Frankfurt.
Forschung zu Klima, Landschaft und Regenwald
Von 1991 bis 1994 untersuchte Runge in der Region Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo mehrere Meter mächtige, vielschichtige und stark verwitterte Pedisedimente. Pedisedimente sind durch Bodenbildungs- und Abtragungsprozesse geprägte Ablagerungen. Die Sedimente waren über Kilometer hinweg durch Straßenbauarbeiten aufgeschlossen.
In mehreren Metern Tiefe identifizierte Runge sehr seltene fossile Baumstämme. Sie konnten in die letzte Eiszeit, das Last Glacial Maximum (LGM), datiert werden. Der Fund zeigt, dass es im feuchttropischen Raum während der letzten Eiszeit keine morphodynamisch stabile Boden- und Sedimententwicklung wie heute gab. Die Vegetationsdecke war damals nicht dicht genug, um die Oberfläche vor Erosion zu schützen. Deshalb konnten Erosion und Akkumulation gleichzeitig wirksam werden. Daraus folgt, dass die Region während der letzten Eiszeit ein deutlich trockeneres Klima als heute hatte. Sie kann daher nicht als Rückzugsgebiet (core area) des Regenwaldes gegolten haben.
In diesem Zusammenhang entwickelte Runge für Zentralafrika eine synoptische paläoklimatische Karte mit sogenannten Paläoumwelt-Zeitscheiben. Diese stellen frühere Umweltzustände für bestimmte Zeitabschnitte vergleichend dar. Seine Arbeiten im Kivu musste er im April 1994 wegen der schwierigen politischen Bedingungen abbrechen, die im Völkermord der Hutu an den Tutsi gipfelten.
Ab 1995 konzentrierten sich seine Feldforschungen auf die Zentralafrikanische Republik und Kamerun. Weitere Feldforschungen, Kooperationen, Partnerschaften und Projekte folgten in Togo, Nigeria, Burkina Faso, Kenia, Südafrika und Bénin. Die Ergebnisse verarbeitete Runge in seiner Habilitationsschrift von 2001. Inhaltlich befasst er sich mit Umwelt-, Regenwald-, Savannen- und Klimageschichte. Seit 2007 widmet er sich verstärkt dem Themenkomplex Rohstoffe und Nachhaltigkeit.
Methoden und Themen seiner Veröffentlichungen
Runges Arbeiten verbinden Feldforschung mit geomorphologischen, bodenkundlichen, geologischen und ökologischen Verfahren. Zu den verwendeten Methoden gehören die Analyse von Sedimenten, Kohlenstoffisotopen und stabilen Kohlenstoffisotopen (δ13C), phytolithanalytische Untersuchungen sowie die Auswertung fossiler Pflanzenreste. Phytolithe sind mineralische Strukturen, die sich in Pflanzen bilden und nach deren Zerfall in Böden erhalten bleiben können.
Weitere methodische Ansätze sind die Auswertung von Luftbildern, LANDSAT-TM-Daten und ERS-1-SAR-Daten sowie die morphographische Analyse von Inselbergen mithilfe hochauflösender, aus Luftbildern abgeleiteter digitaler Höhenmodelle (DEMs). Außerdem untersuchte Runge die von Termiten verursachte Bioturbation, also die Durchmischung von Böden und Sedimenten durch Lebewesen, sowie zoogene Sedimentakkumulation durch Tiere. Geofaktorenanalysen und agrar-morphopedologische Karten setzte er ein, um Landnutzungsmuster und Erosionsprozesse in den wechselfeuchten Tropen Westafrikas zu beurteilen.
Ein großer Teil der Veröffentlichungen behandelt die Landschaftsentwicklung Afrikas im Quartär und Holozän. Dazu gehören die Entwicklung von Rumpfflächen, Inselbergen, lateritischen Krusten und Flussbecken sowie Veränderungen von Vegetation, Klima, Abfluss und Hochwasser. Beispiele sind Untersuchungen zur Landschafts- und Klimageschichte Zentralafrikas, zur Dynamik von Waldökosystemen während des Holozäns und zur Regenwald-Savannen-Grenze im nördlichen Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf natürlichen Ressourcen, Transparenz und nachhaltiger Entwicklung. Runge befasste sich mit geologischen Ressourcen und Good Governance im subsaharischen Afrika, mit dem Rohstoffsektor Zentralafrikas sowie mit dem Verhältnis von Verkehrserschließung und Naturschutz in Regenwaldgebieten. Zu seinen sonstigen Veröffentlichungen gehören Darstellungen der Republik Togo, des zentralafrikanischen Regenwaldes, des Kongo-Flusses sowie zentralafrikanischer Krisenregionen aus geographischer Sicht.