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Institut für Klassische Archäologie und Byzantinische Archäologie

1 Geschichte. 1.1 Anfänge der Archäologie in Heidelberg; 1.2 Gründung des Instituts und Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg · 2 Forschung und Lehre. 2.1 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Von den Anfängen zur eigenständigen Einrichtung
  3. 3. Das Institut in Kriegszeiten und seit 1945
  4. 4. Forschung, Lehre und institutionelle Zusammenarbeit
  5. 5. Antikenmuseum und Abgusssammlung

Gegenstand und Bedeutung

Das Institut für Klassische Archäologie und Byzantinische Archäologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ist ein Universitätsinstitut für Klassische und Byzantinische Archäologie. Es erforscht die materiellen Hinterlassenschaften der antiken Mittelmeerwelt und nutzt archäologische Befunde und Funde, um historische Zusammenhänge zu klären. Berücksichtigt werden unter anderem Kunstwerke, Architektur, Vasen, Glasobjekte, Münzen, Siegel und wirtschaftsgeographische Strukturen.

Das Institut verfolgt ein weit gefasstes Verständnis der Klassischen Archäologie. Neben der griechischen und römischen Archäologie gehören auch die ägäische Bronzezeit, die Etruskologie und die Provinzialrömische Archäologie zu seinen Arbeitsgebieten. Griechische und römische Archäologie werden nicht isoliert, sondern in ihrem Zusammenhang betrachtet. Das Institut ist Sitz des Corpus der minoischen und mykenischen Siegel und betreibt das Antikenmuseum der Universität Heidelberg.

Archäologie wurde in Heidelberg bereits ab 1804 gelehrt, zunächst innerhalb der Klassischen Philologie. Das eigenständige Institut entstand 1866. Seit 2019 trägt es nach dem Zusammenschluss mit dem Institut für Byzantinische Archäologie und Kunstgeschichte seinen heutigen Namen. Zuvor hieß es bis 2004 Archäologisches Institut, 2004–2005 Seminar für Klassische Archäologie und 2005–2019 Institut für Klassische Archäologie. Heute ist es im Kollegiengebäude am Marstall in der Heidelberger Altstadt untergebracht.

Von den Anfängen zur eigenständigen Einrichtung

Die Heidelberger Archäologie geht auf den Altphilologen Friedrich Creuzer zurück, der 1804 berufen wurde. Sein besonderes Interesse galt der griechischen Mythologie. Ab 1807 hielt er archäologische Lehrveranstaltungen im von ihm mitbegründeten „Philologisch-Pädagogischen Seminarium“ und später im Philologischen Seminar. Ab 1810 bot er im zweijährigen Rhythmus systematische Veranstaltungen über Archäologie an. Diese bestand damals im Wesentlichen aus der kunstwissenschaftlichen Analyse der griechischen Kunst.

Creuzer beschäftigte sich außerdem mit der lokalen Frühgeschichte. 1833 veröffentlichte er ein Werk zur „Geschichte alt-römischer Cultur am Ober-Rhein und Neckar“ und beschrieb 1838 ein neu ausgegrabenes Mithräum aus dem römischen Heidelberg. Seine private Sammlung von Münzen und Gipsabgüssen wurde 1834 durch Stiftungen erweitert und bildete als „Antiquarium Creuzerianum“ den Grundstock der späteren Antikensammlung.

Karl Zell wurde 1846 gezielt für eine „Professur für Archäologie“ nach Heidelberg berufen. 1848 stellte die badische Regierung erstmals Mittel für Lehrmittel bereit; außerdem erhielt die Universitätsbibliothek Räume für die archäologische Sammlung und Lehrveranstaltungen. Karl Bernhard Stark, Zells Nachfolger ab 1855, beantragte wiederholt regelmäßige finanzielle Mittel. Diese wurden ihm 1862 zugestanden, wodurch vier Jahre später die Gründung eines eigenständigen archäologischen Instituts möglich wurde.

Die Gründung von 1866 war vor allem aus finanziellen Gründen wichtig. Nach einer Reform des Philologischen Seminars spielte die Archäologie dort keine Rolle mehr und erhielt weniger Förderung. Bereits 1868 musste das Institut wegen wachsender Bestände und eines größeren Fachbereichs seine bisherigen Räume verlassen. Es kaufte das Gebäude Augustinergasse 7 und stellte erstmals einen „Institutsdiener“ ein.

Friedrich von Duhn leitete das Institut von 1880 bis 1919. Anders als Stark war er institutionell nicht mehr mit Nachbarfächern wie Alter Geschichte und Kunstgeschichte verbunden, da für diese eigene Lehrstühle und Institute entstanden. Von Duhn führte keine großen eigenen Ausgrabungen durch, reiste jedoch durch den Mittelmeerraum, besuchte Grabungen und nahm 1890 an der zweiten Troja-Konferenz teil. Er unterstützte Heinrich Schliemanns Lokalisierung Trojas im heutigen Hisarlık.

Besonders wichtig war sein Ausbau der Sammlung. 1881/1882 erwarb das Institut die Nachbarhäuser Schulgasse 2/4; 1885 entstand ein Oberlichtsaal für Gipsabgüsse des Parthenonfrieses. Von Duhn führte außerdem Exkursionen in deutsche Sammlungen sowie Zeichen- und Fotografierkurse ein. 1903 zog der Lehrstuhl in das sogenannte Museumsgebäude, später „Neues Kollegienhaus“ genannt. Die bisherigen Gebäude in der Augustiner- und Schulgasse konnten dadurch vollständig für die Sammlung genutzt werden.

Das Institut in Kriegszeiten und seit 1945

Im Ersten Weltkrieg verlor das Institut unter anderem drei Assistenten und den Institutsdiener. Die Lehre wurde dennoch fortgeführt. Nach der Zulassung des Frauenstudiums im Jahr 1900 war der Frauenanteil zunächst nur langsam gestiegen; durch die allgemeine Mobilmachung nahm er während des Krieges stark zu.

Nach Friedrich von Duhns Emeritierung 1920 übernahm zunächst Ludwig Curtius den Lehrstuhl. Bis zu seiner Berufung zum Direktor der Abteilung Rom des Deutschen Archäologischen Instituts 1928 konzentrierte er sich besonders auf die Institutsbibliothek sowie die Photothek und Diasammlung, da die Antikensammlung keinen repräsentativen Querschnitt der gesamten Archäologie mehr bieten konnte. 1929 wurde Arnold von Salis Professor. Er bezog stärker als seine Vorgänger auch künstlerisch schlichte Fundstücke in Forschung und Lehre ein und arbeitete methodisch an der stilgeschichtlichen Entwicklung und Formgeschichte.

Ebenfalls 1929 wurde das Kollegienhaus am Universitätsplatz abgerissen. Das Institut zog mit anderen altertumswissenschaftlichen Einrichtungen in den Weinbrennerbau am Marstallhof. Von Salis, ein Schweizer und kein überzeugter Nationalsozialist, forschte nach 1933 weitgehend unpolitisch und wurde 1940 nach Zürich berufen. Sein Nachfolger Reinhard Herbig setzte seine etruskologischen Forschungen trotz nationalsozialistischer Leitlinien fort. In den meisten Arbeiten und besonders in der Lehre ist laut der im Artikel genannten Untersuchung kein direkter nationalsozialistischer Einfluss erkennbar. Die Archäologie blieb zwischen 1933 und 1945 als einziges altertumswissenschaftliches Fach der Universität „von nationalsozialistischen Aktivisten weitgehend verschont“. Der Zweite Weltkrieg verursachte ab 1939 Personalmangel, störte Forschung und Lehre aber bis kurz vor Kriegsende nicht wesentlich. Herbig wurde 1946 als „nicht belastet“ eingestuft.

Nach 1945 wurde Hermann Wagner als Archäologiefotograf gewonnen. Er blieb bis 1961 am Institut, übernahm bis 1953 auch Hausmeisteraufgaben und arbeitete nebenbei als Restaurator für Metallobjekte. 1948 wurde das hundertjährige Jubiläum des Antikenmuseums mit einer Sonderausstellung, Publikationen, Vorträgen und einem Festakt begangen. Nach Herbigs Berufung nach Rom 1956 übernahm Roland Hampe die Professur. Unter seiner Amtszeit entstanden wichtige Voraussetzungen für den Neubau des Neuen Kollegiengebäudes am Marstall, in dem ab 1971 auch Abgusssammlung und Antikenmuseum untergebracht werden konnten.

1960 wurde eine Restauratorenstelle, 1963 eine Konservatorenstelle eingerichtet. 1968 kam Jörg Schäfer als Dozent hinzu; aus dieser Stelle entstand ein Jahrzehnt später die zweite Professur. Nach Hampe lehrte Tonio Hölscher von 1975 bis zu seiner Emeritierung 2010. Die Nachfolge Jörg Schäfers trat 1991 Wolf-Dietrich Niemeier an, 2003 wurde Diamantis Panagiotopoulos auf den zweiten Lehrstuhl berufen. 2002 kam nach der Schließung des Mannheimer Archäologischen Instituts Reinhard Stupperich nach Heidelberg; dadurch bestand bis zu seiner Emeritierung 2019 ein dritter Lehrstuhl.

Weitere wichtige Entwicklungen waren die Sonderausstellung 1998 und das internationale Symposion 1999 zum 150-jährigen Jubiläum der Antikensammlung, die Einrichtung des „Zentrums für Altertumswissenschaften“ ab 2004, die Überführung des Corpus der minoischen und mykenischen Siegel nach Heidelberg 2011 und das Institutsjubiläum 2016. Nikolaus Dietrich wurde 2015 als Juniorprofessor mit Tenure-Track berufen; im selben Jahr wurde Caterina Maderna als außerplanmäßige Professorin fest angestellt.

Forschung, Lehre und institutionelle Zusammenarbeit

Das Institut hat keine offizielle fachliche Schwerpunktsetzung. Es versucht, alle Teilbereiche und unterschiedlichen materiellen Quellengattungen der Archäologie des Mittelmeerraumes einzubeziehen. Die Forschung fragt nicht nur nach dem Aussehen oder der Herstellung einzelner Objekte, sondern nach deren historischen Hintergründen, politischen Aussagen und gesellschaftlichen Wirkungen.

Tonio Hölscher entwickelte interdisziplinäre Zugänge, die unterschiedliche Quellengattungen miteinander verbanden. Roland Hampe untersuchte griechische Mythen und das antike Handwerk; 1972 wurde in Heidelberg eine Arbeitsstelle des Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae eingerichtet. Gemeinsam mit dem Experimentalarchäologen Adam Winter, weiteren Kunsthandwerkern und Naturwissenschaftlern erforschte Hampe handwerkliche Verfahren. Jörg Schäfer beschäftigte sich unter anderem mit antiken Häfen und wandte Methoden der Geoarchäologie an. Nikolaus Dietrich arbeitet bildwissenschaftlich zur Plastik der archaischen Zeit und zur attischen Vasenmalerei.

Der erste Lehrstuhl ist eher bild- und kulturwissenschaftlich sowie auf die klassische griechisch-römische Zeit ausgerichtet. Der zweite Lehrstuhl konzentriert sich seit Jörg Schäfer auf die griechische Frühzeit. Heute ist er die einzige Professur in Deutschland mit einem ausdrücklich auf die ägäische Bronzezeit ausgerichteten Schwerpunkt. Niemeier und Panagiotopoulos führten die Forschung zur Ägäis, besonders zur minoischen und mykenischen Kultur, fort. Stupperich vertrat von 2002 bis 2019 unter anderem die Provinzialrömische Archäologie, die in Heidelberg nicht als eigenes Fach gelehrt wird. Die Etruskologie ist seit Friedrich von Duhn im Institut vertreten.

Das Institut arbeitet eng mit anderen archäologischen und altertumswissenschaftlichen Fächern zusammen. Seit 2004 gehört es zum „Zentrum für Altertumswissenschaften“. Kooperationen bestehen unter anderem mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte, dem Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik sowie dem Institut für Wissenschaftliches Rechnen im Bereich der Digitalen Archäologie. Es war von 2007 bis 2019 am Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ beteiligt und arbeitet seit 2011 am Sonderforschungsbereich 933 „Materiale Textkulturen“ sowie seit 2012 am „Heidelberg Center for Cultural Heritage“ mit.

Neben Professoren, Privatdozenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern gibt es Stellen für Restaurierung, Konservierung und Fotografie. Im Sommersemester 2016 studierten 211 Personen im Hauptfach und 85 im Nebenfach; insgesamt sind derzeit etwa 300 Studierende eingeschrieben. Die Bibliothek umfasst etwa 63.000 Medien (Stand 2017). Ihre Schwerpunkte liegen bei der minoisch-mykenischen Kultur, der antiken Mythologie und Religionsgeschichte sowie der Topographie des klassischen Altertums. Die Photothek enthält etwa 50.000 Fotopappen. Zur Unterstützung und Vermittlung der wissenschaftlichen Arbeit wurde der Freundeskreis „Forum Antike“ gegründet.

Antikenmuseum und Abgusssammlung

Das Antikenmuseum und die Abgusssammlung gehen auf die private Sammlung Friedrich Creuzers zurück. Die verschiedenen Institutsleiter bauten sie unterschiedlich stark, insgesamt aber kontinuierlich aus. Nach mehreren Umzügen befinden sich beide Sammlungen heute im Erd- und Dachgeschoss des Neuen Kollegiengebäudes am Marstall. Im Zuge der Renovierung des Gesamtgebäudes sollten die Räume ab 2016 deutlich vergrößert werden.

Die Sammlungen sollen einen Querschnitt durch die antike Kunst von den frühen Mittelmeerkulturen bis zur römischen Kaiserzeit geben. Das Antikenmuseum zeigt vor allem Vasen und andere Tongefäße, außerdem weitere Tonobjekte und Bronzeobjekte.

Die Abgusssammlung umfasst etwa 15.600 Exponate und gehört damit zu den größten universitären Abgusssammlungen Deutschlands. Rund 1.200 Abgüsse stellen Statuen, Porträts und Reliefs dar. Die übrigen Stücke sind kleinere Objekte wie Gemmen, Münzen, Terra Sigillata und Siegel. Zusätzlich gibt es etwa 5.000 Originalmünzen, die vom „Heidelberger Zentrum für antike Numismatik“ verwaltet werden.

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