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Informationsüberflutung
Informationsüberflutung (auch Informationsflut, englisch information overload oder englisch information flood) bezeichnet in der Informetrie in einer ersten …
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Begriff und Folgen
Informationsüberflutung, auch Informationsflut, bezeichnet in der Informetrie zunächst die intellektuelle Belastung einer Person, die mehr Informationen erhält, als sie zeitnah verarbeiten kann. Sie wird auch in Wirtschafts-, Ingenieur-, Informations- und Computerwissenschaften sowie in der Psychologie untersucht. Eine wichtige Folge ist, dass sich die Entscheidungsfähigkeit von Entscheidungsträgern verschlechtert. Am Arbeitsplatz kann Informationsüberflutung außerdem Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern beeinträchtigen.
Die Verarbeitung wird besonders schwierig, wenn viele alte und neue Daten vorhanden sind, sich Angaben widersprechen oder das Signal-Rausch-Verhältnis niedrig ist: Dann ist viel „Rauschen“ vorhanden und Wichtiges lässt sich schwer von Unwichtigem, Interessantes von Uninteressantem trennen. Fehlende Kenntnisse zum Vergleichen und Aufarbeiten von Informationen können dies verstärken. Selektive Wahrnehmung, also die Aufmerksamkeit für einen Teil der verfügbaren Informationen, ist ein wichtiger Filter.
Eine geringe Dosis belastender Reize beeinträchtigt meist nur wenig. Ein „too much“ kann jedoch Reaktanz auslösen, einen psychischen Abwehrmechanismus, bei dem sich Menschen von der Informationsquelle ablösen.
Ursachen und digitale Verbreitung
Zu den Gründen zählen die schnelle Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik, etwa geringere Speicherkosten und Suchmaschinen, die globale Vernetzung von Wissen, mehr Publikationsformen sowie eine mögliche propagandistische Absicht.
E-Mails sind Push-Kommunikation: Informationen werden aktiv an Empfänger gesendet. Über Carbon Copy können Nachrichten zugleich viele Personen erreichen. Dieses Posting ist mit einem Schwarzen Brett vergleichbar, weil es Informationen teil-öffentlich macht; dadurch steigt die Gesamtzahl der Nachrichten erheblich.
Informationsüberflutung wird besonders oft mit netzbasierter Kommunikation verbunden. Dazu gehören E-Mail und Social Media, etwa Blogs und Mikroblogs wie Twitter, Content Communitys wie YouTube, soziale Netzwerke wie Facebook, MMORPGs wie World of Warcraft sowie soziale virtuelle Welten wie Second Life.
Informationsflut als Propagandatechnik
In einer zweiten Bedeutung kann Informationsüberflutung eine Technik der Manipulation sein. Emma Briant beschreibt, dass sie ähnlich wie Geheimhaltung wirken könne und kurzfristig, besonders in Demokratien, sogar wirksamer angesehen werde. Wenn eine Informationsüberflutung auftrete, sei eine beeinträchtigte Entscheidungsqualität wahrscheinlich. Die durch moderne Technologie erzeugte Informationsflut drohe Empfänger passiv zu machen; Überlastung führe zur Ablösung.
Bei propagandistischer Nutzung werden Rezipienten mit widersprüchlichen, vagen, unbelegten oder erfundenen Informationen überschwemmt. Dadurch kann Orientierung unmöglich werden; Verunsicherung und Unglauben können folgen. Auch Rainer Mausfeld stellt diese Technik dar. Ob Informationsflut die schnellere Verbreitung von fake news begünstigt, ist jedoch umstritten.
Auswirkungen in Online-Communitys
Da Menschen Informationen nur begrenzt verarbeiten können, kann Informationsüberflutung die Aktivität in Online-Communitys einschränken. Bei steigender Zahl von Beiträgen ignorieren Mitglieder Informationen, schreiben selbst weniger oder verlassen die Community ganz. In Communitys mit starkem Mitgliederwachstum wurden zugleich zunehmende Abwanderung und sinkende Beitragszahlen bisheriger Mitglieder beobachtet.
Dies wird neben dem sozialen Faulenzen als Gegenpart zum Netzwerkeffekt der Informationsüberflutung zugeschrieben. Der Netzwerkeffekt beschreibt dabei den Nutzen, der durch mehr Teilnehmende entstehen kann. Wie stark die Überflutung wirkt, hängt wesentlich von der eingesetzten Software ab: In Communitys mit überwiegend asynchroner Kommunikation wird sie als geringer angesehen als bei synchroner Kommunikation.
Gegenmaßnahmen und Einordnung
Gegen Informationsüberflutung helfen verbesserte Fähigkeiten im Umgang mit Informationen. Dazu gehören Selbstmanagement, Informationsmanagement und Medienkompetenz. Ziel ist, systematisch Prioritäten zu setzen und Informationen so zu behandeln, dass sie überschaubar bleiben.
Auch die Informationsqualität im Arbeitsumfeld kann verbessert werden, beispielsweise durch Qualitätsstandards und Regeln für Information und Kommunikation sowie durch bessere Strukturierung und Visualisierung. Die Arbeitsorganisation sollte wichtige Aufgaben ohne Unterbrechung ermöglichen. Informationslieferanten sollten klar erfahren, welche Informationen benötigt werden und welche nicht; zum Filtern und Organisieren können etwa E-Mail-Filter eingesetzt werden.
Richard Sennett unterscheidet Information von Kommunikation: Große Mengen an Rohdaten seien eine politische Tatsache und führten zu einer Zentralisierung der Kontrolle; durch Interaktion und Interpretation könne Kommunikation die Informationsmenge dagegen verringern. John Naisbitt fasst die Problemlage so zusammen: „Wir ertrinken in Informationen und hungern nach Wissen.“