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Hydrographischer Dienst
Ein hydrographischer Dienst ist ein hydrologischer Dienstleister, der meist im Auftrag eines Staates bzw. der öffentlichen Hand (Gemeinde, Bundesland, …
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Grundidee und Bedeutung
Ein hydrographischer Dienst ist ein hydrologischer Dienstleister, der meist im Auftrag eines Staates oder der öffentlichen Hand arbeitet, zum Beispiel für Gemeinden, Bundesländer oder Kantone. Daneben gibt es grenzübergreifende Verbünde entlang großer Ströme und Meeresküsten.
Hydrographische Dienste sind wichtig, weil sie Daten über Gewässer, Grundwasser und den Wasserkreislauf bereitstellen. Diese Daten bilden die Grundlage für Wasserwirtschaft, Wasserkraftnutzung, Schiffsverkehr, Wasserversorgung, Hochwasserschutz und Wassermanagement.
Aufgaben
Hydrographische Dienste erfassen und kartieren Gewässer und ihre Einzugsgebiete. Ein Einzugsgebiet ist das Gebiet, aus dem Wasser einem bestimmten Gewässer zufließt. Erfasst werden sowohl Oberflächengewässer als auch Grundwassersysteme.
Sie beobachten und messen hydrologische Prozesse, also Vorgänge im Wasserhaushalt. Ein zentrales Anliegen ist die wissenschaftliche Erforschung des Wasserkreislaufes, der als wiederkehrende Aufeinanderfolge von Niederschlag, Abfluss und Verdunstung beschrieben wird.
Zu den Aufgaben gehören außerdem die Ermittlung nutzbarer Wasserressourcen, die Vorhersage hydrologischer Prozesse durch einen Hydrografischen Nachrichtendienst sowie Hochwasserwarnungen durch Hochwasserwarndienst oder Hochwassermeldedienst. Weitere Aufgaben sind die hydrologische Bemessung wasserwirtschaftlicher Anlagen und das Umweltmonitoring, etwa für Badegewässer.
Daten und Erfassung
Die Arbeit beginnt mit der kartographischen Erfassung, Aufnahme und Vermessung von Gewässersystemen und Einzugsgebieten. Dazu gehören auch Gewässerbetten, Gewässerprofile und Wasserbauwerke. Beispiele für Wasserbauwerke sind Querbauwerke wie Staumauern, Wehre und Geschiebesperren, außerdem Häfen, Entlastungsgerinne und Kanäle.
Früher wurden diese Informationen in Landkarten festgehalten. Heute geschieht die Arbeit vor allem elektronisch in Geoinformationssystemen, kurz GIS. Dort werden hydrographische Daten mit anderen geowissenschaftlichen Informationen vernetzt.
Bei der Aufnahme der Gewässer werden ihre Lage, die Stationierung oder Kilometrierung, ihr Zusammenhang im Gewässernetz, Identifikationscodes wie Gewässerkennzahlen und die Namen der Gewässer festgelegt. Für solche Informationen werden Verzeichniswerke geführt, zum Beispiel ein Wasserbuch.
Messnetze und Modelle
Für die Einschätzung des Gefahrenpotentials eines Gewässers wird sein Abflussregime ermittelt. Damit ist sein Verhalten in Bezug auf Niederschlag und Zufluss oberhalb einer bestimmten Stelle gemeint.
Eine grundlegende Methode ist der Aufbau eines umfassenden Messnetzes. Außerdem erstellen hydrographische Dienste Modelle: statische Gewässernetzmodelle sowie dynamische Zu- und Abflussmodelle. Diese werden mit Niederschlagsmodellen und der Glaziologie, also der Gletscherkunde, verbunden.
Wichtige Messnetze sind Pegelstellen für den Wasserstand, Messungen von Durchfluss und Abfluss besonders an Querwerken, Grundwassermessstellen, Quellmessstellen an der Schnittstelle zwischen Grundwasser und Oberflächenwasser, Messungen der Wassertemperatur, Geschiebeerhebungen für den fluviatilen Massentransport und Veränderungen des Gewässerprofils, Feststoffmessnetze für Schwebstoffe sowie wasserchemische Messnetze für Schadstoffe.
Entwicklung und Organisation
Historisch entwickelten sich hydrographische Dienste im 19. Jahrhundert aus der reinen Gewässergeographie, vor allem im Zusammenhang mit Hochwasserschutz. Ab dem 20. Jahrhundert wurde die Entwicklung der Wasserkraft wichtiger.
In den 1960er-Jahren gewann die Erforschung des Grundwasserdargebots und der Wasserbilanz an Bedeutung. Ab den 1970er-Jahren kam der ökologische Aspekt der Gewässerreinhaltung hinzu. Dadurch wurden hydrographische Dienste zu einem wichtigen Teil der Umweltüberwachung. Im 21. Jahrhundert stehen besonders Geoinformation und die Auswirkungen des Klimawandels im Mittelpunkt.
Organisatorisch sind hydrographische Dienste oft eng mit meteorologischen Diensten verbunden; dann spricht man von einem Hydrometeorologischen Dienst. Es gibt auch Verbindungen zu Institutionen der Wasserwirtschaft, zu Umweltbehörden im Umwelt- und Naturschutz sowie, bei bedeutender Binnenschifffahrt, zu Schifffahrtsbehörden. Viele Ämter bauen für ihr Flussgebiet Flussinformationssysteme auf, in die neben Verkehrsdaten auch Hydrographie einfließt.